Kaiserslautern Den Kellerschlüssel gefunden
Pirmasens. Nils Seufert schreit seine Erleichterung in den Abendhimmel, und dann rennt er nur noch, so schnell er kann. Zur Trainerbank. Seine Mannschaftskameraden von der U23 des 1. FC Kaiserslautern stürmen ihm hinterher und saugen ihn ein in die Jubeltraube, brüllen ihre Freude raus und stürzen ihre Gegenspieler und die Fans des FK Pirmasens in ein Loch, in das sie sonst selbst gefallen wären.
Das Tor von Nils Seufert in der 70. Minute bleibt das einzige des Abends, und der FCK II entführt die drei Punkte, die auch Pirmasens zum Klassenerhalt dringend brauchen würde, vom Sportpark Husterhöhe. Kaiserslauterns Innenverteidiger Bernard Kyere-Mensah muss sich nach Abpfiff erstmal setzen und alles sacken lassen. Der Kampf um den Sieg hat ihm Kräfte geraubt. Er schaut auf den Rasen, atmet ein paarmal tief durch, dann strahlt er. Und erzählt vom Druck, der vor dem Spiel auf ihm und seinen Mannschaftskameraden lag. „Wenn wir verlieren, dann ist es so gut wie aus.“ Das wussten alle. „Wir wollen unbedingt in dieser Liga bleiben, und wir wollen alles dafür tun“, betet der Ghanaer runter und verbeugt sich in Gedanken vor seinen Teamkollegen. „Jeder einzelne Spieler, von der Nummer eins bis zur 26, hat gekämpft. Es war eine überragende Mannschaftsleistung. Ich bin stolz auf die Mannschaft“, sprudelt es aus ihm raus. „Wir sind so eng zusammengewachsen die letzten Wochen. Von einer U23 müsste man eigentlich denken, dass jeder seinen Erfolg will, aber bei uns zählt mehr die Mannschaftsleistung.“ Nils Seufert ging für seinen Beitrag fürs Team über die Schmerzgrenze. Er spielte mit Beckenkammprellung. „Sehr schmerzhaft“, gibt er zu und erzählt von der mühsamen Aufbauarbeit, die sein Physiotherapeut mit ihm leistete. „Ich musste mich einfach bei Eric Schön bedanken“, erklärt Seufert seinen Spurt zur Trainerbank. Dass er alles geben würde, auch wenn er dafür Schmerzmittel nehmen muss, stand für den 20-jährigen Mittelfeldspieler, der 2016 einen Profivertrag beim FCK unterschrieben hat, sofort fest. Er wusste auch, dass die Partie gegen den Tabellennachbarn, der vor dem FCK II lag, ein Kampfspiel werden würde. „Als wir auf den Platz gegangen sind, war klar, dass es knapp werden würde.“ „Beide Teams waren nervös“, sind sich FCK-Trainer Hans Werner Moser und FKP-Trainer Peter Tretter einig. Richtung gegnerisches Tor lief erstmal nur der FCK, brachte aber nichts zustande. Wilfried Sarr versuchte es in der ersten Minute aus elf Metern, Torwart Daniel Kläs hielt diesen und fing besonders in Hälfte zwei etliche Schüsse aus kurzer Distanz ab, doch in der 70. Minute, als Seufert aus 18 Metern aus dem Getümmel abzog, wurde auch Kläs eiskalt erwischt. „Er hat gar nicht reagiert. Das hat mich gewundert“, gibt Seufert zu und freut sich dann erstmal. „Es sieht jetzt sehr gut aus. Wir sind an Pirmasens vorbei. Wir haben aber noch zwei Spiele, die wir gewinnen müssen.“ „Es war für beide Mannschaften ein wichtiges Spiel“, gibt auch Moser hinterher zu, dem die Erleichterung anzumerken ist. Vor allem, nachdem er wieder das Manko gesehen hat, das sein Team die ganze Saison verfolgt: „Dass wir die Chancen auch zu Toren machen.“ Diesmal habe ein Tor gereicht. Es biete die Chance, „vielleicht rauszukommen“.