Im Gespräch
Den früheren Opel-Betriebsratschef Lothar Sorger lässt die Gewerkschaftsarbeit nicht los
Zeitung lesen gehört für Lothar Sorger einfach dazu. Neulich hat er in der RHEINPFALZ von dem spanischen Arzt im Ruhestand gelesen, der für seine Sache 600.000 Unterschriften gesammelt hat. Dabei ging es um Protest gegen die Tatsache, dass Bankgeschäfte zunehmend nur noch am Automaten oder online zu erledigen sind. Ein Thema, das nicht nur in Spanien vorherrsche, sagt Sorger, der darin einen allgemeinen Trend erkennt. „Das ist genau das Thema.“
Seit Oktober ist Sorger der Vorsitzende des Arbeitskreises Außerbetriebliche Gewerkschaftsarbeit der IG Metall. Der stehe allen Metallern offen, die nicht in einem Betrieb organisiert sind, also Schülern und Studenten, Arbeitslosen und Rentnern. „Faktisch ist es so, dass wir ein Seniorenarbeitskreis sind“, sagt Sorger. Die Bandbreite im Gremium sei groß, das gehe los bei Vorruheständlern Anfang 60. „Unser ältestes Mitglied ist 90 Jahre alt.“
Offener Brief an die Sparkasse Kaiserslautern
Dieser Arbeitskreis hat sich unlängst – vor der Berichterstattung über den spanischen Arzt – mit einem offenen Brief an Sparkassen-Vorstand und -Verwaltungsrat zu Wort gemeldet, und die (temporäre) Ausdünnung des Filialnetzes kritisiert. Das Thema Altersdiskriminierung sei im Arbeitskreis allerdings schon vor den Plänen der Sparkasse diskutiert worden, unterstreicht Sorger. Sogar auf Bundesebene der Gewerkschaften – Sorger nennt DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel – seien die Nöte der Älteren Thema. „Analoge Zugänge müssen erhalten bleiben“, fasst es Sorger zusammen und meint damit, dass viele Institutionen wie Krankenkassen, Unternehmen und Banken ihren Service vor Ort zusehends abbauen und ins Callcenter oder ins Internet verlegen. „Ein Downgrade“ nennt es Sorger, ein Sinken des Niveaus der Serviceleistungen. „Das trifft die Leute. Die wissen, dass sie alt sind, dass nicht mehr alles so schnell geht wie früher.“ Deshalb seien Ansprechpartner vor Ort, aus Fleisch und Blut, sehr wichtig. Dabei seien Öffnungszeiten von Filialen oder Büros – egal welcher Institution - immer verhandelbar, unterstreicht Sorger.
Langweilig wird dem früheren Betriebsratschef nicht
Und sonst? Langweilig wird es dem 63-Jährigen nicht, auch ohne Gewerkschaftsarbeit. In seinem Wohnort Olsbrücken ist er Mitglied der „aktiven Rentnergang“, wie er den Zusammenschluss von arbeitswilligen Ruheständlern nennt, die sich um dies und das im Ort kümmern, Hand anlegen, wo das gebraucht wird. Ein Bouleplatz etwa sei eines der jüngst fertiggestellten Projekte. Und dann gibt es da ja noch das Radfahren. Unlängst hat Sorger sich ein neues Gefährt zugelegt. „Kein E-Bike“, unterstreicht er, sondern ein Mountainbike, auf dem er auch mal Touren angeht, die an der 100-Kilometer-Marke kratzen.
Den Artikel über den spanischen Arzt und seine Aktion hat Sorger zu seinen Akten genommen. Vielleicht nimmt er ihn auch mit, wenn der Arbeitskreis demnächst einen Termin beim Sparkassen-Vorstand Kai Landes hat. Allerdings steht beim Arbeitskreis nicht nur das Thema Altersdiskriminierung auf dem Tapet. Derzeit arbeite der Kreis auch an einem Faktenpapier rund ums Thema E-Mobilität. „Wir wollen ein Gerüst liefern, mit dem man gescheit diskutieren kann.“ Die Themen gehen dem Arbeitskreis – und Lothar Sorger – nicht aus.
Info
Der Arbeitskreis Außerbetriebliche Gewerkschaftsarbeit trifft sich am dritten Montag im Monat, 14 Uhr, in den Räumen der IG Metall in der Richard-Wagner-Straße. Aufgrund der Pandemie-Situation wird um Anmeldung unter Telefon 0631 366480 gebeten. Hybrid-Veranstaltungen sind möglich.