Kaiserslautern
Dehoga-Chef Alf Schulz: „Wir brauchen nicht noch ein Hotel“
Wenn Alf Schulz von sich sagt, „Ich bin ein alter Esel“, darf man ihn nicht wörtlich nehmen. Der 76-jährige Senior-Chef des Bremerhofs und Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbands geizt nicht mit lockeren Bemerkungen, die er gern schmunzelnd mit einer Portion Selbstironie würzt. Den Esel allerdings nimmt man ihm nicht ab – außer vielleicht wegen einer gewissen Hartnäckigkeit, ohne die er es nicht so weit gebracht hätte in seiner Branche.
Ein sprichwörtlich alter Hase ist er jedoch auf jeden Fall. „Ich bin seit 60 Jahren in der Gastronomie, seit 50 Jahren mit meiner Frau zusammen selbstständig“, unterlegt er seine Selbstbeschreibung. Und fügt an: „Entweder, man hat das Dienstleistungsgen oder man hat es nicht.“
Alf Schulz hat es. Der Bremerhof – ein Ausflugslokal im Grünen, aber dennoch urban genug, um den Feierabend nach dem Bürotag dort zu genießen – ist eine Institution in Kaiserslautern und Umgebung. 2001 übernahm Schulz die Leitung des Hotel-Restaurants. Seit etlichen Jahren teilt er sich die Geschäftsführung mit seinem Schwiegersohn und seiner Tochter, Tobias und Nina Maurer. Das langjährige Amt des Vizepräsidenten beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Rheinland-Pfalz hat er im Herbst 2024 abgegeben, um Jüngeren Platz zu machen. Aber zum Dehoga-Kreisvorsitzenden hat er sich Ende 2025 wiederwählen lassen. Die Stimme dieses „alten Esels“ hat in der Lauterer Region Gewicht. Sie scheut sich nicht, Dinge klar zu benennen und Position zu beziehen.
„Wir sind keine Tankstelle“, spielt Schulz auf Preisschwankungen beim Einkauf an
Von der Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen zum Jahreswechsel hat wohl kaum ein Restaurantgast etwas im Geldbeutel gespürt. „Ja, die diente rein zur Kostendeckung“, bestätigt Alf Schulz. Und zählt Gründe dafür auf: „Der Mindestlohn wurde um einen Euro angehoben, die Energiekosten sind höher, die Einkaufskosten steigen ...“ Der Preis für Rindfleisch beispielsweise sei allein „von Dezember bis jetzt um 14 Prozent gestiegen“. Der Preis schwanke, „aber wir sind keine Tankstelle“, macht Schulz deutlich. „Wir können nicht ständig den Preis ändern. Wenn jemand im April oder Mai eine Feier machen will, müssen wir jetzt einen Preis nennen.“
Wäre die Mehrwertsteuer nicht wieder von 19 auf nun langfristig sieben Prozent gesenkt worden, „dann hätten wir im Bremerhof eine Preissteigerung um durchschnittlich neun Prozent gehabt“, gibt er einen Einblick. Doch diese Zahlen seien nicht allgemeingültig, warnt er: „Jeder hat eine andere Kostenstruktur! Im einen Betrieb arbeitet die Frau mit, im anderen wird Personal bezahlt.“ Deshalb könne der Dehoga keine Empfehlung geben. „Wir können lediglich sagen: Kalkuliert eure Preise nach der eigenen Kostenstruktur! Denn die Gastronomie ist nicht Handel. Wir verkaufen keine Produkte, sondern Dienstleistungen.“
In Kaiserslautern seien die Preise im regionalen Vergleich noch moderat
Aber es gibt laut Schulz regionale Preisunterschiede. „In der Vorderpfalz ist es teurer als bei uns“, macht er klar, dass es sich in Kaiserslautern „komfortabel leben“ lässt. Zudem spricht er von einem „Nord-Süd-Gefälle in Deutschland“; so kenne er in Schleswig-Holstein deutlich höhere Preise für ein Rindergericht. „Im Norden kennt man auch nicht den 0,5-Liter-Schoppen, da sind die Gläser kleiner“ – aber der Preis nicht entsprechend, schiebt er augenzwinkernd hinterher.
Der starke Personalmangel, wie ihn die Gastronomie durch die Corona-Pandemie erlebt hatte, bestehe so nicht mehr. „Wir können im Moment nicht klagen“, berichtet er vom Bremerhof. Das liege auch daran, dass „wir ordentlich zahlen, Dienstpläne per App haben, sodass Wünsche gut berücksichtigt werden können“. Ein größerer Pool an Beschäftigten mache dies möglich. In Kaiserslautern sei man in der glücklichen Lage, eine Uni und damit Aushilfen vor Ort zu haben. „Aber auch Fachkräfte haben wir wieder zurückgewonnen.“ Das heiße jedoch nicht, dass die Gastronomie keine Probleme habe, widerspricht er. „Im ländlichen Bereich hat sie es schwerer. Dort schließen viele Lokale“, führt er zum Beweis an.
Und so ist der Schwenk von der Gastronomie zum Einzelhandel nicht weit. „Dass Pallmann schließt, das war mein größter Stich ins Herz!“, verhehlt Schulz nicht. Und macht klar, dass „das, war wir vor acht bis zehn Jahren zur Mall prophezeit haben, eingetreten ist“. Das Einzelhandelsterben habe unweigerlich Folgen für die Gastronomie: „Jeder Kunde, der in der Stadt fehlt, fehlt auch der Gastronomie.“ Kaiserslautern habe mal „zehn Weinstuben gehabt, heute hat es nur noch eine, das Spinnrädl“.
„Wir haben genug Hotels in Kaiserslautern“, meint Schulz zu eventuellen Plänen für die Mall
Derzeit steht im Raum, dass in die immer leerer werdende Mall ein Hotel einziehen könnte. „Ich halte davon gar nichts“, macht Schulz klar. „Wir haben genug Hotels in Kaiserslautern. Die Übernachtungszahlen sind in einigen Betrieben im letzten Jahr um 30 Prozent zurückgegangen.“ Dies liege vor allem daran, dass Amerikanern für kurze Aufenthalte immer öfter Apartments gestellt werden, auch Air B’n’B entziehe den Hotels Kunden. Vor allem kleineren Hotels würde eine große Konkurrenz nicht gut tun. „Wir haben in Kaiserslautern auch gar nicht so große Tagungsräume, um mehrere Hotels zu füllen.“
Dass Alf Schulz vor unpopulären Äußerungen nicht zurückschreckt, zeigte er auch beim Thema Pfalz Touristik. 2025 trat die Barbarossastadt aus der Marketingorganisation mit Sitz in Neustadt aus; der Stadtrat beschloss dies auf Vorschlag der Oberbürgermeisterin. „Ich war damals der Buhmann, weil ich das befürwortet hatte“, erinnert sich Schulz. „Die OB hatte mich dazu gefragt ...“ – und Schulz ihr offen gesagt, dass er für die Westpfalz kaum Vorteile durch die Organisation sehe, weil sie hauptsächlich die Vorderpfalz mit ihren Weinanbaugebieten bewerbe.
Vom Stadtjubiläum hingegen erhofft er sich neuen Schwung auch für die Gastronomie. „Viele Veranstaltungen!“, lautet sein simpler Wunsch an die Stadt. Je mehr Leute in die Barbarossastadt kommen, desto stärker profitiere auch die Gastronomie, eventuell auch nachhaltig, wenn neue Leute angelockt würden. Aber auch die Gastronomen selbst seien in Gesprächen mit der Kultur, den Museen, zählt er einige auf, um etwas zum Jubiläum auf die Beine zu stellen. „Gäste, die mehrere Nächte bleiben“, statt der üblichen Tagestouristen wären ein schöner Erfolg, lautet der Wunsch des alten Hasen der Branche.