Kaiserslautern
David Asphalt legt neues Konzeptalbum vor
Was der ungewöhnliche tierische Kumpan so alles (und speziell mit ihm) anstellt, das erzählt David Asphalt in mitunter deftigen Versen über rappiger Musik in seinem neuesten Album. Er ist schon gleich im Titel dem verrückten, agilen, unberechenbaren Primaten in ihm (oder wo auch immer der sein mag) gewidmet: „Ich und mein Affe“ heißt das Konzeptalbum. Jedes Stück hat es in sich. Die in zwölf Tracks erzählte Geschichte beginnt recht harmlos an einem schnöden Donnerstagmorgen kurz nach 5 Uhr früh. Von diesem Zeitpunkt an wird alles anders: Der Protagonist dreht durch.
Zutiefst frustriert fragt er nach dem Sinn seines arbeitsreichen, vom Chef zermürbten Alltagsleben - und er beschließt, alles zu ändern. Erst einmal muss der Vorgesetzte dran glauben. Danach überlegt er sich, was er mit all der nun zur Verfügung stehenden Freiheit und -zeit anstellen will. Wobei man „anstellen“ durchaus in einem weiterhin nicht sehr positiven Sinn verstehen darf. Die Optionen sind vielfältig: sich zudröhnen wie im Track „Verbrechergenie (Donnerstag)“ angedacht? Vielleicht neue Leute kennenlernen und nebenbei gleich mal einen Umsturz anzetteln („Die Revolution“)? Oder vielleicht doch nur einfach am nunmehr tatsächlich freien Freitag die Sonne genießen („An einem wundervollen Freitagmorgen“)?
Was tun nach der Befreiung?
Die Entscheidung wird zum Kampf, denn da ist ja noch dieser verflixte Affe, jener Co-Titelheld des Albums, der mehrfach auch „tierisch“ darin zu hören ist. Er ist eine Art böser Geist, das Teufelchen auf der Schulter, die dunkle Seite im Wesen des Umherirrenden, die wie einst Dr. Jekyll und Mr. Hyde zu immer neuen (Schand-) Taten antreibt. Im musikalisch, textlich und interpretatorisch besonders ergiebigen Titelstück des Albums wird das klar: „Ich bin ein vernünftiger Typ, doch der Affe in meinem Kopf ist es nicht. (...) Was soll ich tun? Er ist stärker als ich. Er übernimmt, ich bemerke es nicht“.
Der Hörer aber bemerkt: Der Fantasie (und David Asphalt) sind keine Grenzen gesetzt. Und der Musiker versteht es vorzüglich, diese Gedanken- und Gefühlswelt professionell in Texte mit meistens einem gewissen Anspruch zu fassen. Diese setzt er dann mit unverkennbarer Stimme in auch schon mal nette Überraschungsmomente (wie Stimmen-Einspielungen und ungewöhnliche Rhythmen) bietende Musik voller Energie um.
Dr. Jekyll und sein haariger Begleiter
Hier verbinden sich Rhythmus, Text und Stimme wie der Straßenbelag in seinem Namen mit dem darunterliegenden Schotter: nämlich fest, sicher und stark. Das hat schon was, das überzeugt sogar auch jemanden, der mit Rap & Co ansonsten nicht viel zu tun hat. „Zu tun“ haben die Titel trotz aller Fabulierkunst und Fantasie indes auch mit eher alltäglichen Dingen wie Frust und Unlust, Schlafmangel und einer mitunter gewissen Abneigung, nach Hause zu gehen. Das macht sie in der Regel erst recht interessant und oft genug würdig, genauer hinzuhören.
Wie das Ganze nun ausgeht? Das lässt sich gar nicht so einfach sagen. Am besten, man findet es aus der Endphase von „Ich und mein Affe“ selbst heraus. Das Album ist online zu hören und zu beziehen über die bekannten Streamingdienste. Es gibt im Übrigen auch ein gut gemachtes Video zum Titeltrack des Albums von Produzent René Weisbrich, der im Clip und auf Pressefotos auch gekonnt den Affen mimt. Durchaus so sehens- wie das Album hörenswert.