Kaiserslautern Dauerfeuer frei!

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Drei Saarländer brachten am Donnerstagabend den Cotton Club zum Beben. Thomas Blugs Rockanarchie, bestehend aus dem bekannten Gitarristen Thomas Blug, dem unglaublichen Schlagzeuger Manni von Bohr sowie dem Bassisten und Sänger Rudi Spiller, unterwarf Klassiker der Rockgeschichte einer Frischzellenkur und spielte sie auf ihre unkonventionelle, druckvolle, mitreißende, spritzige Weise.

Mit einem furiosen Auftakt legte das Trio los, dass man meinen konnte, ein Tropengewitter käme vom Himmel runter. Thomas Blug, sportlich, enge Jeans, schwarzes Sweatshirt mit der Eins auf der Brust, entfesselte mit Jimi Hendrix’ „Hey Joe“ schon mal gleich ein Inferno von hochdifferenzierten Klängen, während Manni von Bohr auf seiner eindrucksvollen Schlagzeugburg mit zwei unterschiedlichen Bass-Drums und zwei Hi-Hats wie eine Furie ein Dauerfeuer abbrannte. Dazu hechelte Rudi Spiller in charakteristischem Overdrive mit seiner emotionsgeladenen und dynamischen Rockröhre. Sind die drei Saarländer nun Anarchisten, die für die Aufhebung von hierarchischen Strukturen bis hin zur Auflösung staatlicher Organisiertheit kämpfen? Keine Bange! Den „Rockanarchisten“ geht es lediglich um Rocknummern, die Geschichte geschrieben haben, die einen eigenen, eigenwilligen Gitarren-Sound aufweisen – ob nun Richie Blackmore, Jimmy Page, Keith Richard oder Jimi Hendrix den Sechssaiter bediente. Die Anarchie besteht für Blug darin, wie er im RHEINPFALZ-Gespräch erläuterte, einen Sound zu schaffen, der signifikant für seine eigene Band ist. Sie steht aber auch für das Unkonventionelle, die Spielfreude, das Abrocken. Das mag vielleicht für ungeübte Ohren chaotisch klingen, trotzdem aber lief alles in wohlgeordneten Bahnen. Blugs Lust am Improvisieren war an diesem Donnerstag nicht zu bremsen. Das zeigte sich exemplarisch bei „Black Night“ von Deep Purple. Er spielte mit den verschiedensten elektronischen Hall- und Echoeffekten, zirpte, gluckste, gurrte und flötete im Pianissimo, experimentierte mit melodischen Effekten und Zitaten, malte mit Tönen. Dann aber startete er durch, so brachial, dass die Ohren dröhnten, entfachte wahre elektronische Tonkaskaden, die aus Klangsplittern und Wah-Wah-Motiven übereinandergelagert waren und schüttelte seine Gitarre in exzessiven Rückkoppelungen. Bei solcher Experimentierfreude dehnten sich die Rocknummern wie „Walking On The Moon“ von Police, „Highway Star“ von Deep Purple, „Wicked Games“ von Chris Isaack oder „Rock ’n’ Roll“ von Led Zeppelin oft zu Suitenlänge und steigerten sich zu orchestralen Sound-Orgien. Da beantwortete Manni von Bohr Blugs Gitarrenriffs mit Schlagzeugwirbeln in Lichtgeschwindigkeit. Da warfen sich Blug an der Gitarre und Spiller mit seiner unglaublichen Stimme gegenseitig den Fehdehandschuh vor und trieben sich im Call-and-Response-Spiel hoch bis in Wolkenkratzerhöhe. Überhaupt verstand es Spiller, seine ungemein flexible Stimme vom schmiegsamen Soul-Gewisper bis zum ekstatischen Rock-Crescendo hinaufzuschrauben. Was Manni von Bohr am Schlagzeug leistete, war schier unglaublich. Bei seinem zehnminütigen Drum-Solo präsentierte der 66-Jährige seine sogenannte Quad-Pedal-Technik, bei der er auf vier Pedalen mit Ferse und Zehballen gleichzeitig spielte und dabei die virtuosesten Ostinato-Figuren schuf. Auch spielte er zwei Hi-Hats gleichzeitig, experimentierte mit Melodien und steigerte sich zu einem rasenden Oktopus mit schier zehn Händen und Füßen, ohne dabei eine einzige Figur zu wiederholen. Mit „Purple Rain“ endete das Konzert mit einer Hommage an den größten Gitarristen der 1980er, den verstorbenen Prince. Das Publikum war vor Begeisterung total aus dem Häuschen.

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