Kaiserslautern Das Olympiapech des Walter Becker

Bis heute unvergessen sind im pfälzischen Radsport zwei Namen: Walter und August Becker aus Queidersbach. Beide waren Nationalfahrer, aber Walter war mit zwei nationalen Titeln der erfolgreichere: 1952 im Einzel und 1954 mit der Mannschaft Deutscher Meister auf der Straße. Nach seinem ersten Nationaltitel startete Walter Becker auch olympisch.
Deutscher Einzel-Meister wurde Walter Becker (1932 - 2012; sein Bruder August ist 1929 geboren) als 19-Jähriger am 20. Juli vor 65 Jahren in Iggelheim bei Schifferstadt zum Abschluss einer von drei Vereinen ausgerichteten einwöchigen Veranstaltung. Dabei war der Rad- und Motorradfahrerklub Vorwärts Speyer am 13. Juli für die Straßenmeisterschaft der Berufsfahrer zuständig, der Radfahrer-Verein Dudenhofen für die vom 15. bis 19. Juli laufenden Bahn-Titelkämpfe, der Radsport-Club Diamant Iggelheim für die abschließende Straßenmeisterschaft der Amateure. 200 von ihnen traten zu den in zwei Runden zu jeweils 90 Kilometern zu bewältigenden 180 Kilometern an, darunter die Gebrüder Becker. Zweimal zu durchfahren war der Kurs Iggelheim - Bad Dürkheim - Leistadter Stich - Edenkoben - Geinsheim - Dudenhofen - Iggelheim. Das Meisterschaftsrennen der Amateure verlief in seiner Endphase spannender als das der Profis, bei denen der Münchner Ludwig „Wiggerl“ Hörmann seinen Titel verteidigte. Ein Auszug aus dem Bericht des Fachblatts „Radsport“ gibt das geradezu dramatische Finish wider. „Nachdem eingangs der zweiten Runde eine geschlossene Bahnschranke in Böhl das Verfolgerfeld zwei Minuten lang aufgehalten hatte, machten sich die Gebrüder Walter und August Becker auf die Verfolgung und fuhren, was das Zeug hielt. in Edenkoben hatten sie vier Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld. Dann aber musste August Becker seinen Bruder ziehen lassen. Die Kölner Phalanx mit Wolf, Moll und Bingen roch Lunte; im Verein mit Schmücker und Derflinger demonstrierten sie wahres Vereinsmannschaftsfahren und rückten Walter Becker immer näher. Sie holten ihn zwischen Hanhofen und Dudenhofen ein. Geschlossen raste eine sechsköpfige Spitzengruppe dem Ziel entgegen. Walter Becker, keinen Meter mehr führend, ließ sich seine Endsieg-Chance nicht nehmen und konzentrierte seine Kräfte auf den Endspurt. Hier stieß er aus hinterer Position an seinen Gegnern vorbei und holte sich eine viel umjubelte deutsche Meisterschaft“. Der Lohn dafür war seine Teilnahme an den ersten Olympischen Spielen nach dem Krieg, an denen Deutsche wieder zugelassen waren. Und hier hatte der Queidersbacher großes Pech. Bei dem unter einer für Nordeuropa ungewöhnlich großen Hitze gefahrenen Straßenrennen über 190,4 km zu je 17 Runden über 11,2 km lag Walter Becker zunächst mit dem späteren Sieger André Noyelle aus Frankreich und dem Zweiten Robert Groudelaers aus Belgien an der Spitze. Als ihm ein Zuschauer einen Tonkrug mit Wasser reichen wollte, rammte er ihn den versehentlich in den Magen. Becker stürzte und musste aufgeben. Der Schweinfurter Edi Ziegler holte schließlich die Bronzemedaille. Walter Becker war 1953 in Solingen DM-Zweiter im Straßen-Einzel und holte 1954 mit Günther Ziegler (Dittelbrunn/Bayern) und Edi Ziegler (Schweinfurt) in Berlin den deutschen Straßentitel im Mannschaftsfahren. Nach mehreren Erfolgen auch im Ausland wechselte er 1956 zu den Berufsfahrern. Der 20-jährige Paul Maue aus dem benachbarten Schopp belegte in Helsinki den 48. Rang. Im Mannschaftsfahren kam er mit Edi Ziegler und Oskar Zeissner (Niederwerrn/Bayern) auf Platz fünf. Maue wurde 1954 Deutscher Meister im Einzel-Straßenrennen der Amateure und gewann 1955 die Berliner Etappenfahrt. Ab 1956 fuhr er als Profi.