Kaiserslautern
Das neue Leben der Metalopera „Dysteria“
Der konkrete Anlass für die neue Aufführung der erfolgreichen Metaloper „Dispyria“ am Freitag in der Kammgarn war die Veröffentlichung des dritten Saga-Teils in Form des (ebenfalls schon wieder ziemlich erfolgreichen) Albums „The Story of Marion Dust“.
Obwohl wieder vieles so ähnlich war wie beim letzten Mal – volles Haus, zahlreiche bekannte Lauterer Musiker im Publikum, aufgekratzte Stimmung – , so waren diesmal zwei Dinge doch ganz anders.
Endlich ein Plattenvertrag
Einerseits hat „Dispyria“-Mastermind Walzer nun endlich einen internationalen Plattenvertrag für sein seit über zehn Jahren sich entwickelndes Mammutwerk in der Tasche. Das hat der unermüdlich schaffende Lauterer Komponist, Gitarrist und Sänger mit seinem mittlerweile in der ganzen Welt wahrgenommenen Werk längst verdient.
Zum anderen wirkte das aktuelle Konzert im Vergleich zum letzten Auftritt vor Ort noch gelöster, noch stimmungsvoller, noch atmosphärisch dichter. Es wurde ein voller Erfolg, ein richtiger Triumph halt für alle kreativ Beteiligten.
Ein neuer Part
Dem entsprechend konnte auch das Publikum zufrieden sein. Es wurde inhaltlich nicht nur über einen weiteren Part der anspruchsvollen Fantasy-Story um Protagonist Josh Devon und seine abgrundtief böse Gegenspielerin Aelyrea alias Marion Dust informiert. Es bekam auch fünf der acht neuen, ausgereiften, sauber interpretierten Titel von „The Story of Marion Dust“ hautnah direkt ins Auge (der Bühnenshow wegen) und ins Ohr –und bisweilen auch in die Tanzbeine, wie man während des Auftritts im hinteren Teil des Kasinos beobachten konnte.
Diese Titel hatten es in sich. Sie sind zum Teil noch komplexer, damit noch schwieriger live zu interpretieren als die früheren Kompositionen der ohnehin schon immer hohe Anforderungen an Spieltechnik und Interpretationskunst stellenden Rockoper.
Neue Songs als Klammer
Für die Dispyrians stellte das aber kein Problem dar. Auf der soliden Basis von Keyboard (Michael Weickenmeier), Bass (Sven Sommer) und Schlagzeug (Mario Walther) entfalteten sich instrumental die beiden Gitarristen Patrick André und Jürgen Walzer, der auch mit sonorer Singstimme überzeugte, und vokal die gesamte Riege der versierten Vokalisten: Stephan Hugo, Nektarios Bamiatzis, Sabrina Roth (auch als fähige Flötistin aktiv) und nicht zuletzt der als erklärender Rezitator agierende Daniel Ott meisterten sämtliche Titel sicher und im Ausdruck adäquat zur jeweiligen Aussage.
Die Programmfolge war dabei wohl überlegt. Zuerst die drei das neue Album einleitenden Stücke „A Girl Called Marion“, „The Mark“ und „Blue Mirror“, danach rückblickend und ergänzend Titel aus den beiden vorherigen Produktionen, zum Finale dann als umschließende Klammer des langen Abends die jüngsten Songs „The Curse“ und „Firechild“. Das hatte innere Konsistenz, das trug zum (falls überhaupt notwendigen) Verständnis der „Dispyria“-Welt bei.
Bilder von Timo Wurz
Überhaupt war darüber hinaus vieles dabei, was Jürgen Walzers vielschichtige Schöpfung noch greifbarer werden ließ. Dazu gehörten stimmungsvolle Sound-Effekte, in den Hintergrund projizierte Bilder des renommierten Grafikers Timo Würz, nicht zuletzt die vorgeschalteten, selbst verfassten Inhaltsangaben in Gedichtform, die neben Ott die ihm in nichts nachstehende Martina Blandfort souverän und literarisch hochstehend in Gedichtform vortrugen.
Schade nur, dass die anderen Sänger der CD – Ralf Scheepers, Carsten „Lizard“ Schulz und speziell der US-Amerikaner Zak Stevens – in der Kammgarn nicht dabei sein konnten. Das schmälerte die Qualität des Konzerts aber kein bisschen: Die live antretenden Vertreter machten ihren Job mindestens genau so gut.
Überraschungsgäste
Stattdessen waren zwei unerwartete Speciel Guests mit von der Partie: Gitarrist Markus Pfeffer (Winterland) brillierte als Solist, und zum Schluss überraschte Eileen Scherer, schon früher Mitwirkende in „Dispyria“-Videos, als physische Verkörperung der sinistren Aelyria im letzten Stadium als Marion Dust. Susanne Esser hatte da als Maskenbildnerin ganze Arbeit geleistet: Scherer setzte mit ihrer bewusst sparsam-szenischen Umsetzung der Figur einen markanten Höhepunkt
Zweieinhalb Stunden Power ohne Pause waren es geworden. Am Ende standen Daniel Otts unterhaltsame Vorstellung aller Mitwirkenden, eine knackige Zugabe, die aus Jürgen Walzers alten Superior-Zeiten herüberklang. Anhaltender Schlussapplaus des begeisterten Publikum im Stehen, ein sichtlich zufriedener und gerührter Jürgen Walzer – ein Triumph auf der ganzen Linie.