Kaiserslautern
Das Jugendsinfonieorchester des Landkreises stellt sich vor
Wer konnte das 2020 ahnen? Ein Tag vor dem Corona-Lockdown mit Zwangsfermate für die Musikkultur initiierte die Leiterin der Kreismusikschule, Kristina Schier, ein beispielhaftes, nachahmenswertes und zukunftsweisendes Musikprojekt: Der Aufruf in der Region an alle Musikbegeisterten, die Orchesterinstrumente spielen oder lernen wurde zu einer Initialzündung: Das kosmopolitische Ziel verband mit dem Aufruf Nachwuchsmusiker aller Nationen zu einem bilingualen Proben mit Konzerten als Krönung im großen Stil – wie jetzt am Mittwoch im sehr dicht besetzten SWR-Studio zu erleben war.
Wie Schier im RHEINPFALZ-Gespräch berichtete, ist seitdem der Zulauf stetig gewachsen und es wurde sogar die „Schallmauer“ von jetzt über 100 Mitwirkenden gebrochen! Das vorgestellte Konzertprogramm war so konzipiert worden, dass das Vororchester (Sinfonietta genannt) unter der Leitung von Cellolehrerin Christine Rutz zum Auftakt Kostproben seines beachtlichen Könnens gab.
Herausforderung: das Repertoire
Die größte Herausforderung bei solchen heiklen Vorhaben ist vorab die Auswahl des Repertoires; da hatte man zum Beginn mit Johann Sebastian Bachs Menuett eine glückliche Hand, ebenso bei einer kleinen Konzertfantasie nach irischer Folkmusik und bei einer verarbeiteten Tangomelodie. Dagegen führte die Wahl einer fragwürdigen Bearbeitung der 5. Sinfonie von Beethoven zu vielen Fragen und berechtigten Zweifeln.
Es herrschte das Prinzip der minimalistischen Konzentration und Reduktion vor, was letztlich in diesem Ausmaß dem Ansehen des genialen Werkes nicht förderlich ist: Reduktion vom Sinfonie- auf Streichorchester, dann gekürzt auf den Kopfsatz und da auch nur die Exposition und das Hauptthema mit dem Dreiklangsmotiv noch unscharf artikuliert, da tat man sich und Beethoven wahrlich keinen Gefallen. Dennoch beeindruckte dann die enorme Steigerung bei den nachfolgenden Werken, die gute Voraussetzungen erkennen ließen.
Detaillierte Ausarbeitung
Nicht nur in der gewachsenen Besetzung, auch künstlerisch hat das eigentliche Sinfonieorchester einen deutlichen Aufschwung genommen: Das vorgestellte Repertoire würde man mit einem Hochschulorchester assoziieren, wo es tatsächlich häufig gespielt wird: Etwa Webers ursprüngliches Rondo für Klavier mit dem Titel „Aufforderung zum Tanz“, das zum Auftakt in schwereloser Leichtigkeit und nobler Eleganz sehr gut getroffen wurde.
Auch die nachfolgenden Kompositionen wie vor allem die Tschaikowsky-Ouvertüre zu Shakespeares Theaterstück „Romeo und Julia“ ließ in dieser unerwarteten detaillierten Ausarbeitung aufhorchen: Der Dirigent Matthew J. Reese leitete in idealen Kombination aus Führung, Anleitung sowie Forderung, ohne eigene Selbstdarstellung, was dem Ganzen einen Touch lebendiger Spontanität bei lebhafter Musizierfreude verlieh.
Ob nun das Nocturne aus Felix Mendelssohn Bartholdys „Mittsommernachtstraum“ oder eine Joseph-Haydn-Sinfonie (Nr. 104), es festigte sich der Gesamteindruck einer sehr ausgewogenen Besetzung mit sehr soliden Streichern und glanzvollen Bläsern, die alles mit ihren Soli vergoldeten: Herausragend hier ein Flöten- und Hornsatz. Weiter so, die Region braucht auch im Binnenland Leuchttürme!