Meinung Das fiese Kaiserslautern-Bashing nervt gewaltig

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Es ist nicht alles schlecht: Claudia Schneider berichtet von Glücksgefühlen im Frühling und überraschenden Entdeckungen beim Stadtspaziergang.

Auch wenn ich selbst nicht ganz davor gefeit bin: Das permanente Kaiserslautern-Bashing nervt gewaltig. Die Stadt ist nicht sooo schlimm, wie neuerdings permanent behauptet wird. Gerade jetzt, an Tagen wie diesen, an denen die Sonne scheint, zieht es mich raus. Auch wenn ich es schon hundert Mal gemacht habe: Ich liebe es, hoch zum Humbergturm zu laufen und auf dem Rückweg eine Pause auf dem Bremerhof einzulegen. Wirklich immer achte ich darauf, ob der Pfaffenbrunnen läuft. Eine schöne Alternative ist ein Spaziergang zum Naturfreundehaus Finsterbrunnertal mit Einkehr. So etwas geht halt nur, wenn man den Wald vor der Haustür hat. Was für ein Glück.

Auch wenn es abgedroschen klingt, stimmt es einfach: Es ist herrlich, oben auf dem Kaiserberg, der zur Gartenschau gehört, zu sitzen und über die Stadt zu blicken. Oder im Japanischen Garten den Koi zuzuschauen, am Wasserfall seinen Gedanken nachzuhängen.

Ich hatte mir zuletzt mal bewusst Zeit genommen, um mit offenen Augen durch die Stadt zu radeln und zu laufen. Klar ist die Stadtmitte zu wenig grün. Aber es gibt attraktive Ecken. Der viel gescholtene Schillerplatz ist, wenn er bestuhlt ist und Leute rumsitzen, gar nicht so hässlich. Es kommt halt immer auf die Perspektive an und darauf, wie viel Mühe sich die Gastronomen mit den Sitzgelegenheiten und Sonnenschirmen geben. Vorm Schiller sieht es definitiv klasse aus. Ich mag auch den Leo-Erb-Brunnen mit seinen schlichten Wasserröhren. Und der nun unverstellte Blick auf die Fruchthalle ist einfach wunderbar. Eine Wohltat, dass dort keine Autos mehr fahren. Im Rückblick ist es eigentlich schlimm, dass hässliche Bushaltestellen über Jahre im Weg standen.

Der Martinsplatz leidet gerade noch darunter, dass die bekannten Lokale St. Martin und Simpel geschlossen haben. Das ändert sich hoffentlich bald. Schade, dass es bis dahin nur eine einsame Bank am schönsten Platz in der Altstadt gibt. Denn es hat etwas, das Wasserspiel des Brunnens mit den vier Schwänen zu beobachten. Überhaupt beobachten. Es gibt längst etliche nette Cafés in der City, wo man draußen sitzen und das Leben an sich vorbeiziehen lassen kann. Und weil wir uns irgendwie alle kennen, ergibt sich leicht ein Schwätzchen.

Mich zieht es nach dem Martinsplatz die Steinstraße hoch. Der Kaiserbrunnen von Gernot Rumpf lohnt einen Besuch. Was mich fasziniert: Dort finden regelmäßig Fotoshootings statt, vor allem junge Leute posen dort für ein Selfie. Vielleicht gibt es ja doch Touristen in K-Town.

Bleiben Volks- und Stadtpark – beide Grünoasen sind gut gemacht und stark frequentiert. Im Stadtpark pulsierte in dieser Woche ab mittags das pralle Leben. Auf dem Spiel- und Bolzplatz herrscht Hochbetrieb, die Menschen haben Decken ausgebreitet, lesen, picknicken, sind ins Gespräch vertieft. Schade, dass das Wasserspiel, das aus dem Boden kommt und das die Kinder so mögen, offenbar nicht funktioniert. Auch ein paar Liegebänke aus Holz wären fein.

Gar nicht auf dem Schirm haben viele Kaiserslauterer den Hauptfriedhof mit seinen 5000 Bäumen. Er ist ein Paradies und lohnt einen ausgedehnten Spaziergang, zumal es dort wirklich außergewöhnliche Grabstätten zu bestaunen gibt. Ausreichend Bänke laden dort zum Verweilen ein. Die sind leider in der Innenstadt immer noch Mangelware. Die Rundbank vor der Adlerapotheke, die eigentlich immer besetzt ist, hat die Stadt nach der Winterpause wohl einfach vergessen, wieder aufzubauen. Und die große beliebte Holzbank vorm Union-Kino, die ist gerade ein Totalausfall. Sie ist mit Vogelkot überzogen. Sehr, sehr schade. Denn der Platz unter der großen Platane ist eigentlich ziemlich begehrt.

Halten wir fest: So schlecht ist das gar nicht, was Kaiserslautern zu bieten hat. An einigen Stellen könnte man halt viel mehr daraus machen. Der Raiffeisenplatz beispielsweise ist einfach nur zugepflastert. Ringsherum parken Autos, obwohl das verboten ist. Eine verschenkte Fläche. Und es fehlen an allen Ecken Bänke. Die Stadt braucht endlich auch Wasser, viel Wasser. Nicht nur so ein Rinnsal auf der Theaterwiese.

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