Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das Fahrrad frühlingsfit machen – Tipps von Profis

 Manuel Steinbach (links) und Herbert Seel vom Velo-Projekt kennen sich bestens mit Fahrrädern aus. Sie wissen, was im Frühjahr
Manuel Steinbach (links) und Herbert Seel vom Velo-Projekt kennen sich bestens mit Fahrrädern aus. Sie wissen, was im Frühjahr zu tun ist.

Der Frühling lockt (hoffentlich) bald mit warmen Sonnenstrahlen ins Freie. Für Schönwetterfahrer ist jetzt eine gute Zeit, ihr Fahrrad aus dem Winterschlaf zu wecken. Bevor sie in die Pedale treten, sollten sie auf Nummer sicher gehen und einen Check durchführen. Was zu tun ist, wissen Herbert Seel, Leiter des Velo-Projekts, und Mitarbeiter Manuel Steinbach.

Nicht selten verlieren die Reifen während der Winterpause Luft. „Das ist das Erste, was man prüfen sollte“, sagt Steinbach. Wie hoch der Druck sein muss, steht seitlich auf dem Gummi. Falls nicht, hat er einen Tipp: „Mit drei Bar fährt man in der Regel gut.“ Weil eine kleine Handpumpe nur eine Notlösung darstellt, rät er dazu, eine Standpumpe zu verwenden. „Die sind günstig zu haben“, merkt Seel an. Die verschiedenen Ventilvarianten haben ihre Tücken, nicht immer klappt das Aufpumpen. „Am besten sind die Autoventile, damit kann man an die Tankstelle. Oder man kauft einen kleinen Adapter, dann funktioniert das auch“, rät er.

Die Reifen müssen zudem einer Prüfung unterzogen werden. Sind sie porös oder haben Risse, führt an einem Austausch kein Weg vorbei. Das gilt auch, wenn das Profil abgefahren ist. Anders als bei Autoreifen gibt es dafür keine Markierung, aber: „Bei einigen Herstellern leuchtet es farbig unter dem schwarzen Gummi, wenn der Reifen zu weit abgefahren ist“, berichtet Seel. Dazu gehört auch, einen „Achter“ auszuschließen, indem man das Fahrrad vorne, dann hinten anhebt und den Reifen dreht. Läuft er frei, ist alles bestens. Wenn nicht, kann ein Eiern oder Schleifen durch die Speichenspannung korrigiert werden.

An die Schaltung sollten nur Fachleute

Durch Rütteln wird festgestellt, ob die Lager und Naben Spiel haben. Ist das der Fall, ist ein Werkstattbesuch meist unumgänglich. „Ohne Spezialwerkzeug lässt sich kaum etwas machen“, weiß der Zweiradmechaniker. Das gilt auch, wenn die Schaltung nach längerer Standzeit nicht mehr richtig funktioniert. Seel empfiehlt: „Das lässt man am besten vom Fachhandel nachjustieren.“

Gut funktionierende Bremsen sind unerlässlich, um sicher unterwegs zu sein. Steinbach rät, sich neben das Fahrrad zu stellen und nacheinander Vorder- und Hinterradbremse zu ziehen und gleichzeitig zu versuchen, das Fahrrad mit Kraft nach vorne oder nach hinten zu schieben. „Gelingt das nicht, ist die Bremskraft ausreichend“, meint er. „Bewegen sich die Reifen, muss man die Bremsen mit einem Inbusschlüssel nachziehen.“ Da bietet sich auch an, die anderen Schrauben gleich mit auf ihre Festigkeit zu kontrollieren.

Ein prüfender Blick auf die Bremsbeläge

Der prüfende Blick auf die Bremsbeläge gehört ebenfalls dazu. „Sind die Rillen nicht mehr sichtbar, müssen die Beläge ersetzt werden“, betont Steinbach. Ein paar Tropfen Nähmaschinenöl auf Zügen und Bremssockel sorgen für leichtgängige Beweglichkeit. Ist das Fläschchen zur Hand, kann auch die Kette geölt werden. Spezielles Kettenöl eignet sich dafür auch, weiß der Fahrradmechaniker. Er selbst greift aber am liebsten zu Silikonspray. „Sand bleibt nicht daran haften. Das schont das Material.“ Allerdings gibt er zu bedenken, dass nach einer Woche wieder gesprüht werden müsse.

Dann gilt es nur noch, die Beleuchtung zu kontrollieren und mit etwas Spülmittel im Wasser Staub und Dreck zu entfernen. Dabei erfolgt auch ein Check des Rahmens auf Risse, Rost oder andere Schäden. E-Bike-Fahrer haben hoffentlich den Akku bei etwa 18 Grad Celsius vollgeladen überwintert und ab und an die Ladung überprüft. „Wenn er tiefenentladen ist, kann er kaputt gehen“, weiß Steinbach aus Erfahrung.

Bevor es auf Tour geht, ist eine Probefahrt sinnvoll – und auch der Blick auf das Haltbarkeitsdatum am Helm, denn Sonnenlicht und Schweiß können die Materialien angreifen. „Alle vier bis fünf Jahre oder bei Rissen früher sollte er ausgetauscht werden“, unterstreicht Seel.

B-Artikel: Fahrradverleih

Für eine Kaution von 75 Euro können Erwachsene beim Velo-Projekt aus einem Fundus von zurzeit circa 70 Fahrrädern eines für einen Tag bis zu sechs Monate ausleihen. Sie benötigen dazu einen Personalausweis oder als Student eine Meldebescheinigung. Eine zusätzliche Leihgebühr fällt nicht an. Sollte eine Reparatur nötig sein oder ein Verschleißteil ersetzt werden müssen, wird das vom Velo-Projekt kostenlos durchgeführt. Die Fahrräder entsprechen den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung. Mit einem Schloss sind sie nicht ausgestattet. Die Leihräder sind oder stammen aus gebrauchten Fahrrädern, die gespendet wurden. Sie werden in der Velo-Werkstatt wieder in Schuss gebracht.

Vor 21 Jahren wurde das Projekt Velo des städtischen Ökologieprogramms mit Sitz in der Vogelwoogstraße 50 gestartet. 2019 wurden laut Projektleiter Herbert Seel 195 Leihverträge abgeschlossen und Fahrräder an 40.000 Tagen verliehen. Im Jahr 2020 seien es corona-bedingt 115 Leihverträge und 33.000 Leihtage gewesen. Einige der Ausleiher verlängern ihre sechsmonatigen Verträge über Jahre hinweg, berichtet Seel. Bei Interesse muss derzeit ein Termin vereinbart werden.

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