Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das Docu Center Ramstein meldet sich mit einer neuen Sonderausstellung zurück

Freut sich auf Livebesuch: Museumsleiter Michael Geib.
Freut sich auf Livebesuch: Museumsleiter Michael Geib.

Aufatmen auch in Ramstein: Museumsleiter Michael Geib ist mit seinem Docu Center (dcr) wieder am Start. Auf die beiden Monate mit der Corona-Schließung blickt er mit gemischten Gefühlen zurück. Sie hätten nicht nur Schlechtes gebracht.

Vogelgezwitscher weht über die Wiese. Im Hintergrund leises Verkehrsgemurmel. Ab und an schwebt eine Transportmaschine der amerikanischen Streitkräfte majestätisch über die Baumkronen. Punkt 12 Uhr, High Noon, wie der Amerikaner bekanntlich sagt, ertönt von der nahen Air-Base ein Gong, der an die Londoner Big Ben erinnert. Plus Durchsagen. Was einem ganz schnell zurückholt aus der Naturidylle und zum Thema bringt: dem Docu Center Ramstein, in dessen Garten der Besucher ins Sinnieren geraten ist.

Seit Sommer 2013 stehen die roten Container an der Schernauer Straße in Ramstein und beherbergen das Docu Center von Michael Geib. Es hat sich zu einem über die Region ausstrahlenden Zentrum zur Geschichte der Amerikaner in Rheinland-Pfalz entwickelt. 2000 bis 3000 Besucher jährlich informieren sich hier über ein Thema, das die Region prägt – nicht nur über die dominante Air-Base im Zentrum. Digital erfasst sind inzwischen rund 1800 Objekte der Sammlung, von der kleinen Anstecknadel bis zum Original-Wachhäuschen, das am Eingang des Geländes thront.

Häppchen auf Facebook serviert

Apropos Digitalisierung: Auch Michael Geib war in den vergangenen Wochen ob der Museumsschließungen auf virtuelle Wege angewiesen, um seine Ausstellung an den Interessenten zu bringen. So hat er auch seine neue Sonderausstellung „Alles – von A bis Z“ bislang häppchenweise auf Facebook publik gemacht. Damit ist seit Dienstag Schluss. „Gott sei Dank“, wie der Museumsmann bekennt, „wobei, wir haben auch etwas gelernt.“ Doch dazu später.

Zunächst lernt der Besucher im großen Sonderausstellungscontainer ausgewählte Stücke aus der Sammlung kennen. Und zwar alphabetisch geordnet. Wobei der Humor dem gebürtigen Saarländer aus den Augen blitzt: „Natürlich ist da auch einiges konstruiert“, bekennt er lächelnd. „Es hat uns einen Riesenspaß gemacht, den Bestand auf diese Weise zu durchforsten.“ Wie auch immer reihen sich nun von A bis Z die verschiedensten Objekte an Wänden, in Vitrinen und auf Sockeln. Beispiele gefällig?

Wenn der Römer „Auf Wiedersehen“ singt

Unter A ist ein in blaues Leinen gebundenes Erinnerungsalbum an den Sender AFN zu sehen. Unter Z ein T-Shirt, das an den 2011 bei einem Terroranschlag am Frankfurter Flughafen getöteten Soldaten Zachary Cuddeback gemahnt. Dazwischen finden sich in lockerer Reihung Dinge zum Schmunzeln, zum Nachdenken und wahrlich zum Fürchten.

Kurios und lustig ist das Weinglas, ein Römer, der sich logischerweise unter R findet – aber auch unter W wie Wein oder G wie Glas hätte einsortiert werden können. In seinem Inneren beherbergt er eine Spieluhr. Mit „Auf Wiedersehen“ ertönt eine traditionelle US-Abschieds-Weise, dreht man das Glas auf seinem Stiel. Auch das kleinformatige Moped, das deutsche Militärangestellte im Rahmen ihrer Ausbildung komplett aus Plastik gebastelt haben, lässt schmunzeln. Ernster, weil politischer, wird’s schon mit den Plakaten. Etwa dem der Friedensbewegung aus den 1980er Jahren, eingeordnet unter N wie „Nein!“, das in großen roten Lettern das Druckwerk dominiert.

Stummer Zeuge eines RAF-Anschlags

Gruslig ist auf den zweiten Blick ein großer Globus, der im Zentrum des Ausstellungsraumes prangt. Seine Beschädigungen sind auf einen Anschlag zurückzuführen, den die linksextremistische terroristische Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) am 31. August 1981 auf das Hauptquartier der USAFE auf der Air Base verübte. Zum Nachdenken regt auch die große Wandkarte an, die den Kalten Krieg und seine Bedrohung dokumentiert. Vor 1970 ist sie datiert und erzählt (eine) Geschichte, die gerade den jüngeren Ausstellungsbesuchern keineswegs mehr geläufig ist, wie Geib anmerkt. Überhaupt gehe immer mehr Hintergrundwissen mit der Zeit verloren, was eine ständige Aktualisierung der Ausstellung des dcr bedeute. Es komme schon vor, dass seine jüngeren Besucher nicht mehr wüssten, warum die Amerikaner eigentlich in der Pfalz stationiert seien, so die Erfahrung des Museumsmannes bei seinen Führungen.

„Das virtuelle Museum funktioniert nicht“

Überhaupt lasse sich der direkte Kontakt, der „Livebesuch im Museum“, das persönliche Erleben und die Begegnung durch nichts ersetzen. „Das virtuelle Museum funktioniert nicht“, bringt es Geib auf den Punkt. Als Ergänzung seien digitale Angebote dagegen durchaus brauchbar. „Da haben wir durch die Corona-Krise schon gelernt, dass das funktioniert“, so Geib, der sich privat auch an einer virtuellen Weinprobe versucht hat. „Doch auch das ist live viel schöner.“

Quasi hautnah und zum Anfassen – unter strenger Berücksichtigung aller Hygieneauflagen versteht sich – sind die Objekte und die Geschichte dahinter im dcr nun wieder zu erleben. „Ich freue mich riesig auf den Besuch, es zeigt einem doch, was gefehlt hat“, schließt Michael Geib.

Info

Das dcr ist in der Schernauer Straße 46 in Ramstein-Miesenbach zu finden; es hat dienstags bis sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

G wie Globus
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M wie Motorrad
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N wie Nein!
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