Kaiserslautern
Das Café Selen setzt auf eigenen Stil
Seit September 2016 gibt es das originelle Café in der kleinen Verbindungsstraße zwischen Eisenbahnstraße und Stiftsplatz. Als sich die vorherige Inhaberin Maike Susann Gemba entschied, das Café zu verkaufen, kam Elif Selen Sarioglu ins Spiel. Das kam nicht von ungefähr, denn sie arbeitet schon sieben Jahre in dem Betrieb, seit zwei Jahren als Managerin. Sie habe selbst nicht daran gedacht, das Café zu übernehmen, erzählt sie im RHEINPFALZ-Gespräch. Doch Mutter und Tante hätten gesagt: „Warum machen wir es nicht?“ Und so war der Familienbetrieb geboren.
Gäste nach Essenswünschen gefragt
Das Café wurde nach Selen benannt – „der Name passt“, fand die Familie, und der neue Schriftzug sieht gut aus. Sie fungiert nach wie vor als Managerin des Betriebs und ist die Haupt-Barista. Ihre Tante Gülhan Sevinc, Mutter von zwei Töchtern, hat im Homeoffice gearbeitet und ist nun hauptsächlich für das Büro, Buchhaltung et cetera zuständig. Sengül Gürtuncay, die Mutter von Elif Selen Sarioglu, arbeitet bei einem Discounter, zeichnet nun aber im Café hauptsächlich für die Küche verantwortlich. Sie kocht das Tagesessen, das es im Café Susann einst gegeben hatte, 2021 aus Personalgründen aber aufgegeben worden sei. Das Angebot komme sehr gut an. Auf Instagram wurde eine Umfrage gestartet, was die Gäste gerne essen würden. Viele frühere Stammgäste hätten sich die beliebten Gerichte von damals gewünscht. Zu essen gibt es Türkisches, aber modern interpretiert. Außerdem wird so saisonal wie möglich gekocht. Immer Dienstag und Mittwoch sowie Donnerstag und Freitag gibt es das gleiche Mittagsgericht. Als kürzlich die türkischen Teigröllchen Börek auf der Karte standen, sei das besonders gut angekommen.
Elif Selens Bruder Ali Eren Sarioglu unterstützt das Trio. Er wohne zwar mittlerweile in Mannheim, habe den Frauen aber helfen wollen. „Unsere Familie hält immer zusammen“, wirft seine Mutter Sengül Gürtuncay ein. Ihr Sohn brachte beispielsweise die Computerausstattung auf Vordermann. Wenn er am Wochenende da ist, hilft er auch mal im Service aus, kann außerdem handwerkliche Arbeiten übernehmen.
Brunch bis 15 Uhr
Die Karte des Cafés verspricht Brunch bis 15 Uhr – oder bis etwas ausverkauft ist. Besonders gut kommt der Breakfast-Burger an mit Brioche-Brötchen, hausgemachter scharfer Mayonnaise und einem Rührei-Patty sowie etwas Grün vom Markt. Selbst gemacht werde so viel wie möglich, sagt die Managerin. Zum Beispiel das Hausbrot oder der Teig für den French Toast. Rosa Zwiebeln, Karotten und Rote Bete werden selbst eingelegt. Besonderer Service: Gäste mit einer Unverträglichkeit können zu den Frühstücksgerichten ihr eigenes glutenfreies Brot oder Brötchen mitbringen.
Wie schon zuvor in dem Café üblich, werden viele vegane Speisen angeboten, auch das Tagesessen versuche man vegan oder glutenfrei anzubieten, sagt Elif Selen Sarioglu. Wegen des Mittagstischs seien viele Stammgäste von früher zurückgekommen, hat sie beobachtet.
Ins Café Selen kommen alle Altersklassen, darunter Angestellte aus der Umgebung, aber auch Studierende. Bei Frauen und Familien sei ein Besuch besonders beliebt. Sehr viele Amerikaner sind unter den Gästen, weshalb auch die Speisekarte in beiden Sprachen verfasst ist. Hunde sind im Café Selen übrigens willkommen. Wer Samstag oder Sonntag kommen will, muss unbedingt vorher reservieren, um einen Platz zu bekommen – entweder telefonisch oder über die Internet-Seite.
Konditorinnen wechseln sich ab
Um 15 Uhr schließt die Küche, die in einem eigenen Trakt hinter dem Café untergebracht ist. Dann beginnt die klassische Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Drei bis vier Konditorinnen wechseln sich ab und backen jeden Tag frischen Kuchen. Die von vielen geschätzten Kuchen und Torten des Cafés gibt es auch zum Mitnehmen. Sogar Hochzeits- und Geburtstagstorten werden individuell angefertigt. „Wir gehen auf die Wünsche ein, machen es aber in unserem eigenen Stil“, stellt Elif Selen Sarioglu klar.
Auf der Getränkekarte steht eine große Auswahl an Kaffees, die noch um Filterkaffee erweitert werden soll. Der Kaffee wird von Anfang an von einer Rösterei in Landau bezogen. Die nicht weniger als zwölf Sorten auf der Teekarte stammen vom Teehaus Rai in der Steinstraße. „Wir versuchen, so regional wie möglich einzukaufen“, versichert die Betreiber-Familie. Auch der Wein hat keine weite Anreise hinter sich, stammt aus dem Alsenztal.
Für den Chai-Latte wird der Sirup selbst hergestellt, auch die Golden Milk stammt aus eigener Produktion. Im Winter gibt es einen sogenannten Immun-Tee mit frischen Kräutern, auf die Sommerkarte sollen außer den üblichen Aperitifs noch Cocktails kommen.
Besonders gut kommt die lauschige Terrasse des Café Selen an. Dort finden 30 Personen Platz, während es im Inneren rund 40 Sitze gibt. Im Sommer können die großen Glastüren komplett geöffnet werden, sodass außen und innen ineinander übergehen.
„Es ging quasi nahtlos weiter“
20 Personen sind in Café und Küche beschäftigt, darunter viele Mini-Jobber. Probleme, Personal zu finden, habe man keine, im Gegenteil gebe es immer wieder Nachfragen nach Jobs. Sengül Gürtuncay betont, dass man es gerne auf sich nehme, junge Leute anzulernen. Schließlich hat auch ihre Tochter Elif Selen während des Abiturs so angefangen. Heute zeigt sie sich dankbar für das bei Maike Susann Gemba Gelernte. Diese habe unbedingt gewollt, dass sie das Café übernehmen und in ihrem Sinne weiterleiten. „Wir haben nur zwei Tage geschlossen gehabt. Es ging quasi nahtlos weiter“, erinnert sich ihr Bruder Ali Eren Sarioglu.
Das Innere des Cafés ist gleich geblieben, nur Kleinigkeiten sollten verändert werden. Beispielsweise wurde die Spielecke wieder eingerichtet, die während der Coronazeit abgebaut werden musste. Wert legt Elif Selen Sarioglu auf geschlechterneutrale Toiletten. Es gibt einen Wickeltisch. Beim gemeinsamen Gespräch wird rasch die Idee geboren, auch eine Packung Windeln zu kaufen und auszulegen, ebenso Hygieneartikel für die Frauen. „Die Ideen gehen uns nie aus“, ist Gülhan Sevinc überzeugt.
Info
Montag ist Ruhetag, Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Sonntag von 11 bis 17 Uhr. Von Juni bis Oktober ist auch sonntags geschlossen, dafür soll wochentags länger geöffnet sein.