Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Das Brauhaus an der Gartenschau: Vom Schlachthof zum Veranstaltungszentrum

Blumen, Wasserspiel und ein imposantes, historisches Gebäude. Das „Brauhaus“ bildet das Entrée zur Gartenschau Kaiserslautern.
Blumen, Wasserspiel und ein imposantes, historisches Gebäude. Das »Brauhaus« bildet das Entrée zur Gartenschau Kaiserslautern.

Gemütlich sitzen, etwas essen und vielleicht heiraten? All das verbindet das Brauhaus an der Gartenschau. Nur gebraut wird dort nicht. Deshalb steht eine Veränderung an.

Das Brauhaus an der Gartenschau liegt in einem malerischen Ambiente. Blumenschmuck, Trompetenbäume, die mit ihren großen Blättern Schatten spenden und sich je nach Jahreszeit mit Blüten schmücken, Wasserspiele und der Blick Richtung Gartenschau liefern die Kulisse. Dann ist da noch das imposante Gebäude selbst. Seit die Landesgartenschau vor 25 Jahren ihre Pforten in Kaiserslautern geöffnet hat, gibt es die Gastronomie im Brauhaus. Zunächst lag das historische Gebäude quasi im Inneren des Landesgartenschau-Geländes. Durch die geänderte Eingangssituation der nachfolgenden Gartenschau wurde das Brauhaus zum wichtigen „Vorzimmer“.

Das heutige Brauhaus gehört zum alten Schlachthofensemble. Im Jahr 1886 wurde hier zum ersten Mal geschlachtet. Der Anfang der Geschichte ums Brauhaus war also zugleich das Ende für viele Schweine, Rinder und Pferde. Zumindest bis Ende September 1996. Da wurde der Kaiserslauterer Schlachthof geschlossen. Zwei Jahre später begann der Umbau des Gebäudekomplexes. Der ehemalige Kühlturm der vom Schlachthof eigenen Eisfabrik, wurde zum heutigen Brauhaus umgebaut. An alter Schlachthofstätte geht es seitdem quasi direkt mit Schnitzel, Leberknödel und Co. weiter.

Lyle: „Gastronomie ist nicht einfach“

„Wir haben das Brauhaus 2008 erworben“, blickt David Lyle, Geschäftsführender Vorstand der Lebenshilfe Westpfalz, auf die nächste Veränderung im Brauhaus. Seitdem führt die Lebenshilfe das Restaurant als Integrationsbetrieb. Behinderte und nicht-behinderte Menschen sorgen im Team für das Wohl der Gäste. „35 Mitarbeiter arbeiten im Brauhaus, rund 40 Prozent mit Behinderung“, sagt Lyle, der gleichwohl betont: „Die Behinderung ist nicht mehr als eine Zahl, die sich andere ausgedacht haben.“

Für ihn stellt sich die Frage nach der Behinderung der Mitarbeiter schlichtweg nicht. „Wer kann was?“ Das sei wichtig, um das Personal nach seinen Fähigkeiten einsetzen zu können. Dass ein Integrationsbetrieb trotzdem schwer zu führen ist, verschweigt er nicht. Auch nicht, dass das Brauhaus von Anfang an defizitär laufe. Die Corona-Pandemie habe die Situation nicht gerade leichter gemacht. Gutes Personal sei abgewandert, und erst langsam gelinge es, diese Delle auszubeulen. „Gastronomie ist nicht einfach“, stellt Lyle nüchtern fest.

Stillstand gibt es am Brauhaus dennoch nicht, im Gegenteil: Seit die Lebenshilfe hier das Zepter führt, wächst um und mit dem Brauhaus ein Veranstaltungszentrum mit Räumen von 25 bis 1200 Personen heran. Vom Biergarten vorm Brauhaus, dem Turmsaal mit Terrasse darüber, dem Festsaal seitlich davor, der großen Veranstaltungshalle dahinter bis zum kleinen Maschinensaal, direkt am Restaurant Brauhaus – an Räumen für große und kleine Feiern, für Tagungen, Kongresse oder wofür auch immer fehlt es nicht. Hinzu kommt neuerdings die buchbare Blumenhalle direkt hinter dem Eingang der Gartenschau. Wechselnde Blumenarrangements und Ausstellungen gehören von Anfang an zur Gartenschau. Seit die Lebenshilfe das Gebäude aufgestockt hat, steht auch die Blumenhalle mit ihrer kleinen Bühne und den nicht alltäglichen Holzbalken für Konzerte, Lesungen, Feiern und Tagungen zur Verfügung.

Name „Brauhaus“ bald Geschichte

„Wir werden gut gebucht“, stellt Brauhaus-Leiterin Idil Becker fest. Es sei ein von vielen Seiten gut erreichbarer Standort, der Firmen, Verbände, Vereine genauso wie Privatpersonen viel zu bieten habe. Noch steht das „Veranstaltungszentrum“ mit seinem Herzstück, dem Brauhaus, im Aufbau. Dennoch denkt David Lyle bereits über eine weitere Veränderung, einen weiteren Schritt in die Zukunft des Brauhauses nach, und spricht von Modernisierung.

„Wir passen die Speisekarte mehr an die Bedürfnisse der Zeit an – mehr vegane, mehr vegetarische Gerichte“, erläutert Idil Becker, was sich in Teilen hinter der Modernisierung verbirgt. Die Klassiker wie Schnitzel und Leberknödel werden deshalb aber nicht verschwinden, schiebt sie lachend hinterher. Wichtig sei ihr, dass bei jedem Schritt das Personal – vom Chefkoch angefangen bis zur Servicekraft – eingebunden und mitgenommen werde. Neben der Speisekarte stehen die Kochstellen in der Küche genauso zur Diskussion wie der Name. „Wir werden uns vom Namen Brauhaus verabschieden“, sagt Lyle. Gebraut worden sei hier noch nie, deshalb gebe es für ihn keinen Grund, am Namen „Brauhaus“ auf immer und ewig festzuhalten. Einen neuen Namen gibt es übrigens noch nicht.

Die Serie

Im April 2000 öffnete in Kaiserslautern die Landesgartenschau ihre Pforten. Sie entpuppte sich als Besuchermagnet – auch nach Ende der Landesgartenschau. Seit einem Vierteljahrhundert lockt die Gartenschau Hunderttausende Besucher an. In dieser Serie werfen wir einen Blick auf Geschichte und Besonderheiten des Freizeitgeländes. Im zuletzt veröffentlichten Serienteil befasste sich unser Autor mit der Geschichte der (Landes-)Gartenschau.

Idil Becker am Tresen des Brauhauses. Sie ist bei der Lebenshilfe zuständig für das Restaurant und das Veranstaltungszentrum.
Idil Becker am Tresen des Brauhauses. Sie ist bei der Lebenshilfe zuständig für das Restaurant und das Veranstaltungszentrum.
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