Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Was die Gartenschau Kaiserslautern so besonders macht

Ein beliebtes Fotomotiv: der Dinosaurier an der Fußgängerbrücke. Im Jahr 2002 wurden rund 80 Dino-Figuren auf dem Gartenschau-Ge
Ein beliebtes Fotomotiv: der Dinosaurier an der Fußgängerbrücke. Im Jahr 2002 wurden rund 80 Dino-Figuren auf dem Gartenschau-Gelände aufgebaut.

Die Gartenschau Kaiserslautern ist ein Besuchermagnet und weit über die Region hinaus bekannt. Warum eine Weidekirche gebaut wurde und wie die Dinos auf das Gelände kamen?

Als Prokurist der Landesgartenschau gehörte Thomas Zinßmeister neben den Geschäftsführern Joe Weingarten und Matthias Schmitt zu den Männern der ersten Stunde. Der damalige Oberbürgermeister Bernhard Deubig fragte Zinßmeister, ob er den Freizeitpark „Gartenschau Kaiserslautern“ als Geschäftsführer weiterführen wolle. Deubig stieß damit bei Zinßmeister auf offene Ohren. „Das Gelände war in einem Top-Zustand. Es wäre schade gewesen, die Tore zu schließen“, erinnert sich Zinßmeister. Doch hinter der schönen Fassade verbarg sich eine große finanzielle Belastung, denn die Landesgartenschau hinterließ Schulden in Höhe von 2,8 Millionen Euro. „Mit den damaligen Einnahmen hätten gerade mal die Zinsen getilgt werden können.“

In der Winterpause von Oktober 2000 bis April 2001 arbeiteten Zinßmeister und der Landschaftsarchitekt Bernd Roser an einem neuen Konzept für die Gartenschau. „Wir haben jede Menge Blumen eingebracht“, erinnert sich Zinßmeister an die Wiedereröffnung im Jahr nach der Landesgartenschau. Eine zentrale Frage war, wie man das Durchschnittsalter der Besucher senken und mehr Kinder und Jugendliche anlocken könnte. Dieses Ziel wurde 2002 mit rund 80 Dinosaurierfiguren erreicht, die zwischen zwei und 25 Meter hoch und bis zu 20 Meter lang waren. „Sie wurden ins Gelände modelliert.“

Die Inspiration dazu kam Zinßmeister bei einem Besuch eines vergleichbaren Freizeitparks in Hannover. Kritiker befürchteten anfangs, die Gartenschau könnte zu einem Dinosaurierpark werden, doch diese Bedenken legten sich schnell. „Originalgetreue Dinos stehen heute noch da und werden von Jung und Alt bestaunt.“ Bei Bedarf werden die Figuren restauriert und neu bemalt – die Dinosaurier bleiben bis heute ein Erfolg.

Weidenkirche verleiht neuen Schub

Auch in den Folgejahren suchte Zinßmeister stets nach neuen Ideen. 2003 besuchte er die Internationale Gartenbauausstellung in Rostock. Dort war er überwältigt von Posaunenklängen, die während eines Gottesdienstes aus einem Weidendom auf dem Ausstellungsgelände erklangen. „So etwas hatte ich noch nicht erlebt. Warum nicht ein ähnliches Projekt auf der Gartenschau in Kaiserslautern?“, fragte sich Zinßmeister.

Thomas Zinßmeister war erst Prokurist der Landesgartenschau, danach Geschäftsführer der Gartenschau. 2003 holte er sich in Rosto
Thomas Zinßmeister war erst Prokurist der Landesgartenschau, danach Geschäftsführer der Gartenschau. 2003 holte er sich in Rostock die Inspiration zu einer Weidenkirche.

Nach wenigen Wochen stellte er sein Konzept rund 60 Interessierten vor, die sich bereit erklärten, beim Bau der Weidenkirche auf dem Kaiserberg zu helfen. Ein Modell wurde angefertigt. Der Kuppel des Bauwerks vorgelagert sind sieben Bögen. „Sie symbolisieren die Schöpfungsgeschichte“, erläutert Zinßmeister. Um das Skelett zu begrünen, wurden an mehreren Orten in der Pfalz Weidenruten geschnitten, gebunden und eingepflanzt. „Die Unterstützung aus der Öffentlichkeit war enorm.“

Im Mai 2004 wurde die Weidenkirche mit einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Noch heute künden ein Altar aus gelbem Sandstein, eine an der früheren Technischen Universität gegossene Glocke und ein aus einem Kirschbaum geschaffenes Kreuz von einer christlichen Kirche. Ein Freundeskreis mit vielen Helfern um Gisela und Jo Breuer und Dietmar Theiss nahm sich in den vergangenen Jahren die Zeit, die Weidenkirche zu pflegen. Die ist bis heute ein beliebter Ort für Gottesdienste, Hochzeiten sowie für kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte.

Eine Million Tulpen- und Narzissenzwiebeln

Die Weidenkirche auf dem Kaiserberg brachte der Gartenschau einen neuen Schub. Gleichzeitig entstanden Kooperationen, die sich mit Ideen zur Gestaltung und der Unterhaltung der Einrichtung einbringen. So erinnert Zinßmeister an die damalige Präsidentin der Lebenshilfe, Trude Deubig, die Ehefrau von Ex-Oberbürgermeister Bernhard Deubig. Sie hat sich Zinßmeister zufolge mit Helga Lyle, der Ehefrau von Lebenshilfe-Geschäftsführer David Lyle aktiv mit Ideen eingebracht. Unter Mitwirkung des Arbeitspädagogischen Zentrums und mit Kräften des zweiten Arbeitsmarktes gelang es, den Kaiserberg attraktiv zu gestalten. Themengärten, ein grünes Klassenzimmer und Streuobstwiesen wurden zu Anziehungspunkten.

Im Jahr 2006 wurde ein Pflanzkonzept für den Neumühlepark entwickelt. Insgesamt wurden eine Million Tulpen- und Narzissenzwiebel
Im Jahr 2006 wurde ein Pflanzkonzept für den Neumühlepark entwickelt. Insgesamt wurden eine Million Tulpen- und Narzissenzwiebeln auf dem Gartenschau-Gelände gesetzt.

Auf der Suche nach einem Alleinstellungsmerkmal für die Gartenschau stieß Zinßmeister 2006 in den Niederlanden auf den Keukenhof und den Tulpenspezialisten Kees van Waveren. Mit dem Gartenarchitekten Jan Guldemond entwickelte er ein Pflanzkonzept für den Neumühlepark. 2007 wurde das Vorhaben mit Gartenbaubetrieben aus Kaiserslautern realisiert. „Eine Tulpenschau, wie sie Kaiserslautern noch nicht erlebt hat“, erinnert sich Zinßmeister und gerät ins Schwärmen. Dazu wurden eine Million Tulpen- und Narzissenzwiebeln in die Erde gelegt. „Dass eine im folgenden Jahr eigens geschaffene Tulpe mit dem Namen ,Kaiserslautern’ in der Farbe Rot von der damaligen Stadtspitze nicht gewollt war, hat mich sehr betroffen gemacht“, bedauert er noch heute.

Lebenshilfe übernimmt im Jahr 2009

„Von Jahr zu Jahr enger wurde der finanzielle Spielraum der Gartenschau“, sagt Zinßmeister. Ein Defizit aus dem Startjahr, gleichbleibende Zuschüsse, gestiegene Unterhaltungskosten und ausgereizte Eintrittspreise hätten 2009 zu einer Übernahme der Gartenschau durch die Lebenshilfe geführt, lässt der ehemalige Geschäftsführer die Jahre Revue passieren.

Als weicher Standortfaktor sei die Gartenschau für Kaiserslautern nicht mehr wegzudenken. Immer wieder mal führt Zinßmeister der Weg zurück an seine frühere Wirkungsstätte. Dann sucht er seinen Lieblingsort auf: eine Aussichtsplattform im Kröckelschen Steinbruch. Von dort genießt er den Blick auf den Neumühlepark. „Nicht ganz ohne Wehmut“, gesteht er.

Zur Person

Der 67-jährige Thomas Zinßmeister stand 15 Jahre lang im Dienst der Berufsfeuerwehr Kaiserslautern. Oberbürgermeister Bernhard Deubig hatte ihn erst zum Prokuristen der Landesgartenschau, danach als Geschäftsführer der Gartenschau Kaiserslautern bestellt. Bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand war der studierte Sicherheitsingenieur bei der Stadtverwaltung Kaiserslautern beschäftigt. Zinßmeister ist verheiratet und wohnt mit seiner Familie in Mölschbach.

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