Kaiserslautern Das A und O ist Kooperation

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Etwa 300 Einrichtungen in Stadt und Landkreis Kaiserslautern wurden vom Gesundheitsamt angeschrieben. Krankenhäuser, wie die in Landstuhl, Pirmasens und Zweibrücken machen mit, ebenso wie niedergelassene Ärzte, Pflegeheime, Tageskliniken, Rettungsdienste oder Reha-Einrichtungen. Die Gesundheitsämter − neben Kaiserslautern Bad Dürkheim, Donnersbergkreis, Kusel, Südliche Weinstraße und Südwestpfalz − koordinieren die regionale Netzwerkarbeit. Einziges Ziel ist es, den Vormarsch der resistenten Erreger aufzuhalten. Basis dafür bilden Informationen über die Erreger, denn Vorurteile, Unwissen und Ängste gilt es abzubauen. Eine Fragebogenaktion hat ergeben, dass daneben auch gegenseitige Schuldzuweisungen das Nicht-Wissen kaschieren sollen. Hans Willenbacher, Hygieneingenieur beim Gesundheitsamt, schilderte im Gespräch mit der RHEINPFALZ, dass es einen gesetzlichen Auftrag gebe, MRE-Netzwerke zu gründen. Daher sei „Deutschland fast komplett mit Netzwerken abgedeckt, die sich regional strukturieren“, ergänzte Professor Axel Stachon, Leitender Arzt des Instituts für Laboratoriumsmedizin. Jeder dritte Mensch ist mit Keimen besiedelt, erklärte Peter Förster, Geschäftsführer der Westpfalz-Klinikum GmbH, das Grundproblem. Kommt er wegen einer Erkrankung ins Krankenhaus, bringt er die Keime mit. Deshalb macht das Krankenhaus bei Patienten, die besiedelt sein könnten, ein Screening. Dafür gibt es nach den Worten Stachons Vorgaben vom Robert-Koch-Institut als entscheidender Instanz in Deutschland. Es gibt vor, welche Patienten ein Risiko haben, von Keimen besiedelt zu sein. Als Beispiel nannte Stachon Menschen, die in den vergangenen sechs Monaten in einer Klinik waren, die eine Antibiotika-Therapie hatten oder an Diabetes leiden. Das seien Risikofaktoren. „Wenn ein Risikoprofil da ist, dann screenen wir.“ Als Konsequenz daraus folgen beispielsweise Körperwaschung oder Isolation. Ziel ist es, den Patienten von dem Keim zu sanieren. „Wir haben in den letzten fünf Jahren die MRSA-Rate schon um über 30 Prozent gesenkt“, stellte der Laboratoriumsmediziner fest. MRSA sei jedoch nur ein Keim und nicht das Hauptproblem für die Zukunft. Hier spielten vielmehr die MRGN-Keime eine größere Rolle, da sie deutschlandweit anstiegen. Das A und O bei der Bekämpfung der multiresistenten Keime sei die Zusammenarbeit aller Beteiligten. Eine der Schnittstellen sei die Entlassung der Patienten. Das Klinikum gebe zwar die Informationen über den Patienten an den Hausarzt, an Angehörige oder Pflegeheime weiter, konstatierte Förster, doch danach müsse die Sanierung des Patienten von Keimen unbedingt zu Ende gebracht werden. Das müsse zusammen mit allen optimiert werden. Das Westpfalz-Klinikum arbeitet zurzeit am Aufbau eines Entlassmanagements, bei dem auch solche Belange berücksichtigt werden. Auch hier muss nach Försters Ansicht flächendeckend gearbeitet werden, „um die Rate der Besiedlung nach unten zu treiben“. Stachon kündigte an, dass die personelle Ausstattung im Klinikum noch ausgebaut werden soll. Denn: „Hygiene ist ein Kerngeschäft der Medizin.“ Der Arzt verdeutlichte allerdings auch: „Man könnte mehr machen mit mehr Geld.“ Zwar gebe es im Desinfektionsschutzgesetz gesetzliche Vorgaben, wie zu handeln sei, doch diesen Vorgaben stünden nicht die adäquaten finanziellen Mittel gegenüber. Förster ergänzte: „Die Sachkosten sind im Krankenhaus nicht gegenfinanziert. Sie gehen im allgemeinen Budget unter.“ Das sei bei den Gesundheitsämtern nicht anders, fügte auch Willenbacher an. (ita)

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