Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Darmstädter Trio 8Kids überzeugt in der Kammgarn

Versierter Frontmann: Jonas Jakob von 8Kids.
Versierter Frontmann: Jonas Jakob von 8Kids.

Endlich hat es geklappt: Nachdem das Debüt der Darmstädter Band 8Kids mehrfach verschoben werden musste, haben die drei Musiker nun am Samstagabend endlich den Sprung in die Kammgarn geschafft – und mit ihrem gut gemachten Post-Hardcore auch gleich einen erstklassigen Eindruck hinterlassen.

Bevor die kleine Gruppe im Cotton Club des Hauses loslegte, gab’s mit den Berliner Supportern von Bluthund aber erstmal zum Vorwärmen ordentlich was auf die Ohren. Deutsch-Rap, Punk und Rock – eine in Sachen Energie und Tempo ziemlich explosive Mixtur bildete hier weitgehend die stilistische Basis.

Darüber entfaltete sich ein starker Überbau aus rasiermesserscharf geführten Gitarren und einer durchdringenden, sich gerne in fetzigen Schreiorgien ergehenden Singstimme, die sich im Band-Repertoire – so weit verständlich – wütend mit gesellschaftskritischen Themen wie etwa dem hohen Fleischkonsum („Glückssau“) und mit Sexismus beschäftigte.

Bluthund treten in Skimasken auf

Wer genau diese Musik produzierte und wie die Jungs aussehen, war nicht auszumachen. Denn die vier Musiker – sowie auch im Cotton Club manche ihrer Fans – trugen wie immer bei ihren Auftritten den ganzen Kopf umhüllende weiße Skimasken. Dabei müssen sich die vier fähigen Bandmitglieder keineswegs verstecken. Immerhin zog der muskulöse Leadsänger gegen Ende des Auftritts zwar nicht die Maske, aber immerhin sein Shirt aus. Beides waren nette Performance-Gags, die zusammen mit der expressiven Musik den Stimmungsweg ebneten für die nachfolgende Band.

Und die hatte in Sachen Power und Publikumswirksamkeit sogar noch ein bisschen mehr zu bieten. Rhythmisch drängende, vielfach von heftigem, wiederum an Schreien heranreichenden Gesang getriebene Titel wie „Kann mich jemand hören?“ oder das von vielen im Publikum im Refrain laut mitgesungene „Wir bleiben Kids“ (was auch das Tour-Motto bildet) heizten die Stimmung im Raum trotz der nicht gerade großen Zuhörerzahl bis hin zum lautstark geforderten Zugabenteil zu später Stunde ständig noch ein bisschen mehr auf.

Neuer Schlagzeuger an Bord

Interessant war auch hier die Frage nach den Mitwirkenden. Denn zum einen spielte da am Schlagzeug offensichtlich jemand ganz anderes als die erwartete Emma McLellan. Des Rätsels Lösung: Die Musikerin hatte die Band wenige Tage zuvor verlassen. Jetzt agiert an dieser Stelle der offensichtlich nicht minder versierte Drummer Leif Jensen.

Zum anderen hörte man zwar den ganzen Auftritt über einen wohl tönenden, akkuraten Bass, sah aber keinen dazugehörigen Spieler. Auch hier war die Sache an sich einfach, aber technisch beeindruckend: Man spielte zu Basslinien aus der Konserve.

Anspruchsvolle Texte

Das war nun, wenn überhaupt, gar nicht so einfach, wie mit einem richtigen Bassisten anzutreten, mit dem man live interagieren kann. Das setzt einiges an Musikalität und Einfühlungsvermögen voraus – kein Problem für den agilen Frontmann Jonas Jakob (Gesang/Gitarre), Hans Koch an Gitarre/Gesang und eben Leif Jensen hinterm Schlagzeug. Auch sonst umschiffte das Trio alle musikalischen Klippen und Unwägbarkeiten der zwar meist deftig-lauten, aber technisch und interpretatorisch nicht ganz einfachen Musik mühelos. Dass man bei alledem die Artikulation der fast immer anspruchsvollen, nachdenklich machenden Texte nicht vernachlässigte, gehört zu den weiteren Qualitäten des Trios.

Ein Meisterstück gelang 8Kids hier mit dem Cover des von menschlichem Verlust und tiefer Trauer handelnden Grönemeyer-Titels „Der Weg“, der in seiner Intensität auch und gerade in der stringenteren Tribute-Version noch lange nachwirkte.

Intensiv wirkte besonders eine Hommage an Herbert Grönemeyer, was eher untypisch für eine Post-Hardcoreband ist.
Intensiv wirkte besonders eine Hommage an Herbert Grönemeyer, was eher untypisch für eine Post-Hardcoreband ist.
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