Kaiserslautern
Dank Trump sind USA-Experten gefragt wie nie zuvor
Bayrischer Rundfunk, Südwestrundfunk, dazu eine Radiostation aus der Schweiz sowie weitere Medienanfragen aus den Niederlanden, Luxemburg und der Slowakei: Die Amerika-Experten der Atlantischen Akademie (AA) sind rund ums politische Geschehen in den USA gefragte Gesprächspartner, wie Sarah Wagner berichtet. „Die Nachfrage ist enorm, wir können gar nicht alle Anfragen bedienen“, sagt die Bildungsreferentin im Gespräch mit der RHEINPFALZ.
Während der vier Jahre Amtszeit von Donald Trump im Weißen Haus habe das Interesse an allen Vorgängen auf der anderen Atlantikseite enorm zugenommen – und damit auch das Interesse an Stellen, die politische und gesellschaftliche Vorgänge einordnen und bewerten können. Dazu gehört in Rheinland-Pfalz die AA, eine von der Landesregierung geförderte Institution, die sich darum bemüht, über Politik und Gesellschaft der USA zu informieren.
Wegen der mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen sei die AA mit Angeboten ins Internet ausgewichen, was sich im Nachgang nicht unbedingt als Nachteil herausstellte, so Wagner. Die digitalen Angebote, etwa die Wahlparty im Internet im November sei „super gelaufen“, hätten viel Zuspruch erfahren. Ebenso habe es trotz Pandemie auch weiterhin Anfragen aus Schulen gegeben. „Unser digitales Standbein wollen wir beibehalten und vielleicht noch ausbauen“, sagt Wagner.
Mit der Vereidigung von Joe Biden nun löse sich nicht alles in Wohlgefallen auf. „Die grundlegenden Probleme begleiten uns weiterhin“, sagt Wagner und meint damit die Spaltung der Gesellschaft in den USA. „Trump ist eher ein Symptom denn die Ursache“, meint Wagner. Er hinterlasse „eine beschädigte Demokratie“, obendrein habe er versucht, Zweifel an der Legitimität von Bidens Wahlsieg zu streuen.
Auf den neuen US-Präsidenten und seine Mannschaft warte nun eine Menge Arbeit: das Land einen, die unterschiedlichen Positionen wieder näher zusammenführen. Das gelte auch für die politische Welt in den Staaten. „Biden wird versuchen, die Temperatur runterzufahren.“ Die Demokraten, die ja nun wieder den Präsidenten stellen, werden auf die Republikaner zugehen, ihre Unterstützung suchen. Die Gretchen-Frage, aus Wagners Sicht, wird sein: „Wie weit sind die Republikaner bereit, das politische Erbe Trumps hinter sich zu lassen?“
Corona und Militär schränken ein
Die Amtseinführung selbst, die am Mittwoch stattfinden wird, werde völlig anders sein als vorherige Zeremonien dieser Art. Das liege zum einen an der Corona-Pandemie, die wenig Publikum zulasse, aber auch an der starken Militärpräsenz in der Hauptstadt Washington, die der Tatsache geschuldet ist, dass vor zwei Wochen Anhänger Trumps das Capitol besetzten. „Es wird auch keine Rahmenveranstaltungen geben“, sagt Wagner. Womöglich werden einige Punkte am Nationalfeiertag, am 4. Juli, nachgeholt. Nicht mit dabei sein werde der scheidende Präsident Trump. Dass der Vorgänger bei der Amtsübergabe – Todesfälle ausgeklammert – nicht dabei ist, habe es zuletzt im 19. Jahrhundert gegeben, so Wagner.
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