Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Daniel Böhm gestaltet „Blaue Stunde“ am Pfalztheater

Auf den Spuren Thomas Manns: Danuel Böhm.
Auf den Spuren Thomas Manns: Danuel Böhm.

Seit Jahrzehnten gibt es nun schon die beliebte „Blaue Stunde“-Reihe des Pfalztheaters – und sie ist immer noch für Überraschungen gut. Gleich zwei davon gab es am Freitagabend bei der jüngsten Ausgabe der beliebten Vortragsreihe, als Daniel Böhm im dicht besetzten unteren Foyer des Hauses Texte von Thomas Mann rezitierte.

Zum einen: Zum ersten Mal überhaupt begann eine „Blaue Stunde“ aus organisatorischen Gründen (am selben Abend fand im Zirkuszelt noch die Premiere von „Der Liebestrank“ statt) bereits um 17 Uhr, eine Stunde früher als üblich. Das war insgesamt kein Problem, auch wenn es vereinzelt zu Versäumnissen von langjährigen „Blaue Stunde“-Fans führte. Zweitens: Daniel Böhm, Bariton und einer von zwei Künstlerischen Leitern des Hauses, ist nicht nur ein exzellenter Sänger, sondern offensichtlich auch ein guter Rezitator. Er verlieh den Ausschnitten aus den hehren literarischen Werken durch seine ungemein lebendige Vortragsweise eine ebenso unterhaltsame wie eindringliche Dimension.

Ausgewählt hatte Böhm ohnehin nicht etwa die „schweren“ Werke des meist als sprachlich opulent und inhaltlich tiefgründig geltenden Autors und Literaturnobelpreisträgers Thomas Mann (1875 bis 1955). Die hatten es Böhm, wie er in gleich zu Anfang gestand, schon als Schüler im Leistungskurs Deutsch und später im Germanistik-Studium nicht besonders angetan. Stattdessen widmete er sich an jenem Abend mit Auszügen aus den Romanen „Lotte in Weimar“ (erschienen 1939) und dem mehrteiligen Werk „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ (vollständig veröffentlicht 1954) den mehr leichtgängigeren, ironischeren Seiten des Schriftstellers. Ganz losgelöst von den typisch langen Satzkonstruktionen und anspruchsvollen Begrifflichkeiten waren indes auch diese Werke nicht, und man musste sich als Zuhörer (und erst recht als Vortragender) schon ziemlich konzentrieren, um den anstrengenden sprachlichen Windungen eines Thomas Mann zu folgen.

Höchst erheiternd

Es sollte sich lohnen. Den ersten Teil der Lesung nahm das erste Kapitel aus „Lotte in Weimar“ ein. In ihm wird die Ankunft der inzwischen gereiften Hofrätin Charlotte Kestner, einst Vorbild der „Lotte“ in Goethes 1774 erschienenen berühmten Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“, im Weimarer Gasthof „Zum Elephanten“ im Jahr 1816 beschrieben. Alle Anwesenden sind wegen der prominenten Besucherin, die nach all der Zeit einen Besuch beim Dichterfürsten plant, in heller Aufregung. Besonders der Kellner Mager, ein Bewunderer Goethes und Charlottes gleichermaßen, redet in Manns Werk während seiner Begleitung auf Kestners Zimmer pausenlos, schnell und unterwürfig auf die zunehmend enervierte Besucherin ein – für den Leser/Zuhörer des Textes ist es indes höchst erheiternd.

In dem ausgewählten Kapitel fielen dann auch noch so herrlich heimelig-obsolete Ausdrücke wie „bei Jahren sein“ (für nicht mehr ganz junge Personen) oder „phlegmatischen Blickes“. Das strukturierte die ellenlangen Bandwurm-Sätze Thomas Manns durch ihre Auffälligkeit, ließ auch bisweilen noch zusätzlich schmunzeln. Besondere Vitalität und Anschaulichkeit erhielt der im Übrigen auf eine wahre Begebenheit zurückgehenden Text durch Daniel Böhms gekonnt dramatisierenden Vortrag.

Ähnlich unterhaltsam gestaltete sich seine Rezitation der Ausschnitte aus „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“. Mit stellenweise atemberaubender Energie und hohem, gleichwohl sicher gehaltenem Tempo trug er hier die erstaunlichen Eskapaden des charmanten Titelhelden vor. So versteht es die Romanfigur Krull etwa, sowohl bei der Musterung zum ungeliebten Militärdienst, als auch bei den amourösen Abenteuern mit der ihn abschätzig betrachtenden vornehmen Madame Houpflé in jeder Hinsicht zu bestehen. Diese Inhalte, die absichtlich gestelzte Sprache („Du entkleidest mich, kühner Knecht?“) und eben die versierte Vortragsart Daniel Böhme fesselten und erheiterten das Publikum bis zum letzten Satz.

Info

Die nächste „Blaue Stunde“ findet bereits am kommenden Freitag, 5. Mai, und wieder wie gewohnt um 18 Uhr im unteren Foyer des Pfalztheaters statt. Unter dem Motto „Viva la Diva! Christa Ludwig, Cheryl Studer und Maria Callas“ stellen Annabelle Köhler, Andreas Bronkalla und Günther Fingerle an diesem Abend ihre persönlichen „Lieblingsdiven“ vor.

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