Kaiserslautern
Da sind sie wieder: Die Rockband Sleazy ist zurück
„They never come back“ - „Sie kommen niemals wieder“: Den Spruch kennt man aus der Box-Szene. Was bei einmal aus dem Rampenlicht getretenen Faustkämpfern der Fall sein mag, muss auf Musiker nicht unbedingt zutreffen – insbesondere die Rockgeschichte ist voll mit Beispielen von erfolgreichen Comebacks. Eines der jüngsten davon ist das der Kaiserslauterer Band Sleazy. Nach ziemlich genau 25 Jahren Pause haben sich die Mitglieder des seinerzeit recht erfolgreichen Rock-Quartetts noch einmal zusammengefunden – und dabei auch gleich noch ein neues Album veröffentlicht.
Anfänge in den 1980er Jahren
Begonnen hat alles in den 1980er Jahren, in denen es auch und gerade in Kaiserslautern eine ziemlich gute (Hard- und Heavy-)Rock-Szene gab. Sleazy war ab 1989 eine der Bands, welche diese und das Umland mit zahlreichen Live-Konzerten bereicherte. Die reiferen Rockfans mögen sich etwa noch an erfolgreiche Auftritte im Kaiserslauterer Jugendzentrum in der ersten Hälfte der 1990er Jahre erinnern, über die dann auch in der RHEINPFALZ mehrfach berichtet wurde.
Zahlreiche Auftritte in der Region
Es waren Jahre voller Live-Gigs, die Sänger und Gitarrist Dee Polz, Gitarrist Dirk Bayer, Bassist und Background-Sänger Danny Scaroni (ab 1996 dann mit Markus Dillenkofer) und Schlagzeuger Hannes Krämer – allesamt zuvor schon erfahrene Bandmusiker – bis ins nahe Ausland führten. 1992 veröffentlichte Sleazy sein Album „Wipe Out“, vier Jahre später folgte ein zweites mit dem Titel „Big A...“, das bei den Fans und in der Fachpresse besonders gut ankam. An dieser Stelle ein heißer Tipp für die alten und neuen Fans der Band: Der Sleazy-Erstling „Wipe Out“ ist auf YouTube in voller Länge abruf- und hörbar. Insgesamt fast zehn Jahre lang verlief das Musikerleben der Sleazy-Männer auf diese Weise.
Und dann kam – das Aus? Ja und nein. „Eigentlich haben wir uns nie getrennt“, erklärt die Band auf ihrer neu geschaffenen Homepage „Kein Streit, keine Solopläne, keine anderen Bands“, erinnert man sich. „Nach zwei Alben und unzählbar vielen Gigs ist es 1998 passiert, und wir haben einfach aufgehört zu spielen.“ Und man mutmaßt: „Vielleicht war auch keine Musik mehr in uns.“
Jahrzehntelang hörte man buchstäblich nichts mehr von der Band. Aber wenn man so lange zusammen gespielt hat, dann lässt die Musik, das Komponieren, die Bühne die Bandmitglieder nie wieder los. Damit verknüpft waren etliche offene Fragen. Eine elementare davon formuliert Gitarrist Dirk Bayer im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Wir fragten uns: Will uns überhaupt jemand hören?“, je nach Perspektive dann vielleicht noch unausgesprochen versehen mit dem Zusatz „noch“ oder „wieder“.
Und das war noch nicht alles, was Beachtung finden sollte. Schließlich hatte man sich ja auch selbst – persönlich, musikalisch und beruflich – in all der Zeit weiterentwickelt. Bayer zum Beispiel ist heute Professor für Architektur an der Universität Kaiserslautern-Landau. Die Gitarre hatte er vor der Reunion viele Jahre nicht mehr in die Hand genommen. Hinzu kamen weitere Überlegungen: Ist der alte „Spirit“ wohl wieder da? Und nicht zuletzt: Welche Songs sollte man denn nun spielen?
Viele neue Songs
Die vier Musiker probierten einfach alles einmal aus. So unspektakulär und ohne definierten Anlass es einst zu einem Stillstand kam, so ging es vor etwa drei Jahren weiter. Man führte Gespräche, spielte sich übers Internet neue Song-Ideen zu, hielt sie fest mit moderner Technik, die es zur Gründungszeit noch gar nicht gab. So entstanden mit der Zeit viele komplett neue Sleazy-Titel, in denen alte Fähigkeiten und frische Ideen sich gegenseitig beeinflussten. Neun davon fanden Eingang in ein brandneues Album.
Das alles gelang freilich nicht auf Anhieb. Die erwähnten Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg machten sich durchaus bemerkbar: „Wir mussten uns schon zusammenraufen“, denkt Dirk Bayer an die erste Phase der dreijährigen Neo-Sleazy-Zeit zurück. Aber es funktionierte immer besser und immer intensiver: Der Rock war noch immer in ihnen zu spüren, war auf der Basis der Erfahrungen sogar noch stärker geworden.
„Ja, wir sind gealtert, vielleicht auch ruhiger, langsamer und gelassener, aber wir lieben den harten Rock wie nie zuvor“, lässt Sleazy im Jahr 2023 im Internet ausrichten. Und diese Liebe hört man dem 25 Jahre nach dem letzten Konzert veröffentlichten Album „Back on track“ in jedem Takt auch an.
Info
Informationen über die alte neue Band Sleazy und ihre Musik finden sich im Internet unter anderem auf der neu geschaffenen Homepage www.sleazy-rocks.de
Das neue Album
Manchmal muss viel Zeit vergehen, bevor man komplett unerwartet etwas ganz Ungewöhnliches und Gutes erleben darf. Im Falle der Kaiserslauterer Band Sleazy dauerte es ein sattes Vierteljahrhundert, bevor sich die eigentlich nie aufgelöste Gruppe wieder meldete. Und dann umso kräftiger und überraschender gleich noch mit einem neuen Album, dem nunmehr dritten nach den beiden Vorgängern in den 1990er Jahren, aus den Tiefen der Lautrer Musikszenen-Geschichte auftauchte. So etwas gibt es nicht alle Tage.
Das sinnigerweise „Back on track“ (frei übersetzt etwa: „Zurück in die angestammte Spur“) genannte Werk klingt fast so, als wären die vier mittlerweile nicht mehr ganz so jungen Jungs nie ganz weg gewesen.
Aber eben nur fast. Besonders die persönliche und künstlerische Weiterentwicklung in dieser langen Zeit macht sich beim Hören vom ersten Moment an bemerkbar. Geblieben ist zweifellos der große Enthusiasmus und das grundsätzliche technische Können (auch, wenn da wohl manches noch einmal ordentlich eingeübt werden musste), neu ist die über die Jahre hinweg gewachsene Kreativität, die sich jetzt in hörenswerten, komplexen Strukturen innerhalb von jedem der neun neuen Stücke auf diesem dichten Hardrock-Album bis in deren feine Verästelungen hinein erspüren lässt.
Zeitgemäßer Rock
Das ist zeitgemäßer Rock auf solider Old-School-Basis, das sind im Kern die guten, alten Sleazy-Musiker Dee Polz (Gesang), Dirk Bayer (Gitarre), Markus Dillenkofer (Bass und Background-Gesang) und Hannes Krämer (Schlagzeug), die zugleich alle mächtig gereift und damit jetzt auf modernen Rock-Höhen angekommen sind.
Drei Jahre hat das Quartett investiert, um die neun Titel – sämtlich geschrieben von Sänger Dee Polz – auf „Back on track“ auszutüfteln. Und das hört man den meisten Stücken auch an. Schon das eröffnende „Powertrain“ macht seinem Titel alle Ehre und zieht mit der lange zurückgehaltenen Kraft einer Lokomotive alles mit: den staunenden Zuhörer, die sich entwickelnde Atmosphäre, die folgenden Stücke. Damit wird „Powertrain“ auch gleich zum Anspieltipp.
Es bleibt energisch
Nicht weniger energisch geht es weiter mit „Last Shirt“, „Gambling Man“ und „Babylon“. Sound-Überraschungen wie gesprochene Parts (in „Gambling Man“) und komplexe Soli sorgen hier für innere Abwechslung. Tempomäßig etwas zurückhaltender, aber dafür mehr in die Tiefe wirkend geben sich nachfolgend „Fear Of Heights“, „Exit Ahead“ und das leicht emotionale „Mother“.
Gegen Ende gibt man dann noch mal – auch, um im Bild des vor PS strotzenden Autos auf dem Cover der CD zu bleiben – ordentlich Gas und zeigt, was man in Songs wie „Paradoxical“ und der Titel-Nummer „Back On Track“ noch und wieder so alles drauf hat. Gerade in jenem letzten Stück geben der Komponist, die Musiker und nicht zuletzt auch der erfahrene Sound-Tüftler Markus Teske, der das gesamte Album sauber gemixt und gemastert hat, alles, was sie drauf haben – eine ganze Menge an Melodie, Tempo, Ausdruck und Gefühl.
Apropos Cover: Jenes der physischen CD ist so sehens- wie die Scheibe hörenswert ist. Der renommierte Berliner Grafiker Roman Bittner hat die Titelseite und fast alle anderen Bildteile des Albums nämlich im Pop-Art-Stil mit eigens für dieses Projekt angefertigten Zeichnungen wie aus einem Comic der 1950er Jahre gestaltet – das alleine hat schon was.
Die CD
Das 25 Jahre nach den letzten Auftritten veröffentlichte dritte Album der Kaiserslauterer Band Sleazy gibt es als physische CD im (Online-)Fachhandel sowie über die bekannten Download- und Streaming-Dienste.