Kaiserslautern
Comedy mit Rena Schwarz in der Kammgarn-Schreinerei
Viel Bühnendeko brauchte die Comedienne dazu nicht. Da reichten ein kleiner Tisch, ein Stuhl und ihre Gitarre. Letztere nahm sie alsbald zur Hand und bewies fortan gekonnt, wie sich selbstgeschriebene, themenbezogene Lieder mit dem übrigen Programm sauber verbinden ließen. Was sie programmatisch zu präsentieren hatte, hing mit ihrem Wohnsitz zusammen. Die ursprünglich aus Bielefeld stammende Schwarz, die schon seit über 30 Jahren bei Aschaffenburg im Spessart wohnt, ist dort besonders intensiv auf die berühmten gesammelten Märchen der Gebrüder Grimm gestoßen. Die beiden Professoren stammten aus dem nahen Hanau und begannen vor über 200 Jahren damit, die einst nur mündlich weitergegebenen Sagen und Märchen der Region aufzuschreiben. In diesen Geschichten ging es bekanntermaßen oft um Prinzessinnen und ihre Traumprinzen.
Hänsel und Gretel im Bahnhofsviertel
Rena Schwarz nahm diese Märchen auf, verarbeitete sie, spielt mit den Klischees darin, transportierte die alten Geschichten dabei teilweise gekonnt in die Moderne – Märchen trifft Realität. Daraus ließ sich etwas machen, und Schwarz machte es: So fragte sie in die Runde, wie es wohl wäre, wenn Hänsel und Gretel in die Gegenwart versetzt würden. Als Antwort schickte sie sogleich die Geschwister anstatt in den Wald nach Frankfurt ins Bahnhofsviertel und verpasste ihnen auch noch die vielsagenden Namen Jamie-Maurice und Jacqueline-Chantal. Schwarz spielte an diesem Abend halt oft und gerne mit den üblichen Klischees (Stiefmutter ist Nageldesignerin und der Vater ein Bürgergeld-Empfänger) und trieb diese in ihren Texten auch gerne mal auf die Spitze – und manchmal auch darüber hinaus. Aber gerade das gefiel dem nicht allzu großen Publikum offensichtlich besonders gut.
Über den reinen Unterhaltungswert hinaus gab die Künstlerin auch etliches Wissenswertes und Interessantes an die Besucher weiter. So berichtete sie etwa von vielen Begriffen aus der längst vergangenen „Märchenzeit“, die heute meist nicht mehr geläufig sind. Wer weiß denn schon noch, dass der schnöde Feldsalat früher Rapunzel hieß oder die gemeine Wegwarte heutzutage als Radicchio auf den Tellern landet?
Die Königin von Deutschland
Schwarz sprach an diesem Abend in geschickter Verbindung auch viele aktuelle Themen an, seien es nun vegane Ersatzprodukte oder die Klimarettung: Moderne Hexen würden inzwischen mit einem Saugroboter reisen, und der „Fliegende Teppich“ sei ja auch CO2-neutral.
Und zum Ende hin zeigte die facettenreiche Schwarz, die schon seit über 20 Jahren auf der Bühne steht und nun zum zweiten Mal in der Kammgarn gastierte, ihre parodistische Seite und fragte sich und das Publikum, wie wohl eine Bewerbung für den Königinnen-Posten in Deutschland aussehen könnte. Und gab auch hier anschließend die Antwort, indem sie als Anwärterin für diesen Job Ex-Kanzlerin Angela Merkel mit herunterhängenden Mundwinkeln und passendem Sprachduktus nach allen Regeln der Darstellungskunst parodierte. Das Publikum war begeistert.