Kaiserslautern
Comedy in der Kammgarn: Mit Stärken und Schwächen
Frank und frei gesteht Sara Karas ein, dass ihr Selbstbewusstsein nicht das stärkste ist und dass sie schlecht Nein sagen kann. Aber Gott sei Dank liefert ja Gott Google genug Selbstfindungshilfen, womit sich vielleicht so ein eher schwaches Ego aufbauen lassen kann. So ganz geklappt hat’s dann aber scheinbar bei der armen Sara Karas doch nicht. Denn Videos etwa über „Lachyoga“ oder „geführte Affirmation mit Panflötenunterstützung“ haben bei ihr weniger eingeschlagen. Sondern vielmehr ihre Lachmuskeln strapaziert.
Auch Sätze wie „Ich bin ich“, „Ich bin schlau“ oder „Ich bin reich“ haben ihr nicht wirklich geholfen. Ein Blind Date namens „Angelo“ hat sie dann noch ein eher südländisches Temperament erwarten lassen, am Ende aber war’s dann doch nur ein Bauernbub mit Pickeln. Sara Karas überzeugt alles in allem mit menschlichem und warmem Humor, den sie zurückhaltend und sympathisch von der Bühne bringt.
Witze aus dem Erzieheralltag
Dem in nichts nach steht Timur Turga, der nach einer Augenerkrankung mit 16 leider langsam erblindet ist. Zuvor aber fing er noch eine Ausbildung zum Erzieher an. Und was er als männliche Ausgabe dieser Gattung so erlebt hat, war im Kasino auch für etliche laute Lacher gut. Seine schwache Sehkraft fanden letztlich nur die Kinder gut, die „fast noch das Klettergerüst angezündet“ haben. Er kann nur sehen, was sich bewegt, meint Turga, ganz wie T. Rex in „Jurassic Park“. Und einmal sei er mit eine Gruppe Kinder weggegangen und mit einer Gruppe chinesischer Touristen zurückgekommen.
Einem gegenüber männlichen Erziehern skeptischen Vater habe er gesagt: „Ich arbeite hier nicht, ich bin auf der Jagd. Und nachts komm ich her und rieche an den Hausschuhen der Kleinen.“ Ein wirklich trefflicher Auftritt mit satirischen Qualitäten.
Unglaubliches Landstuhl und Rockenhausen
Falk Schug war wohl schon mal im Lauterer „Zack Zack“ und versuchte jetzt herauszufinden „Wie Assi die Kaiserslauterer so sind“. Ansonsten neigte er allerdings selbst zum leicht zotigen Humor, was man vielleicht mögen kann.
Mit Zoten kannte sich denn auch Moderator Ben Schafmeister aus, der’s gerne mit „Ficken“, „Bumsen“ oder „Stechern“ hat. Aber solcherlei scheint ja in der deutschen Comedy Standard zu sein. Ansonsten biss er sich recht lustig an den Gästen Jutta und Werner aus den vorderen Reihen fest, die er über die gesamte Show immer mal wieder durch den Kakao zog. Und dass es bei uns Orte wie Rockenhausen oder Landstuhl gibt, das wollte er erst gar nicht glauben.
Sie hatte etwa mit Sara Karas und Timur Turga echte Stärken und halt auch ein paar Schwächen, diese Ausgabe von „NightWash“ in der Kammgarn.