Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Coldplay-Tribute im Congress Center

Hier beim Burgsommer Neuleiningen: die Coldplay-Tributeband Viva la Vida.
Hier beim Burgsommer Neuleiningen: die Coldplay-Tributeband Viva la Vida.

Die angeblich beste Coldplay-Tributeband lockte am Freitagabend über 500 Besucher ins Ramsteiner Congress Center. Die Songs des britischen Quartetts, einer der mit 80 Millionen Tonträgern weltweit erfolgreichsten Bands der 2000er Jahre, geben die vier Hannoveraner, laut Werbung, so authentisch und voller Enthusiasmus wie niemand sonst wieder. Eine Lichtshow war bei dem zweieinhalbstündigen Stehkonzert auch dabei.

Staatstragende Musik erklingt. Fast wie eine Beethoven-Sinfonie. Gleißendes Rotlicht flimmert. Endlich entern die vier Musiker die Bühne. Mit kreischenden Ovationen werden sie begrüßt. Die ersten Titel jedoch lassen an einen Kindergeburtstag erinnern, bei dem die Eltern aber mal wirklich so alle Register ziehen wollen. So gut wie nichts erinnert an die alten Coldplay.

Schon die ersten Songs, „Hurts Like Heaven“ aus dem 2011er Album „Mylo Xyloto“, „Yellow und „In My Place“ präsentieren sich als harmlose Balladen mit lediglich zwei Akkorden. Und immer wieder dieser glatte Synthesizer-Pop-Sound mit seinem Stampfbeat. Der Sänger Hannes Hergenröder lässt den Weltschmerz des heimatlosen Cowboys, die Ruhelosigkeit des Außenseiters und die Rauflust des Macho-Rebellen anklingen. Mit nasaler, schläfriger Stimme, in der gehörig viel Wehmut mitschwingt, singt er wie ein rührend ungelenker Laienprediger, der sich nur durch den Hintereingang in den Honky-Tonk-Himmel traut. So ist er genau der Typ der quälenden Herzeleid-Ballade.

Bombastischer Soundbrei

Dazu liefern Erik Biscalchin am Bass und Bastian Kilper am Schlagzeug einen bombastischen Soundbrei. Während Biscalchin die vier Saiten quält, dass der Fußboden vibriert, weiß Kilper die Emotionalität und die kommunikative Kraft des Rock mit der Beweglichkeit und Vielschichtigkeit des Jazz zu verbinden. Der Gitarrist Alex Beham hingegen ist in diesem Bombast kaum zu verstehen, und wenn, dann rührt er in den süßen Balladen herum wie in einer Küchenmaschine.

Auch Titel wie „Violet Hill“, „Paradise“ und „Green Eyes“ sind eingängig und kantenarm. Die Melodien bestehen aus wenigen Tönen, die sich immer wieder erneuern und sich höchstens minimal verändern. Da kommt wenig Stimmung auf. Auch nicht, wenn die Besucher aufgefordert werden, die Arme im Takt der Musik hochzuwerfen. Oder wenn sich das Quartett mitten unter die Fans auf ein kleines Podest begibt. Selbst die gleißenden Scheinwerfer lassen das Stimmungsbarometer nicht ansteigen. Hergenröders larmoyantes Lamento klingt, als stünde Weihnachten vor der Tür. Uninspiriert und blutleer.

Strafpredigt in der Pause?

Am Ende ist man etwas ratlos. Auch etliche Besucher, die sogar teilweise eine Stunde Fahrt auf sich nahmen, sind von der Vorstellung der Band nicht gerade angetan.

Die Stimmung wandelt sich aber nach der Pause. Bei Titeln wie „Clocks“ oder „The Scientist“ tänzeln Sänger und Gitarrist fast wie Mick Jagger von den Rolling Stones. Zu „Clocks“ steigt Hergenröder auf das Piano und malträtiert die Tasten. Seine facettenreiche Gospelstimme schwelgt dazu in Liebeslyrik, klagt in schleppenden Molltönen über Untreue, jubiliert im Falsett aus Freude am Leben und zerröchelt in Zerknirschung und Reue. Zum Pausentee muss es eine Strafpredigt gegeben haben. Auf Angriff ist jetzt die Band gestimmt.

Den richtigen Ton gefunden

Zu „Higher Power“ lässt der Drummer sein Spielgerät explodieren, die grellen Scheinwerfer zucken, die Fans klatschen im Rhythmus der Musik, und die Besucher singen den Text Wort für Wort mit, während Hannes Hergenröder Salto schlägt. Als wunderbare Ballade entpuppt sich „Fix You“, ein Lied über Durchhaltevermögen im Angesicht von Schmerz, Verlust und Angst, das Trost spendet für jemanden, der eine schwierige Zeit durchgemacht hat. Einer der schönsten Songs des Abends. Und der Sänger findet dazu auch den richtigen, einfühlsamen Ton.

Gegen Ende des Konzerts singen fast alle Besucher mit. Richtig laut und fröhlich wird es schließlich mit „Sky Full Of Stars“. Das zündet mit dem ersten Akkord. Aber dann ist Schluss. Das Beste aber kommt noch mit der zweiten Zugabe, die die Zuhörer mit Ovationen herausfordern: „Viva La Vida“ (Lebe das Leben), dieser Grammy-ausgezeichnete Song, wird die meisten Besucher vermutlich noch tagelang begleiten.

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