Kaiserslautern
Cold as Ice: Foreigner-Tribute auf hohem Niveau
Damit die Darbietung im rappelvollen Haus an der Eselsfürth über mehr als zwei Stunden hinweg auf diesem Level wirken konnte, waren drei Voraussetzungen nötig: eine solide Repertoire-Basis durch Songs aus dem Fundus der weltweit erfolgreichen britisch-amerikanischen Rockband Foreigner, ein knackiges Wohlfühl-Ambiente für die Musiker und das Publikum durch die optische und technische Modernisierung des Hauses insbesondere in Sachen Show-Equipment und Veranstaltungstechnik der Fall war.
Erfahrene Instrumentalisten
Nicht zuletzt aber braucht eine Formation, die all die Songs der Star-Band (bisher über 80 Millionen verkaufte Tonträger) sauber durch die Anlage bringen will, fähige und erfahrene Mitglieder. Auch hinter diese Voraussetzung darf man ein Häkchen setzen: Fast alle Instrumentalisten der Tribute-Formation sind bereits in und um Kaiserslautern aufgetreten, als die Band Foreigner besonders in den 80er Jahren ihre Blütezeit erlebte. Später sind sie dann Berufsmusiker geworden oder als passionierte musikalische Amateure im besten Wortsinne Liebhaber geblieben.
Beides führt dazu, dass die seit neun Jahren bestehende Lauterer Tribute-Band Welthits der großen Vorbilder wie „Urgent“, „I Want to Know What Love Is“ oder das ihnen ihren Namen gebende „Cold as Ice“ rein technisch extrem nah am Original und interpretatorisch dennoch mit einer aus persönlichem Engagement, einiger Bewunderung und unverkennbarer Spielfreude genährten eigenen Note spielen. Insofern ist die Gruppe in der Tat mehr engagierte Tribute- als bloße Cover-Band.
Überraschungsmomente
Im Irish House entfaltete sich an jenem Abend aus alledem ein Konzert mit einigen Schau- und Überraschungsmomenten. So präsentierte man etwa auch (sogar von Foreigner selbst) seltener live gespielte Stücke wie „Luanne“ und „Feels like the First Time“, und auf der trotz des Andrangs noch vorhandenen kleinen Fläche vor der Bühne wurde von Anfang an ausgiebig getanzt, unmittelbar drumherum die Liedtexte oft laut und auswendig mitgesungen. Trotzdem wurde die aktuelle Situation nicht vergessen: Ein Teil der Getränke-Einnahmen des Abends und erbetene Spenden sind für die Ukraine bestimmt.
Die nicht nur vom schmucken Holzofen neben der Bühne angeheizte Atmosphäre erlebte immer dann einen Höhepunkt, wenn die Akteure zu ausgedehnten Soli ansetzten. Dazu gehörten insbesondere die eruptiven, strahlenden Passagen von Saxophonist Helmut Engelhardt. Zwischen „That Was Yesterday“ und „Juke Box Hero“ zelebrierte später George Dusemond ein fulminantes Schlagzeugsolo, gefolgt von einem kurzen, aber eindrücklichen Saiten-Fight zwischen Bassist Harald Schindler und Gitarrist Christian Brenk.
Die Antreiber
Eine Klasse für sich waren Keyboarder Thomas Nitschke und die beiden Background-Sängerinnen Carola und Melina Wagner (die Dritte in der Riege, Melanie Hahn, fehlte an diesem Abend), die eher zurückhaltend, aber stets als tragfähige Stütze und zugleich zündenden Antrieben in den anspruchsvollen, live fordernden Rock-Klassikern agierten. Leadsänger Thomas Wagner, ohnehin agiles vokales Aushängeschild der Band, übernahm auch die launige Moderation, schäkerte mit dem Publikum, gab dem Sound eben mit am meisten den originalnahen Touch.
So hielt sich denn die Stimmung den ganzen Abend über auf dem Niveau des Konzerts selbst, auf einem ziemlich hohen Niveau. Und ganz am Schluss, eine Minute nach der zweiten Zugabe, schenkte Dusemond einer erst recht begeisterten Zuhörerin noch seine Drumsticks. Mehr Publikumsnähe geht nicht. „Cold as Ice“? An diesem Abend eher „Hot as Fire“.