Kaiserslautern Café Schäfer schließt am Sonntag
Der Bännjerrück ohne sein Café Schäfer: Wie soll das gehen? Seit Anfang der Woche steht fest, dass das weit über den Stadtteil hinaus bekannte und beliebte Café zum Monatsende schließt. Der traditionelle Treffpunkt nicht nur fürs Kaffeestündchen ist bloß noch in dieser Woche geöffnet. Nur noch ein einziges Mal gibt es ein Sonntagsfrühstück in der Leipziger Straße 17.
Die Stammkunden sind betrübt, manche dachten zunächst an einen Aprilscherz. Viele seien richtig traurig, schildert Roswitha Schäfer von der Geschäftsleitung. Die Bäckerei zu schließen habe schon länger im Raum gestanden. Sie hätten aber davon Abstand genommen, weil sie entgegen der geltenden Praxis dann im Café fürs Frühstück nicht mehr die eigenen Brötchen und ihr Brot hätten anbieten können. 70 bis 80 Torten verkauft Hinter dem Entschluss, das 1957 von Theo und Emmi Schäfer gegründete Café komplett zu schließen, das seit 1964 auf dem Bännjerrück beheimatet ist, steht nicht mehr und nicht weniger als ein akuter Mangel an kompetentem Fachpersonal. Inhaber Thomas Schäfer hatte das Café vor 22 Jahren von seinen Eltern übernommen. Heute, so schildert es Roswitha Schäfer, stehe er praktisch rund um die Uhr im Geschäft. „Wir hatten einen guten Konditor eingestellt, aus Krankheitsgründen konnte er nicht mehr weitermachen.“ Frust klingt durch, wenn sie erzählt, wie sie trotz intensivster Suche nach Fachkräften, die das Konditorhandwerk noch können, nicht fündig geworden seien. „Der Chef und ein Konditor schaffen einfach nicht mehr, was sonst vier Leute machen“, beschreibt Roswitha Schäfer das Dilemma, das schließlich dazu geführt hat, den Betrieb kurzfristig komplett zu schließen. Schon die 70 bis 80 Kuchen und Torten vorzubereiten, die an einem einzigen Wochenende über die Theke gehen, ist alles andere als eine Kleinigkeit. Die weitaus beliebteste Torte in einer riesigen Auswahl an Obst-, Sahne- und Schokoladetorten, ist die SchwarzwälderKirschtorte, traditionell mit Marzipan, aber auch ohne. Acht komplette Exemplare für ein einziges Wochenende waren all die Jahre die Regel. Ein Sonntagsfrühstück im Café Schäfer hatte ohne Voranmeldung nicht die geringste Chance. Längst kommt die Stammkundschaft nämlich nicht nur aus dem Stadtteil oder der Innenstadt auf den Bännjerrück. Die Frühstücksgruppe aus Weilerbach sei kein Einzelfall, berichtet Roswitha Schäfer von vielen Gästen aus dem Landkreis. Was diese Beliebtheit ausmacht? Es gebe halt alles frisch, sagt sie und nennt Beispiele: Äpfel von Hand geschält, Eier von Hand getrennt, Pudding selbst gekocht und alles natürlich ohneGeschmacksverstärker. Irgendwelche Fertigprodukte haben in diesem Betrieb nichts verloren. Aus diesem Grund war ja auch der Gedanke, zunächst nur die Backstube aufzugeben, nur ganz kurz aktuell. „Wir haben nie raushängen lassen, dass uns das zu viel wird“, schildert Roswitha Schäfer. Der ursprünglich geplante langsame Abschied zum Jahresende komme jetzt für viele abrupt. Einzelne Kunden hätten kein Verständnis dafür, dass das Café so kurzfristig schließt, andere hätten regelrecht Panik. Sie kauften Torten und sogar Brot auf Vorrat und zum Einfrieren. „Wo geht ihr jetzt hin zum Kaffeetrinken?“ Diese Frage war gestern Vormittag im Geschäft häufig zu hören. Die Vorbestellungen für Torten und Kuchen, die in diesen Tagen verstärkt eingehen, können Bäcker und Konditor unter Umständen nicht mehr alle abarbeiten. „Es könnte eng werden, wenn es zu viele sind“, erklärt Roswitha Schäfer. Gebacken und aufgetischt werde aber noch bis einschließlich Sonntag, versichert sie. Bis dahin können die Leute, die ihr Café Schäfer über die Jahre mehr als nur schätzen gelernt haben, dort auch noch das besondere 60er-Jahre-Flair der Räumlichkeiten genießen. Eine Erneuerung habe nie zur Diskussion gestanden, erklärt Roswitha Schäfer. Die Kunden hätten das Café so geliebt, wie es ist. Höchstens, dass sie die Stühle frisch bezogen haben. Überhaupt sei die Tradition im Café Schäfer immer groß geschrieben worden, Firmen, Lieferanten und das Personal seien lange beibehalten worden. „Sie haben uns immer zur Seite gestanden, gingen mit uns durch dick und dünn – da fällt der Abschied besonders schwer.“ Ein Geschäft aus Personalgründen aufgeben zu müssen, das so gut funktioniert und bei der Kundschaft hoch geschätzt wird, findet Roswitha Schäfer einfach „ein bisschen schade“. Aber irgendwann sei die Kraft nicht mehr da, für den Betrieb immer wieder neues Personal anzulernen.