Kaiserslautern
Bundespolizei warnt vor Starkstrom und vorm Monster-Fangen an der Bahnstrecke
Auf einen Waggon klettern, um dort mit toller Aussicht ein Selfie von sich zu machen, das ist alles andere als eine gute Idee. „Die ,Vorsicht Hochspannung’-Schilder an Bahnstrecken gibt es aus einem guten Grund“, unterstreicht Stefan Heina, Präventionsbeamter der Bundespolizei Kaiserslautern. Selbst wenn die Waggons veraltet und ausgemustert aussehen: „Wenn Oberleitungen in der Nähe sind, gilt erhöhte Vorsicht.“ Denn die Stromleitungen seien nur selten abgeschaltet, „vielleicht mal für Bauarbeiten, aber ansonsten fließt grundsätzlich Strom“. Etwa einmal im Jahr gebe es im Zuständigkeitsbereich der Bundespolizeiinspektion Kaiserslautern, deren Gebiet etwa die ganze Pfalz umfasst, einen Stromunfall.
Vielen – vor allem jungen – Menschen fehle das Gefahrenbewusstsein. Heina berichtet von einer Hochzeitsgesellschaft, die auf der Jagd nach einem ausgefallenen Erinnerungsfoto im Gleisbett einer Bahnstrecke unterwegs war. „Die sind davon ausgegangen, dass die Strecke nicht befahren ist. War sie aber.“ Ebenfalls sei oft trügerisch, den Fahrplan vermeintlich zu kennen und die Gleise zu betreten, weil erst in einer halben Stunde der nächste Zug komme. „Es gibt auch Züge, die unplanmäßig fahren, weil sie vielleicht umgeleitet wurden.“
Stehende Züge und Waggons seien beliebte Fotomotive – dabei hat niemand etwas auf einem Bahngelände verloren, der dort nicht arbeitet. Wer erwischt wird, müsse mit einer Ordnungswidrigkeitenanzeige und einem Bußgeld rechnen – laut Heina bis zu 5000 Euro.
Gefahren entlang von Bahnlinien
Selbst entlang von Bahnlinien tauchten immer wieder Menschen direkt an den Gleisen auf, erzählt Sascha Blumacher, bei der Bundespolizei zuständig für Pressearbeit. Eine Zeit lang seien gern Geocaching-Schätze im Bereich von Bahngleisen und Böschungen versteckt worden, oder sogar Pokémon-Go-Monster gefangen worden. Bei dem Handyspiel gilt es an bestimmten Orten der realen Welt virtuelle Wesen zu fangen. Melde ein Lokführer „Personen am oder im Gleis“ werde die Strecke gesperrt und die Bundespolizei rücke umgehend aus. Heina: „Das ist für Lokführer eine prägende Situation, schon ohne einen möglichen Unfall.“
Ein „Klassiker“ für die Bundespolizei seien auch Kinder an Bahnstrecken, die Steine oder Münzen auf die Schienen legen. „Die können wie ein Geschoss weggeschleudert werden“, erklärt Blumacher, zudem sei nicht abzusehen, welche Flugbahn „das Geschoss“ wähle. Immer wieder komme es deswegen zu Verletzungen. Werfen die Kinder stattdessen mit Steinen auf vorbeifahrende Züge, „ist das ein gefährlicher Eingriff in den Bahnbetrieb und eine Straftat“, so Blumacher.
Immer wieder werde die Geschwindigkeit von herannahenden Zügen unterschätzt. Ein voll beladener Güterzug könne bei einer Gefahrenbremsung schon einmal einen Bremsweg von bis zu einem Kilometer haben, verdeutlicht Heina die Gefahr: „Und Züge können nicht ausweichen, sie erfassen alles, was sich ihnen in den Weg stellt.“
Gefahren an Bahnübergängen
Das sollte man an Bahnübergängen im Hinterkopf haben. Gibt’s keine Schranken, mache der Zug mit einem Warnsignal auf sich aufmerksam: „Im Auto Scheibe runter, Radio aus“, rät Heina, „und als Fußgänger die Kopfhörer ab.“ Gerade bei schlechter Sicht durch Nebel oder durch viele Bäume und Hecken entlang der Strecke. „Manche neuen Züge sind sehr leise, die hört man oft nur noch beim direkten Vorbeifahren oder Bremsen“, berichtet Heina von seinen Beobachtungen. Ebenso wichtig an Bahnübergängen: Sind die Schranken unten, nicht noch versuchen, schnell durchzukommen – ob zu Fuß oder mit dem Auto. Die Schranken seien so eingestellt, dass sie maximale Sicherheit böten, was im Zweifel eher zu lange als zu kurze Schließungen bedeute.
Gefahren an Bahnhöfen
Selbst an Bahnhöfen lauern Gefahren, wenn man sich nicht richtig verhält, wie Blumacher und Heina im Dienst mehrfach selbst erlebt haben. Dabei reiche die Bandbreite von Mutproben (mal schnell vom Bahnsteig ins Gleisbett springen und wieder raus) und Abkürzungen (über mehrere Gleise hinweg laufen) bis hin zu „mal eben schnell den vom Bahnsteig gefallenen Koffer hochholen“. Heina: „Das kann lebensgefährlich werden, wenn man stolpert oder nicht schnell genug den Bahnsteig hochklettert.“ An etlichen Bahnhöfen gibt’s nämlich durchfahrende Züge mit stattlicher Geschwindigkeit – und entsprechendem Bremsweg. Fällt etwas ins Gleisbett, sollte man möglichst zügig einen Bahnmitarbeiter ansprechen, der helfe weiter.
Als letzten Hinweis gibt Heina noch mit auf den Weg, am Bahnsteig in Richtung Gleise vor der weißen Linie zu bleiben. Das sei an vielen Bahnhaltepunkten und Bahnhöfen für blinde (durch die Rillen) und sehende Bahnfahrer eine gute Orientierung.