Gästebuch
Buchautorin Katrin Tempel liebt Pferde und schreibt auch gerne über sie
Katrin Tempel, 1967 in Düsseldorf geboren, in München aufgewachsen und mittlerweile in der Pfalz lebend, ist zweifellos eine Autorin, deren Kreativität keine Grenzen zu kennen scheint. Fast jährlich produziert sie neue Bücher. Und das bereits seit 2005. Zuerst unter ihrem Geburtsnamen Katrin Kaiser, mit dem sie ihre ersten Geschichten von historischen Pferden und ereignisreichen Pferdekliniken veröffentlichte. Wenige Jahre später fand sie mit Piper und Carlsen zwei renommierte Verlagshäuser, in denen sie ihren literarischen Ideen-Horizont erweitern konnte.
Und so erforschte die Wahl-Bad-Dürkheimerin unter dem Pseudonym „Emma Temple“ die exotischen Kulturen und Traditionen Neuseelands und tauchte unter ihrem echten bürgerlichen Namen, Katrin Tempel, tief in die europäische Historie, zwischen Liebe, Kriege und Mysterien ein – mit oft wahren Begebenheiten und fiktionalen Charakteren. Geschichten, die sie in erfolgreichen Romanen wie „Holunderliebe“, „Das Novembermädchen“ oder „Über dem Meer die Freiheit“ festhielt. Letzteres ist übrigens ihr persönliches Lieblingswerk.
Die „Wilde Horde“-Jugendbuchreihe startete 2018
Doch die Autorin – privat eine leidenschaftliche Reiterin – sehnte sich irgendwann auch literarisch nach dem „Glück auf dem Rücken der Pferde“ zurück. Und so entstand 2018 die „Wilde Horde“-Jugendbuchreihe. Sie dreht sich um die junge Zaz, die ihre Ferien in der Pension ihrer Oma am Waldrand verbringt und dort gemeinsam mit ihren vier Freunden und ihrem Pferd Abenteuer erlebt und Geheimnisse aufdeckt. Drei Bücher sind es mittlerweile geworden, zuletzt erschienen ist „Seelenpferde“, 2020.
Während einer Zugfahrt schreibt Tempel am liebsten, und sie kann durchaus mal selbst gerührt sein von ihren eigenen Geschichten. Was ihr persönlich mehr Spaß macht – die Erwachsenen- oder die Jugendgeschichten? „Beides. Beziehungsweise der Wechsel. Bei den Kinderbüchern muss ich sehr viel präziser und genauer sein und gleichzeitig schauen, dass ich die Sprache interessant und abwechslungsreich halte, aber nicht zu kompliziert werde. Bei den Erwachsenenbüchern freue ich mich hin und wieder, wenn ich Worte wie ,töricht' einbasteln darf.“
„Wunderbarerweise“ gibt es keine Smartphones
Hinzu kommt, dass es in ihren historischen Erwachsenenromanen „wunderbarerweise“ keine Smartphones oder andere moderne Medien gibt. „Das heißt, die Charaktere können parallel voneinander Dinge tun, ohne dass die anderen wissen, was sie tun. Das finde ich klasse. In meinen Kinderbüchern muss ich immer diese blöden Handys beachten. Deshalb habe ich bei der ,Horde' eingeführt, dass es in diesem Wald keine Handys gibt, weil es keinen Empfang gibt.“ Schließlich ist das die Macht einer Autorin: „Alles, von dem ich will, dass es passiert, passiert auch. Und umgekehrt. Wenn ich will, dass das Pferd fliegt, dann lasse ich es fliegen. Das ist das, was ich so sehr am Bücherschreiben genieße. Im Gegensatz zum Journalismus, wo alles immer faktisch sein sollte.“ Geflogen ist bei der „Wilden Horde“ aber bisher noch kein Pferd ...
Doch woher rührt die immer noch beständige Liebe zu Pferden und vor allem zu Pferdegeschichten – gerade bei Mädchen? „Das Rätsel versuchen alle seit Jahrzehnten zu lösen. Ich glaube, es die Faszination für dieses große Tier, das man trotzdem auch als zehnjähriges Kind beherrschen kann. Kinder sind ja sonst selten so ermächtigt in dem, was sie tun. Es geht aber auch um das Miteinander mit dem großen Freund, der zuhört.“
Hoffen auf Teil vier der „Wilden Horde“
Und diese Faszination wird wohl so schnell nicht abreißen. Früher waren es die „Wendy“-Zeitschriften, heute sind es die „Ostwind“-Filme – und „Wilde Horde“-Bücher. Ganz nebenbei: Die Pferde in dem Buch gibt es alle im wahren Leben wirklich – sie heißen nur manchmal anders.
Die treusten „Wilde Horde“-Leser schreiben der Autorin „unglaublich viele Briefe“, mit teilweise kreativen Theorien für einige ungelöste Rätsel in den Geschichten. Und sie alle hoffen nach wie vor auf einen vierten Teil der Reihe. Den wird es jedoch vorerst nicht geben, sagt Tempel. Aktuell geht es erst mal wieder in die Erwachsenenwelt, mit einer Trilogie für Piper über ein Zeitungshaus in Berlin von 1920 bis 1950. „Dafür brauche ich noch 1200 Seiten“, verrät die Autorin. Eines ist also jetzt schon sicher: Die Ideen gehen Katrin Tempel so schnell nicht aus. Ob nun für Erwachsenenromane oder Jugendbücher.