Kaiserslautern Blutkreislauf führt über Hagen

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Geschlossenes System: Das Blut von Jörg Keller fließt in einen Beutel ...

Welchen Weg legt gespendetes Blut zurück, ehe es wieder zum Einsatz kommen kann? Er führt zum Beispiel von Ramstein über Hagen nach Landstuhl.

An Sebastian Wolf kommt an diesem Tag keiner vorbei. Der Bereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Ramstein sitzt an einem Tisch, an dem sich alle Personen anmelden müssen, die heute hier ihr Blut spenden möchten. „Jeder wird erfasst“, erläutert Wolf das Prozedere. Erstspender müssen Name und Adresse angeben, bei bereits bekannten Blutspendern wird nur kurz überprüft, ob alle Daten noch stimmen. Danach lässt der 37 Jahre alte Rotkreuzler die Spender einen Fragebogen ausfüllen und schickt sie zum Arzt. Erst wenn dieser sein Okay gibt, geht es ein Stockwerk tiefer in den Abnahmeraum.

Konserven werden dringend benötigt

Rund 40 Spender kommen durchschnittlich zu den Terminen im DRK-Heim Auf der Pirsch. Einer von ihnen ist diesmal Jörg Keller aus Steinwenden. Fünfmal schon hat der 45-Jährige Blut gespendet, heute lässt er sich zum sechsten Mal den Lebenssaft abzapfen. Da seine Frau Krankenschwester ist, weiß er, wie dringend Blutkonserven benötigt werden. Außerdem möchte er gerne „etwas für die Allgemeinheit tun“. Ohne großes Aufheben lässt er sich am Ohr ein paar Tropfen Blut abnehmen, die in einem kleinen Röhrchen aufgefangen werden. Diese Probe wird am nächsten Morgen ab 5 Uhr im Zentrum für Transfusionsmedizin in Hagen in Nordrhein-Westfalen auf mögliche Krankheiten untersucht, etwa auf Hepatitis A, B oder C und das HI-Virus. Erst wenn diese Tests negativ ausgefallen sind, kann sein Blut weiterverwendet werden. Für Keller selbst geht es aber so oder so nach dem kleinen Pieks auf die Liege, wo er für die eigentliche Blutabnahme vorbereitet wird.

3500 Spendenbeutel pro Nacht

Und dann läuft das Blut auch schon in den Kunststoffbeutel, auf dem nicht Kellers Name, sondern auf einem Etikett nur eine Nummer und ein Barcode stehen. Anhand dieser Kennung lassen sich alle Blutspenden exakt zuordnen und nachverfolgen. Von Ramstein führt ihr Weg am Abend erst einmal nach Bad Kreuznach, wie Florian Ruwwe, der Referent für Öffentlichkeitsarbeit des DRK-Blutspendedienstes West, mitteilt. „Die Blutbeutel werden hier vor Ort auf Kühlplatten gelegt und auf Zimmertemperatur, also 20 bis 24 Grad Celsius, heruntergekühlt.“ Dann geht es mit dem Lastwagen ins Zentrum für Transfusionsmedizin, wo die Spenden in ein größeres Fahrzeug umgeladen und weiter nach Hagen transportiert werden. Dort kommen bis 2 oder 3 Uhr nachts alle Blutspenden des Tages aus den drei Bundesländern Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Nordrhein-Westfalen an, für die der Blutspendedienst West zuständig ist. Rund 3500 Spendenbeutel sind das im Durchschnitt und das sei „wirklich das, was wir an Bedarf haben“, betont Ruwwe. Bei Hitze- oder Grippewellen würde es mit dieser Menge hingegen schon schwierig, alle Krankenhäuser zu bedienen.

Blut und Plasma werden in Zentrifugen getrennt

Eine dieser Kliniken, die von Hagen aus mit Blutkonserven versorgt werden, ist das Nardini Klinikum Landstuhl. „Wir benötigen monatlich mehr als 100 Blutkonserven, vor allem der Blutgruppen 0 und A“, sagt Pflegedirektor Thomas Frank, und das bei rund 940 Patienten, die im gleichen Zeitraum behandelt werden. Eingesetzt würden die Blutkonserven vor allem in den Fachbereichen Orthopädie und Innere Medizin sowie auf der Intensivstation. Um die Versorgung zu jeder Zeit sicherzustellen, habe das Haus einen gewissen Vorrat. Ehe das Blut der Spender aber wieder zum Beispiel in Landstuhl zum Einsatz kommt, wird es in Hagen aufbereitet. Zu allererst zentrifugieren die rund 80 Mitarbeiter des Labors die Konserven. „4000 g wirken da ein“, sagt Ruwwe. Nach circa 20 Minuten haben sich Blut und Plasma getrennt, aus einer Blutspende sind so bereits zwei Blutprodukte gewonnen worden. (siehe „Zur Sache“)

Immer gut kühlen

Während das Plasma innerhalb von 24 Stunden ab der Entnahme bei einer Kerntemperatur von Minus 30 Grad Celsius tiefgefroren sein muss, halten sich die übrig bleibenden Blutkonzentrate auch bei etwas höheren Temperaturen im einstelligen Plusbereich. Dennoch werden alle Konserven in Fahrzeugen transportiert, in denen sie gekühlt werden können. Ab dem dritten Tag nach der Spende stehen die Präparate den Krankenhäusern zur Verfügung, sagt Ruwwe. Auch Jörg Kellers Blut wird in diesen Kreislauf fließen. Wo genau sein Blut zum Einsatz kommt, weiß der Steinwendener zwar nicht. Aber dass ein Patient im Südwesten von seiner Spendenbereitschaft profitiert, ist sehr wahrscheinlich. Denn „fast alles, was in Rheinland-Pfalz und dem Saarland gewonnen wird, kommt auch wieder zurück“, weiß Ruwwe. Nur in Notfällen, etwa Unfällen mit mehreren Schwerverletzten, beliefere der Blutspendedienst West auch andere Regionen.

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... der gekühlt transportiert und im Labor in Hagen weiterverarbeitet wird. Dabei sind die Beutel so konzipiert, dass sie auch für das Zentrifugieren nicht geöffnet werden müssen. So wird das Risiko für Verunreinigungen minimiert.
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