Kaiserslautern Blumen, Pilze, Fleischkäse

Die RHEINPFALZ-Wandergruppe bahnt sich ihren Weg durch den Wald nördlich der Stadt.
Die RHEINPFALZ-Wandergruppe bahnt sich ihren Weg durch den Wald nördlich der Stadt.

Der Himmel weiß-blau, die Temperaturen angenehm: besser hätte Petrus für die Wanderung zum Abschluss der RHEINPFALZ-Sommertouren nicht sorgen können. Knapp 100 Wanderer hatten sich gestern Vormittag am Parkplatz beim Freibad Waschmühle eingefunden, um unter dem Motto „Mit der RHEINPFALZ unterwegs“ den Wald nördlich der Stadt zu erkunden. Heinz Baumann, Vorsitzender der Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins (PWV), hatte die Strecke ausgesucht und übernahm zum zweiten Mal die Führung der RHEINPFALZ-Wanderung.

Ob Slipper, Sandalen oder Wanderstiefel, Handtäschchen oder Rucksack – gut gelaunt haben sich größtenteils ältere Semester um 9.30 Uhr eingefunden. Hans-Joachim Redzimski, Leiter der Lokalredaktion Kaiserslautern, freut sich in seiner kurzen Begrüßung über die zahlreichen Wanderlustigen. „Es gibt heute eine Premiere“, kündigt er an: Zum ersten Mal werde der Wald nördlich der Stadt erkundet, nicht, wie bisher üblich, der südliche Wald. „Zum Humbergturm ist jeder schon einmal gelaufen“, erklärt Baumann, warum er sich dazu entschieden hat, dieses Mal im Norden der Stadt unterwegs zu sein. Kurz schildert er den Verlauf der Strecke. „Drei Bäume liegen quer über dem Weg, da kann man aber drüber steigen“, gibt Baumann Entwarnung. „Gehn mer!“ Schon zum zweiten Mal dabei ist Arthur Bischoff, zusammen mit seiner Partnerin. „Letztes Jahr hat es uns gut gefallen, deshalb sind wir wieder dabei“, erzählt der 63-Jährige. Als Neubürger Kaiserslauterns hat Helmut Leppla zum ersten Mal für die RHEINPFALZ-Wanderung die Stiefel geschnürt. Leppla, der aus Niederkirchen stammt, ist dabei, die Waldgebiete rund um die Stadt zu erkunden. Lore Weiß aus der Umgebung von Ramstein ist schon jahrelang mit dabei. „Es ist immer schön“, erzählt sie. Durch den hohen Buchenwald geht es bergauf. Lore Müller schnuppert an einer Wildblume. Die 88-Jährige ist in Begleitung ihrer Tochter Elke Bechtel unterwegs. „Das sind hier die alten Wege, die wir immer mit unseren Freunden gegangen sind“, erzählt sie. Schon zum vierten Mal sei sie bei der RHEINPFALZ-Wanderung mit dabei. Baumann biegt ab. Hier sind schon die ersten Brombeeren reif und werden prompt von einigen Wanderern vernascht. Nach kurzer Überquerung der K9 Richtung Erlenbach geht es weiter. Nicht nur der Natur begegnet man hier, auch ein kaputtes Computergehäuse liegt am Wegesrand. Die Entsorgung über die nahegelegene ZAK wäre einfacher gewesen, meint Hartmut Riedlinger, der schon seit mehreren Jahren an der Wanderung teilnimmt. Am Abzweig Flickerstal wird der Weg schmal, dort geht’s im Gänsemarsch weiter. Im Vorbeigehen sind auf einer Wiese zwei Rehe zu sehen. Farne und Moos, aufgerichtete Baumwurzeln und quer liegende Stämme geben dem Weg einen urwüchsigen Charakter. Bald geht es unter der monumentalen Autobahnbrücke hindurch, von hinten winken über dem Wald die riesigen Flügel eines Windrades vom ZAK-Gelände. Ein kurzes Stück an der Landestraße bis zur Eselsfürth, dann kann man am Rotsandweg auf den blau-gelb markierten Weg abzweigen. Tief im Wald rauscht der Eselsbach. Ein Schilfgürtel deutet auf sumpfiges Gelände. Vorbei am Südende der Mülldeponie des ZAK ist es nicht mehr weit bis zum Schallbrunner Weiher. Hier darf bei Fleischkäsebrötchen, Kaffee und kalten Getränken Rast gemacht werden. Am mobilen Buffet der RHEINPFALZ lässt sich kein Wanderer lange bitten. „Etwa acht, neun Kilometer sind wir bis hier gelaufen“, sagt Baumann. Während auf den Bänken herzhaft geschmaust wird, bringen Müller und Bechtel einen ganzen Beutel voller Pilze, die sie unterwegs gesammelt haben. Steinpilze, Rotfuß- und Hexenröhrling – sogar ein Pfifferling ist dabei. „Ganz toll, was wir da gefunden haben“, freut sich Müller, die seit ihrer Kindheit mit dem Sammeln von Pilzen vertraut ist. Von einer Bank erklingt Musik. Willi Erfort hat seine Mundharmonika mitgebracht und stimmt ein paar Lieder aus seinem Repertoire an. „Ich kann 200 Lieder aus dem Kopf spielen“, sagt Erfort, der sich das Spielen selbst beigebracht hat. Erfrischt und in gemütlicherem Tempo geht es weiter durch den breiten Weg im Hagelgrund. Eine Schafherde lässt die Wanderer unbeeindruckt vorbeiziehen, auf den Tafeln des Naturwissenspfades Eselbachtal kann man Wissenswertes zur Geologie und Pflanzenwelt lesen. In der Sonne leuchtet das Gelb der Rainfarnblüte am Wegrand, während die hohen Bäume des Mischwaldes angenehmen Schatten spenden. Bald kommt das Volleyballfeld der Waschmühle in Sicht, wo die zwölf Kilometer lange Wanderung um 13 Uhr zu Ende geht. Mit 87 Jahren ist Heinrich Brinkmann die Tour flotten Schrittes mitgelaufen. „Gut, dass es noch so geht“, freut sich der Senior. Nächstes Jahr will er wieder mit dabei sein.

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