Kaiserslautern
Bluesfestival im Kulturzentrum Kammgarn Kaiserslautern: Keine Musik mehr für alte Männer
Herr Müller, es ist ja nun schon die 19. Ausgabe Ihres Festivals. Hätten Sie gedacht, dass es so viele werden?
Ja, ich war davon überzeugt, dass wir nach unserem Kammgarn International Jazzfestival ein international besetztes Bluesfestival etablieren können. Wir hatten ja schon immer Blues in den verschiedensten Stilrichtungen im Programm. Es ist übrigens das größte Bluesfestival in Rheinland-Pfalz und in die internationale Festivallandschaft bestens integriert.
Was waren die Höhepunkte in den 19 Ausgaben?
Ein absolutes Highlight war sicherlich der Auftritt von Beth Hart vor zwei Jahren – dem Topstar der Bluesszene. Ein Konzert, das bei mir noch heute nachwirkt. Aber auch die vielen Neuentdeckungen wie etwa die Blues Pills waren Highlights.
Wie hat sich das Festival künstlerisch entwickelt?
Der Blues hat sich in seinen Spielformen enorm entwickelt und ist mit seinen jungen Repräsentanten wieder frisch und innovativ. Das Festival ist bluesrockiger geworden und hat sich schon lange vom Image des Blues’ als Musik der alten Männer abgekoppelt. Wir repräsentieren die aktuelle internationale Bluesszene, und die zeichnet sich durch Offenheit gegenüber anderen Musikstilen aus – sicher ein Verdienst von Musikern wie Joe Bonamassa oder auch Hendrik Freischlader. Genauso lieben wir das: einen stetigen Wandel.
Sie deuteten es eben schon an: Der Blues hat sich stark weiterentwickelt. Was sind die Hauptcharakteristika dieses Wandels?
Zunächst hat der Blues sich wie gesagt stark verjüngt. Immer mehr junge Gitarristen entdecken diese Stilrichtung. Es sind die Gitarrenheros, die nun die Szene beherrschen. Aber die Themen sind immer noch die gleichen. Zum Beispiel die allgegenwärtige soziale Benachteiligung, Krieg, Trauer, Unterdrückung. Die Musik ist authentisch, hat sich aber zum Glück geöffnet. Die Wurzeln bleiben dabei allerdings erhalten.
Gibt es eine adäquate Entwicklung beim Bluespublikum?
Das Publikum wird immer jünger und ist eine sichere Zielgruppe. Ein Publikum, das ehrliche, geradlinige, authentische Musik liebt und sehr treu ist.
Kommen wir zu den Zahlen – wie stellen sich die finanzielle Seite des Festivals und der Publikumszuspruch dar?
Mit Hilfe unserer Sponsoren, der SWK und dem Kultusministerium, und eben dank des Publikumszuspruchs trägt sich das Festival finanziell. Die Besucherzahlen sind konstant hoch (2018 waren es 1300 Besucher, d. Red.). Unsere beiden internationalen Festivals sind für die Region von großer Bedeutung, will man nicht in der allgegenwärtigen Eventisierung versacken.
Was sind Ihre persönlichen Favoriten in diesem Jahr?
Ich war gerade in Seattle, im Museum der Popkultur. Dort gibt es eine Sonderausstellung über Jimi Hendrix, der ja in Seattle geboren ist. In dieser Ausstellung habe ich ein Plakat entdeckt, das auf eine Veranstaltung im Jahr 1968 in San Francisco hinweist: Es spielten die Jimi Hendrix Experience und John Mayall Bluesbreakers. Unglaublich! John Mayall, jetzt 85 Jahre, ist ein Topstar der weißen Bluesrock-Szene, Mitglied der Blues Hall of Fame! Wenn man sich in diesem harten Geschäft so lange und mit dieser Qualität hält, dann hat das meinen allergrößten Respekt. Ich freue mich am Samstag diese Legende zu treffen und ihm zuzuhören! Aber auch mit Walter Trout verbindet die Kammgarn eine Geschichte: Er hat vor Jahren bei unserem Festival todkrank seinen, wie alle dachten, letzten und einen ergreifenden Gig gespielt – nur noch sitzend, auf einem Case. Dann kam er, nach erfolgreicher Lebertransplantation, doch wieder und gab sein europaweit erstes Konzert bei unserem Festival. Das verbindet! Und Hendrik Freischlader, der wohl hellste Stern am deutschen Blueshimmel, ist immer ein Top-Act für mich.
Ich danke fürs Gespräch.
Infos
Kammgarn-Bluesfestival am 17. Oktober mit Big Daddy Wilson und Henrik Freischlader, am 18. Oktober mit Bad Temper Joe, Walter Trout, der Marc Amacher Band und Michael Hill sowie am 19. Oktober mit John Mayall, der Tin Pan Alley Bluesband sowie San2 & Sebastian; Beginn immer um 20 Uhr; Infos unter www.kammgarn.de; Karten im Vorverkauf und an der Abendkasse.