Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Blues Festival: Eidgenossen heizen den Fans in der Kammgarn ein

Voller Energie und Klanggewalt: Michael Oertel und seine Bandkollegen drücken dem traditionellen Blues mit Kreativität und beste
Voller Energie und Klanggewalt: Michael Oertel und seine Bandkollegen drücken dem traditionellen Blues mit Kreativität und bestem Handwerk ihren eigenen modernen Stempel auf.

In der Schweiz gibt es nicht nur Luxus-Uhren und Käse, auch die Musik hat einen hohen Stellenwert. Das bewiesen am Freitagabend beim Kammgarn Blues Festival nachdrücklich das Philipp Fankhauser Quintett und die Ellis Mano Band. Begeistern konnte aber auch das Michael Oertel Trio, das nicht allzu weit von der Eidgenossenschaft aus Freiburg kommt.

Eine Gitarre, so sanft, biegsam und schmiegsam, wie man ihr in jüngerer Zeit nur selten begegnet, spielt wohltuende Miniaturen. Jeder Ton ein kleines Fest. Michael Oertel, gerade im Jahr 2020 Preisträger des German Blues Award als „Best Guitar Player“, erklärt ihr mit den sanftesten Tönen seine Liebe. Die Gitarre ist sein Vehikel als Komponist, die Stimme, mit der der 33-Jährige seine Gefühle interpretiert. Die chromatischen Strukturen des Trios sind äußerst komplex, aber seine Melodien oftmals schmerzhaft einfach. Ohne jeden Hang zum Exhibitionismus.

So setzen Oertel und seine Band dem traditionellen Blues mit Kreativität und bestem Handwerk ihren eigenen modernen Stempel auf. Einflüsse legendärer Rockbands sind unverkennbar und diese Inspiration schlägt sich in ihrer Musik und der Vielfalt ihrer Klangfarben nieder. Sie ist eine Mischung aus Popmusik, gepaart mit filigranem Gitarrenspiel und leisen Songwriter-Elementen, serviert aber auch Rockmusik voller Energie und Klanggewalt. Dann misst Oertel das Griffbrett in magischem Tempo ab, dass die Finger nur so vibrieren und fliegen. Und wenn er mit Wah-Wah-Effekten laboriert, um die Musik elektronisch zu verfremden, und zusätzlich seine Gitarre mit hochdifferenzierten Jaul- und Überlagerungsklängen bearbeitet, dann meint man, Jimi Hendrix schaue um die Ecke.

Bestens begleitet wird der Freiburger von dem stoisch brodelnden Bassisten Mathiew Schmitt und dem Schlagzeuger Silas Benz, der seine komplizierten Schlagfolgen mit Rockmustern drapiert.

Wenn die Grooves dominieren

Mit einer Ballade beginnt auch das Philipp Fankhauser Quintett. Dargeboten mit großer Sensibilität und einer Vielfalt von Klangerzeugungstechniken. Und die haben die emotionale Kraft eines Kindes. Der Groove ist da, bleibt aber im Hintergrund versteckt. Aber dann geht’s zur Sache, dann dominieren die Grooves. Mike Gormans Hammond pumpt, der Bassist Andy Tolman und der Schlagzeuger Richard Spooner machen unglaublich Druck und gitarristisch verbeugt sich Marco Jencarelli tief vor Albert Collins. Sein Instrument klingt wie klirrendes Glas, er versteht es aber auch, es zum Singen zu bringen. Alles macht enorm viel Spaß, und schon beginnen die durch den Lockdown entwöhnten Fans wieder zu tanzen.

Fankhauser und seine Mannen machen ihnen aber auch die Hölle heiß. Der knallharte, soulgetränkte Blues reißt die Hörer mit. Immer wieder aber schiebt die Band eine wunderschöne Ballade ein. Und die handelt von ganz großen Gefühlen.

Wunderschöne, energiereiche Soli

Ein Berner Sänger sang einst: „Es chunnt haut äbe so wie’s chunnt u so wie’s chunnt, chunnt’s äbe guet.“ Philipp Fankhauser, in Thun geboren, wohnhaft im Emmental, bringt diese Weisheit direkt auf den Punkt: „Let Life Flow – lass das Leben fließen!“, singt der 57-Jährige und besticht nicht nur mit seiner angerauten Stimme, die alles beherrscht, sondern auch mit seinem trockenen Humor. Es ist seine emotionale Direktheit und jene ungekünstelte Intensität in seiner Stimme, die immer wieder staunen macht.

Ab und an greift Funkhauser auch zur Gitarre. Dann moduliert er wunderschöne, energiereiche Soli. Wenn sich dann noch Jencarelli einmischt und ihm den Fehdehandschuh vorwirft, dann machen sie dem Teufel die Hölle heiß. Wenn sie sich dann gegenseitig in vertikale Kunstfiguren hinaufschrauben und dabei harmonische Purzelbäume schlagen, ist jeder Ton am rechten Ort. Nicht enden wollender Applaus, zwei Zugaben.

Unerschöpflicher Melodienreichtum

Bis weit nach Mitternacht geht es im rappelvollen Cotton Club mit der Ellis Mano Band weiter. Und diese wackeren Eidgenossen zelebrieren einen brillanten Blues. Das Herz der Band bilden der Gitarrist Edis Mano (42) und der Sänger Chris Ellis (48). Rock mit einer bluesigen Grundierung spielen sie, geprägt von großem Respekt gegenüber der amerikanischen Musiktradition. Mano phrasiert flüssige Legato-Linien, denen er einen ungewöhnlichen Drive und Druck verpasst. Sein Melodienreichtum scheint unerschöpflich. Als vorzüglicher Vokalist trägt Chris Ellis in die Balladen Blues-Intensität hinein, und bei Tempo-Songs legt er all das, was an Seele und Herz in jedem Ton mitschwingt, in den Ausdruck hinein. Als Hörer lässt man sich fallen in hypnotische Rhythmen, hört den verschiedensten Schattierungen von Hammondorgel (Lukas Bosshardt), Bass (Severin Graf) und Schlagzeug (Nico Looser) zu und ist verzaubert.

Die Vier bringen die Fans zum Tanzen: Die Formation um Philipp Fankhauser reißt das Publikum mit knallhartem, soulgetränkten Blu
Die Vier bringen die Fans zum Tanzen: Die Formation um Philipp Fankhauser reißt das Publikum mit knallhartem, soulgetränkten Blues mit.
Das Philipp Fankhauser Quintett mit Marco Jencarelli, Hendrix Ackle, Richard Spooner und Andy Tolmann.
Das Philipp Fankhauser Quintett mit Marco Jencarelli, Hendrix Ackle, Richard Spooner und Andy Tolmann.
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