Ramstein RHEINPFALZ Plus Artikel Blechbläser-Consort Blech Pur begeistert im Congress Center

Die Sängerin und das Blech: Evelyn Heil.
Die Sängerin und das Blech: Evelyn Heil.

Blech Pur, das renommierte Westpfälzer Blechbläser-Consort konzertierte im Ramsteiner Congress Centrum am Sonntag. Erfreulich viele Hörer wollen das Konzert miterleben, was nicht nur, aber auch an einem Alleinstellungsmerkmal der Formation liegt.

Wer kennt es nicht, das Volks- und Kindermärchen der Gebrüder Grimm vom tapferen Schneiderlein, der mit einem Lappen sieben Fliegen auf einen Streich erlegte. Der künstlerische Leiter des Blechbläser-Ensembles Blech Pur, Bernd Jörg, schlug zwar keine Fliegen tot, widerlegte aber auch sieben Vorurteile und Bedenken in diesem begeisternden Konzert.

Nein, es ist keine Dicke-Backen-Musik, wie im Volksmund oftmals abfällig eingeschätzt. Im Gegenteil, es entstehen in der Besetzung mit vier Trompeten (mit Flügelhorn alternierend), Wald- und Tenorhorn, Posaunen und Bassposaune sowie Basstuben und Schlagzeug viele Klangfarben und dynamische Schattierungen, die man dem Instrumentarium nicht zutrauen würde. Sie befähigen zu einem großen stilistischen Streifzug vor allem durch die Musik des 20. Jahrhunderts. Zweitens besteht das Repertoire nicht aus gängiger, aber reduzierter Blasorchester-Literatur: Nach dem Vorbild des 1951 gegründeten Philip Jones Brass Ensembles entstanden viele solcher „blechernen“ Brass-Ensembles, und das erklärt die große stilistische Vielfalt an Bearbeitungen und Neukompositionen.

Blitzblanke Arrangements

Drittens erbrachten Bernd Jörg und seine Pultnachbarn den Nachweis, dass Musikschullehrer, idealistisch gestimmte semiprofessionelle und überregionale Musiker den Lockdown samt Zwangspausen oder Beschränkungen in Probe und Konzert oftmals besser überstanden haben als viele Berufsmusiker. So staunte man über die spieltechnische Solidität und Klasse des Ensembles sowie die blitzblanken Arrangements. Viertens zeigte sich einmal mehr, dass auch größere Ensembles keinen Dirigenten benötigen, nur einen Impulsgeber, wenn er sich so gut und flexibel integriert wie hier der Schlagzeuger Alexander Resch. Jörg zählt an, das Ensemble ist routiniert genug, jeweils das Tempo aufzunehmen und durchzuhalten. Das läuft alles mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks ab, da greift eine Stimme in die andere, stellt sich stets ein überaus hoher Standard ein.

Fünftens entsteht durch das Wechselspiel aus Tuttikollektiv und wechselnden Solisten Abwechslung, kommen neben dem Glanz der Trompeten wie die von Sandra Resch, Kristina Schier, Markus Rebehn und mit den hohen solistischen Kapriolen von Bernd Jörg auch die gewichtigen, tiefen und selten zu hörenden Vertreter auch solistisch zur Geltung: Der Tubist Ludwig Wenzel nutzte die Gunst der Stunde, um bei einer Ballade für die kleine Tochter des Komponisten Herbert Hornig den Nachweis zu erbringen, dass hier bis in die weich klingende Bariton- und Tenorlage melodische betörende Linien möglich sind und spielte mit nobler Tonkultur. Ebenso ist das Tenorhorn unterschätzt: Dirk Morgenstern interpretierte einen folkloristischen Titel bei diesem Querschnitt aus Klassik, Pop, Schlager und Chanson ebenfalls ausdrucks- und gefühlvoll, wirkte auch in der Tongebung sehr sicher und differenziert.

Gespielter Bierernst

Der sechste Coup bestand nun darin, dass Jörg in seiner humorig trockenen, gespielt bierernsten Moderation die größten Kalauer zusammengetragen hatte: Klischeehafte Musikerwitze und Anekdoten oder skurrile Beschreibungen von Instrumenten sowie fundierte Informationen über den zeitgeschichtlichen und biographischen Hintergrund lockerten die kunterbunte Programmfolge auf und enthielten auch einen Schuss entwaffnender Selbstironie. Der siebte und letzte Streich ist vielleicht der wichtigste und bildet das Alleinstellungsmerkmal bei der Vielzahl von Brass-Ensembles dieser Art wie London-, German- oder Canadian-Brass: Mit der mittlerweile zur Kultsängerin avancierenden Evelyn Heil hat Jörg für Blech pur eine Attraktion entdeckt, die weit mehr kann als ausgewählte Titel ausdrucksvoll zu interpretieren: Kantabler Schmelz und die Fähigkeit, immer den melodischen Nerv zu treffen, machen die Begabung dieser Sängerin aus, die diesmal vor allem legendäre Erfolgstitel von Zarah Leander und Hildegard Knef zum Erlebnis machte.

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