Kaiserslautern
Bissiger Hecht im Gelterswoog? Drei Menschen von Fischen verletzt
Ein Foto spricht Bände: Stolz posiert ein Mann auf einem Boot. Zieht nach Kräften einen Haken in die Höhe, an dem ein wahrlich dicker Fisch baumelt. „Hecht ist gefangen“, verkündet der Urheber. Ein weiteres Bild zeigt den erfolgreichen Fischer im Dunkeln im Wasser stehend, wie er den hochgestemmten Hecht in beiden Armen wiegt. Eine sichtlich schwere Last. Der Uferszenerie im Hintergrund nach zu urteilen, könnte die Aufnahme – sofern sie nicht mit elektronischen Hilfsmitteln zusammengezimmert ist – durchaus am Gelterswoog entstanden sei.
Aufgeploppt sind die Fotos in einem Facebook-Post, der Ende vergangener Woche – wohl am Freitagnachmittag – im Netz zu finden war, zumindest sichtbar für Mitglieder einer Gruppe. Nachprüfen lässt sich das nicht mehr; auch sind die imposant wirkenden Fotos nicht mehr zu bestaunen – der Beitrag wurde zwischenzeitlich gelöscht. Ein Screenshot liegt der RHEINPFALZ-Redaktion vor, ein Abdruck kommt allerdings aus rechtlichen Gründen nicht in Frage.
Paddlergilde warnt die Anrainer
Was ist da los im Woog? Eine Leserin ist auf Warnhinweise gestoßen und hat die RHEINPFALZ informiert. Gewarnt hat die Paddlergilde Kaiserslautern. Der Verein hat Mitglieder und sogenannte Anrainer – am Gewässer ansässige oder sich dort tummelnde Vereine, Strandbad-, Campingplatzbetreiber – auf eine mögliche Gefahr hingewiesen.
Dabei habe den Wassersport-Freunden nichts ferner gelegen, als Angst und Schrecken zu verbreiten. „Wir wollen nicht die Leute verrückt machen. Aber wir können ja nun nicht guten Gewissens so tun, als wäre da gar nichts passiert“, betont auf RHEINPFALZ-Anfrage Christine Richter. Die Vorsitzende der Paddlergilde hat das Warnschreiben versandt. „Es besteht ja eine Sorgfaltspflicht gegenüber unseren Mitgliedern“, begründet die Vereinschefin den Schritt. Richter hat auch die Stadtverwaltung informiert. Die Stadt prüfe die Sache, habe aber schon alle Pächter gebeten, ihrerseits die Nutzer über die Angelegenheit zu informieren, teilte die Rathaus-Pressestelle mit.
Zunächst herrscht Skepsis
Christine Richter hat nach eigenem Bekunden sorgfältig abgewogen. Konfrontiert mit Gerüchten, habe sie zunächst gedacht: „Da ist irgendeiner irgendwo im See rumgestiegen, wo er nichts zu suchen hat; im flachen Wasser, im Schilf.“ Dort könne so was mal passieren.
Als sie aber von einer weiteren schmerzhaften Begegnung zwischen Mensch und Fisch gehört habe, hätten doch Alarmglocken geschrillt. Eins der Opfer kennt die Vereinsvorsitzende persönlich, an dessen Schilderung hege sie keinerlei Zweifel. Von anderen hat sie Fotos gesehen, die Bisswunden zeigen. „Ob das tatsächlich ein Hecht war, kann ich nicht wissen und nicht nachprüfen“, schränkt die Wassersport-Begeisterte ein. „Ich bin keine Fisch-Expertin.“
Fisch-Bisse auch Thema unter Klinik-Ärzten
Auch Ralph Arnold versteht recht wenig von Wasserbewohnern und Fischerei, wie er sagt. Der Mitarbeiter der Pressestelle beim Westpfalz-Klinikum weiß allerdings so einiges über die Vorfälle vom Gelterswoog. „Der behandelnde Arzt ist noch jung, er hat so was noch nie erlebt. Die Erfahrenen schon, wenn auch selten“, macht Arnold kein Hehl daraus, dass die Fisch-Bisse unter Medizinern im Klinikum Thema sind. Drei Fälle seien bekannt, zwei ließen sich nachvollziehen, darunter der vom vergangenen Freitag: Da sei ein Patient behandelt worden, der nach eigenen Angaben unvermittelt von einem Hecht attackiert worden sei.
Weniger gravierend seien die Wunden an beiden Händen gewesen – die habe er sich zugezogen, als er den Fisch habe abwehren wollen, der ihn in den Oberschenkel gebissen habe. „Der Arzt hat eine schwere Bisswunde festgestellt. Ähnlich dem Biss eins großen Hundes“, sagt der Klinikumssprecher. Arnold betont, dass mit Bissen auch von kleineren Fischen nicht zu spaßen sei. Das Infektionsrisiko sei nicht eben gering.