Trippstadt
Bildhauer Otto Kallenbach schuf die Carl-Zuckmayer-Medaille
Die Verleihung findet alljährlich am 18. Januar statt, dem Todestag des 1977 gestorbenen Dramatikers und Erzählers aus Rheinhessen. In diesem Jahr wurde der Festakt ohne Publikum aus dem Mainzer Staatstheater per Internet übertragen (die RHEINPFALZ berichtete). Ministerpräsidentin Malu Dreyer bezeichnete Gomringers Texte als „politisch, aber immer ganz feinsinnig und nie plakativ“.
„Das verbindet sie mit Carl Zuckmayer“, sagte Dreyer. Zur Auszeichnung gehören ein Fass des von Zuckmayer geschätzten Nackenheimer Rieslings und die Bronzemedaille mit dem Konterfei des engagierten, aber bewusst volkstümlichen Autors. Schöpfer der Reliefbüste war der Trippstadter Otto Kallenbach.
Zum Studium nach München
Der im Luftkurort geborene und aufgewachsene Bildhauer arbeitete nach dem Besuch der Lauterer Meisterschule zunächst als Steinmetz. Das anschließende Studium an der Kunstgewerbeschule in München erfuhr durch seine Einberufung in den Zweiten Weltkrieg eine mehr als fünfjährige Unterbrechung. 1950 wurde er Assistent seines Professors, des Plastikers und Objektkünstlers Josef Henselmann, später Leiter der Studienwerkstätte und schließlich 1972 Honorarprofessor an der Kunstakademie.
Seinen Lebensabend verbrachte er als frei schaffender Künstler wieder in seinem pfälzischen Heimatdorf, das ihn mit der Ehrenbürgerwürde ehrte. 1992 starb er in Trippstadt. Eine Ausstellung aus Anlass seines 80. Geburtstags in der Pfalzgalerie hat er noch erlebt. Zuletzt zeigte 2011 die Pfalzbibliothek eine kleine Retrospektive.
Stimmungsvolle Plastiken
Als Schöpfer stimmungsvoller Plastiken war Otto Kallenbach zeitweise einer der prominentesten Künstler Deutschlands. Der Journalist Carl Schuster feierte ihn als „eines der stärksten Talente der jungen Bildhauer-Generation Münchens“. Der Kunsthistoriker Wolfgang Stolte rühmte seine Vorliebe fürs „Einfache, das der Natur nahe ist“; er notierte: „Das Pointierte, Prätentiöse, kapriziös Ausgefallene, das Komplizierte, das sich rhetorisch ins Licht setzen will, liegt ihm nicht.“ In seinen Skulpturen griff er „eine große Vielfalt von Themen und Materialien mit großem handwerklichem Können auf“, wie es in einem Nachruf hieß. Bei Metall, Stein und Holz hat er nach Ansicht des Kritikers C. M. Kiesel „im Material empfinden und denken gelernt“.
Im Zentrum seines Schaffens stand das Menschenbild, vor allem in religiösen Darstellungen. Neben oft großformatigen Einzel-, Akt- und Gewandfiguren sowie Gruppen stellen Porträts einen Schwerpunkt seines Schaffens dar. Eine Büste seiner Trippstadter Mutter brachte ihm 1939 ein Reisestipendium ein. Als Medailleur wurde er schon 1951 von der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet.
Zeugnisse schlichter Seelentiefe
Kallenbachs Arbeiten sind in öffentlichen Sammlungen und in Privatbesitz über ganz Deutschland verstreut. In München stehen unter anderem sein „Mann mit dem Drachen“ und eine Pferdeskulptur, auf dem Sportgelände der Uni Mainz ein „Hammerwerfer“. Eine „Mutter mit Kind“ war im März 2018 das Kunstwerk des Monats in der Pfalzgalerie. Auch eine Pietà auf dem Lauterer Waldfriedhof, die Ehrenmale in Trippstadt und Stelzenberg sowie eine Kains-Statue in Enkenbach-Alsenborn zeugen von der schlichten Seelentiefe seiner Kunst. Von ergreifender Unmittelbarkeit ist auch ein „Moses vor dem brennenden Dornbusch“ in der protestantischen Kirche seines Heimatorts.
Darüber hinaus schuf Kallenbach eine Reihe von Gedenkmünzen und Medaillen, die vielfach als Auszeichnung verliehen werden. Die Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde vergibt ein von ihm entworfenes Picasso-Motiv als Förderpreis, der Landkreis Kaiserslautern die Franz-von-Sickingen-Medaille, der Landauer Thomas-Nast-Verein eine Ehrung für Karikaturisten. Schließlich lieferte Kallenbach 1979 die Vorlage für die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland-Pfalz.
Ein koffer und ein Fernsehteam
Die aktuelle Preisträgerin Nora Gomringer ist zwar im saarländischen Neunkirchen geboren, aber in Oberfranken aufgewachsen. Beim RHEINFPALZ-Anruf im heimischen Bamberg verriet sie gestern, dass sie den Koffer mit der Ehrenmünze erst am Vorabend ausgepackt habe, weil gerade ein Fernsehteam zu Gast war.
Da sie keinen Alkohol trinke, will sie den Nackenheimer Wein mit Unterstützung der Rotary-Vereinigung für einen guten Zweck versteigern lassen. Weil das von ihr geleitete Künstlerhaus Bamberg coronahalber geschlossen ist, hat sie auch auf eine Feier zu ihrem 41. Geburtstag am Dienstag verzichtet.