Kaiserslautern BETZE-GEFLÜSTER: Hase am Stadion

Kennen Sie die Geschichte von Hase und Igel? Die gibt’s auch im Fußball. Egal, wo man hinfährt und wie früh man losfährt, der Schary-Bus ist schon da. Beim ersten Kaffee-Stopp trällern die Fans das Betzelied, auf dem Parkplatz vorm Stadion, irgendwo weit, weit weg, ziehen sie fahnenschwenkend zum Bratwurststand. Und im Stadion steht die nächste Gruppe und hat sich schon warmgesungen. „Wir sind noch zu keinem Spiel zu spät gekommen“, sagt Christian Schary, der zusammen mit seinem Bruder Engelbert die Idee hatte, mit Bussen zu den Auswärtsspielen des FCK zu fahren. 20 Jahre ist das jetzt her, und die Fahrten sind beliebt wie eh und je. Das Prozedere ist immer dasselbe, auf dem Messeplatz, in Neustadt, Frankenthal oder irgendwo unterwegs werden die Fans samt Marschverpflegung eingesammelt. „Manche haben die Nacht davor durchgemacht“, weiß Christian Schary. Er kennt sie, die unterschiedlichen Typen von Fans, die alten, die seit 20 Jahren dabei sind, die jungen, die kein Geld haben, sich aus dem Rucksack verpflegen, die Gruppe aus Lambrecht, die sich immer beim Fußball trifft und froh ist, dass der Bus vor der Haustür hält. Er weiß, dass Bitburger an Bord gut ankommt, dass insbesondere Saarländer aber schon mal Karlsberg, das Bier des Sponsors, ordern. Und er kennt das Problem mit dem unterschiedlichen Musikgeschmack. „Wenn ich einen Doppeldeckerbus fahre und die Feierfraktion oben will Böhse Onkelz hören, die älteren unten lieber Schlager, wird’s schwierig.“ Er appelliert dann an die Vernunft und daran, dass alle eine Gruppe sind, die nur eins wollen, den FCK sehen. Das wollen auch er („Ich bin 110-prozentiger FCK-Fan“) und sein Bruder. Schließlich haben sie mal selbst für den Verein gespielt, Engelbert Schary, der Ältere, bis zur A-Jugend, und Christian bis zur B-Jugend. Für ihn ging’s dann weiter beim TuS Hohenecken, ehe beide ihre fußballerische Karriere für die Firma aufgaben, die damals noch ihr Vater leitete. Heute, 20 Jahre nach der Idee mit den Auswärtsfahren, sitzen die Juniors immer noch gern am Steuer, wenn der Fanbus rollt. Sie haben viele Hochs und Tiefs erlebt, die Erstligazeiten, die Roten Teufel in der Champions League. Sie wissen, dass die Stimmung bei den Fans und im Bus davon abhängig ist, wie die Mannschaft spielt. „Im Moment sind alle positiv eingestellt“, sagt Christian Schary, der begeistert ist von der neuen, jungen Truppe. „Der Spielablauf hat sich verbessert. Sie spielen besseren Fußball als in der letzten Saison.“ 70 Fans wollen das nächste Kapitel einer Erfolgsgeschichte miterleben. Um 12.30 Uhr steigen sie heute auf dem Messeplatz in den Bus gen Nürnberg, sind dann eine bis zwei Stunden vor Anpfiff am Stadion. Während der Busfahrer den Gang wieder freiräumt, durch den schon mal Bier strömt, und sich dann selbst auf den Weg Richtung Tribüne macht, haben sie sich schon längst warmgesungen.