Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Betriebsversammlung bei Adient: Heftige Kritik am geplanten Stellenabbau

Mit Plakaten und Trillerpfeifen protestierten die Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau.
Mit Plakaten und Trillerpfeifen protestierten die Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau.

Mit Plakaten und Trillerpfeifen protestierten rund 300 Mitarbeiter des Automobilzulieferers Adient am Mittwoch bei einer Betriebsversammlung gegen den geplanten Stellenabbau des Unternehmens. 125 von 500 Stellen sollen am Standort Kaiserslautern aus Kostengründen gestrichen werden.

Bei der Versammlung auf dem Außengelände des Technischen Entwicklungszentrums im Hertelsbrunnenring informierten Betriebsratsvorsitzender Andreas Mayer und Alexander Ulrich, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall, über die Pläne der Unternehmensleitung. „Erneuter Personalabbau nicht mit uns“ und „For Sale“ war auf den Plakaten zu lesen.

„Menschenverachtende Entscheidung“

Als eine „menschenverachtende Entscheidung“ bezeichnete Mayer die überraschende Ankündigung der Unternehmensleitung über den Personalabbau Anfang der Woche. Der Feind sitze in den eigenen Reihen, mitten unter uns, wetterte der Betriebsratsvorsitzende über das Vorhaben der Unternehmensspitze, die jede Form von Achtung und Respekt gegenüber der Belegschaft verloren habe. Gültige Verträge bis 2023 sicherten den Beschäftigten ihre Arbeitsplätze, kritisierte Mayer die Missachtung vereinbarter Verträge durch das Management.

Als ein Possenspiel bezeichnete Mayer die Nachricht, das Technische Zentrum in Gänze verkaufen zu wollen. Geradezu lächerlich sei das Vorhaben der Chefetage, für den Unternehmensbereich innerhalb von drei Monaten einen Käufer zu finden. Noch hätten die Herren es nicht geschafft, die notwendigen Unternehmensdaten für einen möglichen Käufer zur Verfügung zu stellen.

Dabei verringere ein Personalabbau gleichzeitig die Verkaufschancen, konstatierte Mayer. Der Konzernleitung traue er zu, das Unternehmen solange zu zerschlagen, bis es für einen Übernahmekandidaten die entsprechende Größe habe. „Die Hauptsache, es kommt Kohle in die Kasse. Den plumpen Versuch eines Possenspiels von Laiendarstellern lassen wir uns so nicht bieten“, ging der Betriebsratsvorsitzende mit harten Worten auf Konfrontationskurs.

Negative Auswirkungen auf Aerospace befürchtet

„Warum wird die Produktion in Burscheid nicht geschlossen? Weil dort die Verantwortlichen sitzen“, so Mayer. Wie viel Aderlass soll der Standort Kaiserslautern noch verkraften, kritisierte er die Übernahme von Keiper durch Johnson Controls und zuletzt durch Adient, das sei ein großer Fehler gewesen. „Noch haben wir unseren Musterbau und unser Führungspersonal.“ Negative Auswirkungen vermutete der Betriebsratsvorsitzende auch für den Adient angegliederten Bereich Aerospace mit 80 Mitarbeitern. Adient habe sich stets maximal für den Konzern eingesetzt. Den Standort Kaiserslautern letztlich zu schließen werde man nicht hinnehmen, sprach Mayer von einer „Schweinerei“. „Nicht mit uns, wir wollen kämpfen.“

Alexander Ulrich sprach von einer Bombe, die geplatzt sei, von einem „Frontalangriff auf das Technische Entwicklungszentrum von Adient“. Als IG Metaller müsse er erwarten, dass die Verträge zwischen Belegschaft und Management eingehalten werden, erinnerte er an die Vereinbarung mit der Unternehmensleitung, bis 2023 keine betriebsbedingten Kündigungen vorzunehmen. „Ich muss erwarten, dass diese Verträge eingehalten werden. Es ist eine Frechheit, diese nicht zu akzeptieren.“

Die aktuelle Wirtschaftslage ermögliche Unternehmen, Kurzarbeit bis ins Jahr 2021 zu verlängern, erinnerte er an den Sozialstaat, der bereit sei, die Kurzarbeit so lange zu finanzieren, wie es der Gesetzgeber erlaube. Wenn ein Personalabbau notwendig sei, dann über moderate Möglichkeiten eines früheren Ausscheidens für älterer Mitarbeiter.

Ulrich bedauerte, dass kein Vertreter des Managements da war. Die IG Metall sei bereit, sich für Kaiserslautern und die Westpfalz stark zu machen. „Ein Technisches Entwicklungszentrum ohne Musterbau ist nicht denkbar“, stellte sich Ulrich hinter die Forderungen des Betriebsrats, die Zukunft von Adient in Kaiserslautern zu sichern.

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