Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Betriebsratschef Thorsten Zangerle sieht eine Zukunft für Opel in Kaiserslautern

„Jetzt gilt es, das Werk in die Zukunft zu bringen“, sagt der Betriebsratsvorsitzende von Opel in Kaiserslautern, Thorsten Zange
»Jetzt gilt es, das Werk in die Zukunft zu bringen«, sagt der Betriebsratsvorsitzende von Opel in Kaiserslautern, Thorsten Zangerle. Er wünscht sich einen Plan vom Management, wie es am Standort weitergeht.

Das kommende Batteriezellwerk ist in aller Munde, die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Aber wie geht’s dem Opel-Standort nebenan? Benjamin Ginkel hat mit Thorsten Zangerle, Betriebsratschef bei Opel, über ein erfolgreiches Jahr 2022, Perspektiven für die Belegschaft und das Selbstbild der Opelaner gesprochen.

Herr Zangerle, haben Sie das neue Jahr gut angefangen?
Puh. Also um ehrlich zu sein: Wir haben momentan dicke Bretter zu bohren und schwierige Themen zu bearbeiten. Ich hatte also schon bessere Jahresanfänge ...

Aber Opel steht doch gut da: Der Corsa ist laut Pressemitteilung der meistverkaufte Kleinwagen 2022, der Astra hat die Auszeichnung „Goldenes Lenkrad 2022“ gewonnen und die Muttergesellschaft, Stellantis, hat Umsatz und Gewinn steigern können.
Opel blickt tatsächlich auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Wir sind mit dem Corsa und dem Astra, bei dem bald auch die Elektrovariante kommt, sehr erfolgreich unterwegs. Das ist natürlich eine positive Entwicklung. Gleichzeitig muss man fragen, auf wessen Kosten die Gewinnsteigerung geht.

Sie spielen auf die Belegschaft an, die in den vergangenen Jahren massiv geschrumpft ist.
Ganz genau. Denn durch das neue Freiwilligen-Programm, das es seit Dezember gibt, konnten bei Opel in den Standorten Kaiserslautern, Rüsselsheim und Eisenach noch einmal 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Vorruhestands- und Altersteilzeitsregelungen annehmen oder über ein freiwilliges Abfindungsprogramm ausscheiden.

Was wird im Kaiserslauterer Komponentenwerk gefertigt und wie viele Beschäftigte arbeiten hier?
Wir fertigen noch Dieselmotoren, hauptsächlich Pressteile, auch für Nicht-Opel-Modelle von anderen Stellantis-Töchtern wie zum Beispiel Peugeot oder Citroën. Dank der Gleichteilstrategie des Unternehmens ist das möglich. Wir dürften hier gut 1100 Mitarbeiter sein. Von denen unterstützen derzeit einige in Rüsselsheim in der Fertigung.

Blick ins Opelwerk im Juni 2020.
Blick ins Opelwerk im Juni 2020.

Kaiserslauterer helfen am Firmenhauptsitz aus?
Ja, es gibt da eine Entsendungsvereinbarung auf freiwilliger Basis. Vom Unternehmen gibt’s Angebote. Finanziell und was das Pendeln angeht. Interessierte können entweder einen Bustransfer nach Rüsselsheim nutzen, selbst pendeln oder es gibt Übernachtungsangebote vor Ort.

Das klingt doch erfreulich.
Schon. Aber durch die jetzigen Freiwilligenprogramme stellt sich die Situation nun an unserem Standort etwas anders dar. Die Arbeit verteilt sich auf weniger Schultern. An manchen Positionen macht sich das nun spürbar bemerkbar. Die Arbeitsbelastung steigt – und gleichzeitig gibt’s Personalprogramme zum Ausstieg und einen derzeit besonders arbeitnehmerfreundlichen Arbeitsmarkt. Facharbeiter werden gesucht.

Ein Teufelskreis.
Den wir vom Betriebsrat durchbrechen wollen. Wie in den Vereinbarungen geregelt, haben wir die Erwartung ans Management-Team, die Beschäftigung hier zu sichern. Und zwar über die nächsten Jahre hinaus.

Wo ist das vereinbart?
Es gibt einen Opel-Zukunftsvertrag, der gemeinsam mit Arbeitgeberseite und IG Metall verhandelt wurde. Und dazu eine Zukunftsvereinbarung Komponentenwerk speziell für Kaiserslautern. Ich gehe davon aus, dass der Arbeitgeber zu den Verträgen steht. Dabei muss ich daran erinnern, dass die Millionenförderung für das ACC-Batteriezellwerk an den Fortbestand des Opel-Standorts hier geknüpft ist.

Auf dem ACC-Teil des ehemaligen Opel-Geländes rollen die Bagger. Dort wird Platz geschaffen für das neue Batteriezellwerk.
Auf dem ACC-Teil des ehemaligen Opel-Geländes rollen die Bagger. Dort wird Platz geschaffen für das neue Batteriezellwerk.

Inwiefern?
Es war von Anfang an vereinbart, dass es am Standort auch zukünftig Opel „und“ ACC heißt, nicht „statt“. Deswegen sehen wir eine Zukunft für Opel in Kaiserslautern. Die gilt es nun mit Leben zu füllen, mit konkreten Projekten. Die müssen klar benannt werden, samt Zeitplan.

Um den Beschäftigten zu zeigen, dass es weitergeht?
Richtig. Wir wussten, dass es nach den aktuellen Fertigungsprojekten eine Durststrecke geben wird. Die hat sich deutlich verlängert – unter anderem wegen der Corona-Pandemie und dem unsäglichen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Wir wissen also, dass neue Projekte kommen, aber nicht genau wann und welche.

Dieses Dilemma belastet ja sicher nicht nur den Betriebsrat?
Viele Kollegen haben daran zu knabbern. Vor Jahrzehnten war Opel der größte Arbeitgeber in Kaiserslautern, aus der ganzen Pfalz kamen Fahrgemeinschaften beim Schichtwechsel hierher. Für viele Kollegen war es ein Tiefschlag, das Verwaltungsgebäude für das Ikea-Einrichtungshaus abzugeben. Jetzt haben wir große Teile des Geländes an ACC überschrieben. Das macht emotional etwas mit den Beschäftigten. Mit uns allen.

Das frühere Verwaltungsgebäude am Opelkreisel ist dem schwedischen Möbelhaus gewichen.
Das frühere Verwaltungsgebäude am Opelkreisel ist dem schwedischen Möbelhaus gewichen.

Da wird es Zeit für gute Nachrichten.
Die gibt es ja auch. Beispielsweise bieten wir jährlich 34 Auszubildenden-Plätze an. Das zeigt ja den Willen des Unternehmens für eine Zukunft hier. Und Opel ist noch immer ein attraktiver Arbeitgeber, etwa was den Lohn nach Tarifvertrag oder andere Zusatzleistungen. Die Kollegen haben in den vergangenen Jahren viel mitgemacht, von Kurzarbeit über die Arbeit unter Coronabedingungen. Sie haben das alles akzeptiert, auch wenn sie nicht alles toll fanden.

Sie fordern also vom Arbeitgeber eine Perspektive?
Ja, denn jetzt gilt es, das Werk in die Zukunft zu bringen. Mitarbeiter weiter zu qualifizieren, für das, was da kommt – Dieselmotoren werden wir keine mehr bauen. Und die schon angesprochenen Produktallokationen festzuzurren und zu kommunizieren. 1000 produktiv Beschäftigte im Komponentenwerk sind als Ziel zugesagt. Noch identifizieren sich viele Kolleginnen und Kollegen mit Opel. Es wird Zeit für positive Signale.

Mehr zum Thema: Das ACC-Batteriezellwerk ist mittlerweile rechtlich und technisch von Opel-Gelände getrennt.

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