Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Bernd Geislinger (75) ist leidenschaftlich gern Handball-Schiedsrichter

Mit 75 Jahren noch Handball-Schiedsrichter: Bernd Geislinger.
Mit 75 Jahren noch Handball-Schiedsrichter: Bernd Geislinger.

Porträt: Bernd Geislinger – dieser Name steht für die erfolgreichste Frauenhandball-Ära in der Region Pirmasens. Der TVP schaffte 1985 mit ihm als Trainer den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Jetzt ist der Kaiserslauterer 75 und als Schiedsrichter immer noch in den Handball-Hallen aktiv.

Als Bernd Geislinger 1977 vom 1. FC Kaiserslautern, wo er schon Frauen- und Männerteams gecoacht hatte, zum TV Pirmasens kam, fand er nach eigenen Worten „eine gute Grundlage“ vor. Geislinger verstand es, seine sportlichen Vorstellungen konsequent durchzusetzen. Er formte aus Oberliga-Spielerinnen aus der Region eine Zweitliga-Mannschaft – zumindest für eine Saison.

„Wir waren alle Amateure, trafen aber auf Teams, in denen alle Spielerinnen Halbprofis waren“, liefert Geislinger die Erklärung für den sofortigen Wiederabstieg in die Regionalliga. „Der Verein war eigentlich ein Breitensportverein. Er konnte keine fertigen Spielerinnen einkaufen. Wir waren froh, dass der Verein die Fahrten zu den Spielen finanzieren konnte, dabei mussten wir sogar zweimal nach Berlin.“ Keine leichte Aufgabe, denn schließlich war die heutige Bundeshauptstadt damals noch geteilt. Die Kosten für Trainingslager und andere Aufwendungen übernahmen seine Spielerinnen selbst.

Der Volltreffer

Für Geislinger war das Engagement in Pirmasens auch privat ein Volltreffer. Er lernte Mitte der 1980er-Jahre seine Spielerin Margit Hörhammer lieben und ist heute noch mit ihr zusammen. „In der Mannschaft war unsere Beziehung nie ein Problem, aber natürlich ist es im Mannschaftssport nie einfach, der Trainer seiner Partnerin zu sein. Das ist genauso schwierig, als wenn man als Lehrer seine Kinder in der Schule unterrichtet oder die eigene Mannschaft als Schiedsrichter pfeift“, vergleicht der ehemalige Lehrer am Kaiserslauterer Heinrich-Heine-Gymnasium. „Man bekommt von außen immer unterstellt, die Familie zu bevorteilen, auch wenn es meistens genau umgekehrt ist.“

Die Abwärtsspirale

Wenn der ehemalige Feldhandball-Mittelstürmer und Hallenhandball-Rückraumspieler an die heutige Zeit denkt, blutet ihm mit Blick auf den Handball in der Region das Herz. „Es ist schade, dass es nach meiner Zeit in Pirmasens so in die Hose ging. Als die Spielerinnen der Meistermannschaft nach und nach aufgehört haben, kam die Abwärtsspirale in Schwung“, sagt Geislinger, der in seinen 13 Jahren als TVP-Trainer Oberliga- und Regionalligameister wurde. „Auch in Waldfischbach und Landstuhl gingen die Lichter aus. Es fehlt gerade in der Westpfalz an Nachwuchs, weil das Angebot an Sportarten heute zu groß ist“, bedauert Geislinger.

Die Begeisterung vererbt

Geislinger ist seit 2009 Pensionär. Als Handball-Schiedsrichter will er weitermachen, so lange es die Gesundheit zulasse, denn er weiß: „Auch hier fehlt dem Verband der benötigte Nachwuchs.“ Außerdem fördert er die Talente seines achtjährigen Enkels, der sowohl im Fußball als auch im Handball gute Ansätze zeige. Der Ex-Trainer, der nach dem Ende seines Engagements in Pirmasens im Frühjahr 1990 nie mehr auf die Bank zurückkehrte, hat seine Begeisterung für Handball, Fußball und Tennis offenbar erfolgreich vererbt.

Tennis, Handball und Radsport

In der Herren-70-Mannschaft des Tennisvereins Kaiserslautern 81 ist er noch immer aktiv. „An Tagen, an denen ich weder Tennis noch Handball betreibe, fahre ich mindestens eine Stunde Rad“, sagt er zu seinen Bemühungen, gesund zu bleiben. Von Eppenbrunn, wo er mit seiner beim Handball kennengelernten Frau lange lebte, ist er 2014 wieder nach Kaiserslautern gezogen.

Schiedsrichter wurde Geislinger, als er einen Pflichtlehrgang für die Trainerlizenz Mitte der 1980er-Jahre absolvierte. Heute pfeift er als Einzelschiedsrichter noch Spiele von der Männer-B-Klasse bis zur Frauen-Pfalzliga. Dabei ist ihm aufgefallen, dass die guten Sitten am Spielfeldrand immer weiter verrohen: „Es geht immer rabiater, lauter und unfairer zu, die vielen Appelle zeigen kaum Wirkung“, klagt Geislinger und ist froh, noch nie selbst das Ziel körperlicher Attacken auf dem Spielfeld gewesen zu sein.

Mit dem Schiff auf Tour

Geislinger, der auch Erdkunde unterrichtete, frönt noch einem damit verbundenen Hobby: „Es gibt nicht mehr viele weiße Flecken auf der Landkarte“, sagt der Pensionär, der am liebsten mit dem Schiff die Welt bereist und sich sehr für fremde Länder interessiert. Kürzlich war er in Mittelasien.

Übrigens: Mit mehreren Spielerinnen seines ehemaligen TVP-Teams stehe er noch in Kontakt, erzählt Bernd Geislinger – und das freut ihn merklich.

Besondere Trainer-Spielerin-Beziehung: Margit Hörhammer, feste Größe im TVP-Team, und Coach Bernd Geislinger lernten sich in den
Besondere Trainer-Spielerin-Beziehung: Margit Hörhammer, feste Größe im TVP-Team, und Coach Bernd Geislinger lernten sich in den 1980er-Jahren in Pirmasens lieben und sind bis heute ein Paar.
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