Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Berliner Band Kafvka heizt im Kulturgarten musikalisch wie textlich ein

Durchaus mit politischer Botschaft: Kafvka mit Frontmann Jonas Kakoschke, Philipp Lenk am Bass, Drummer Sascha Hornung und Aless
Durchaus mit politischer Botschaft: Kafvka mit Frontmann Jonas Kakoschke, Philipp Lenk am Bass, Drummer Sascha Hornung und Alessio Pasqualicchio an der Gitarre.

Genau hinhören und nachdenklich werden, aber zugleich auch kräftig mitklatschen und ausgelassen tanzen: Es gelingt nicht vielen Bands, diese Reaktion bei ihrem Publikum auszulösen. Die Berliner Band Kafvka schaffte dieses künstlerische Kabinettstückchen am Freitagabend im Kulturgarten der Kammgarn.

Die vier Musiker nehmen in ihren deutsch gerappten Liedern kein Blatt vor den Mund. Es geht in der Regel politisch zu, und es geht dabei sprachlich und inhaltlich direkt zur Sache. Man positioniert sich – unter anderem – gegen Rechts („Alle hassen Nazis“), gegen Kapitalismus, Patriarchat und Gentrifizierung, man thematisiert Flüchtlings-Schicksale, entwickelt Utopien, setzt sich ein für Nachhaltigkeit und gegen Gleichgültigkeit („Alles was wir tun“).

Treibender Sound und energiegeladener Frontmann

Den oft pointiert-provokativ vorgebrachten und auch deshalb stark und direkt wirkenden Inhalten – beeindruckend war hier auch die große Sicherheit des Sängers in komplexen Texten – steht die Musik entsprechend zur Seite. Alessio Pasqualicchio (Gitarre), Philipp Lenk (Bass) und Sascha Hornung (Schlagzeug) erschufen einen ungemein treibenden, mitreißenden Sound, der dem Gebaren des bis zum Anschlag energiegeladenen Frontmanns und Rappers Jonas Kakoschke ebenso gerecht wurde wie den emotionalen, expressiven Themen.

In welchem Genre die Jungs da eigentlich musikalisch unterwegs sind, ist dabei ebenso undefinierbar wie unerheblich. Rap, Punk, Deutschrock, Crossover? Die Band selbst hat einmal selbst den Begriff „politischer Crossoverdeutschrap“ ins Spiel gebracht, und das kommt eigentlich schon ganz gut hin. Letztlich ist die „Schublade“ aber egal, denn das Ergebnis stimmte: Die Stimmung stieg permanent hoch, und neben den Gedanken gerieten nicht zuletzt auch die Beine in Bewegung.

So war denn das vorwiegend jugendliche Publikum von Anfang an im Kulturgarten der Kammgarn in jeder Hinsicht dabei: Viele standen spontan auf und tanzten, sangen ganze Text-Passagen auswendig mit, reagierten überschwänglich auf die Ansagen Jonas Kakoschkes. Manchmal – in den wenigen zurückhaltenderen Partien – gingen Feuerzeuge an und es wurden Mobiltelefone hochgehalten. Gänsehaut-Feeling.

Schon der Bandname lädt zum Nachdenken ein

Man bot insgesamt eben „Paroli“, so auch der Titel ihres aktuellen Albums und ihrer Tournee, insbesondere auch eingeschliffenen Musik-Mustern nämlich. Der ungewöhnliche Bandname Kafvka mag da ins Spiel kommen: Einmal als Anklang an den Dichter Franz Kafka im Hinblick auf die Affinität zum Wort – da wurde dann sogar der Uralt-Schlager „Pack’ die Badehose ein“ zitiert und Goethes „Faust“ genannt. Oder auch als Anklang auch an den früheren MTV-Moderator und DJ Markus Kavka, dessen Musik sich die Band einst zugetan fühlte. Ein Name, der so wenig alltäglich ist und so vieles zusammenbringt wie die Präsentation an sich.

Nach dem letzten Ton auf der Bühne war es dann längst noch nicht zu Ende. Auch danach nahm man sich die Zeit, mit den Fans am Merchandising-Stand neben der Bühne ungezwungen zu plaudern. Musiker zum Anfassen sozusagen. Noch ein Pluspunkt für die Band.

x