Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Berliner Band Coppelius mischt die Kammgarn auf

Zauberten immer wieder Überraschungen aus dem Hut: die Herren von Coppelius.
Zauberten immer wieder Überraschungen aus dem Hut: die Herren von Coppelius.

„Schall und Rauch“ steht ja allgemein für etwas Nichtssagendes. Die gleichnamige, aktuelle Tour der Berliner Band Coppelius bietet dagegen eine ganze Menge an sehr wohl Aussagekräftigem, an Bemerkenswertem und Überraschendem.

Gerade beim allerersten Auftritt der Gastspielreise am Mittwochabend im gut besuchten Kasino der Kammgarn zeigte das Sextett – nicht zum ersten Mal am Ort – erneut und intensiviert, was es in Sachen unterhaltsamer Musik(-Show) so alles an Ungewöhnlichkeiten auf die Bühne zu bringen im Stande ist. Vorher aber gab es erstmal gleich zwei Anheizer im Vorprogramm. Supporter sind im Allgemeinen eher dazu da, die Stimmung im Hause für den Haupt-Act aufzuheizen. Nicht mehr und nicht minder. Manchmal entwickeln sie dabei aber auch ein besonderes Eigenleben, von dem man durchaus gerne mehr (und eben live) erlebt hätte.

Da wäre dann zum einen die Hildesheimer Band Nathanael, die einen ähnlich gut gemischten und sauber dargebotenen Musik- und Kleidungsstil aus Alt und Neu wie Coppelius pflegt. Auf diese Weise kam, nach anfänglicher Zurückhaltung, schon einiges an Stimmung im Saal auf. Im Anschluss steigerte noch die japanische Sängerin Isiliel mit einer Melange aus Tanz-Performance und Rock-Konzert (mit Musik aus der Konserve) ganz alleine die sich auflockernde Atmosphäre. Gemeinsam mit einer Live-Band wäre ihre Kunst vermutlich sogar noch besser zur Geltung gekommen.

Zeitreise ins 19. Jahrhundert

Und dann: Coppelius. Was kann man über diese ungewöhnliche Gruppe nach über 20-jähriger Bühnentätigkeit noch sagen, was nicht schon hinlänglich bekannt wäre? Man weiß: Die Musiker spielen deutsch- und englischsprachige Rockmusik unter hörenswerter und stimmiger Verwendung von klassischen Instrumenten wie Klarinette, Cello und Kontrabass. Sie kleiden sich entsprechend unter anderem mit Zylinder und Frack wie Zeitgenossen des frühen 19. Jahrhunderts – was ihnen ihr Publikum, auch in der Kammgarn, mehr oder minder gleichtut.

Sie widmen sich der dargestellten Zeit gemäß mit fiktiven Biografien und Namen wie Linus von Doppelschlag (so der Schlagzeuger der Band) oft düsteren, nachdenklichen Themen der Romantik wie etwa der Vergänglichkeit des Lebens („Alte Freunde am Kamin“). Besonders „Bastille“, seines Zeichens Diener, launiger Conferencier und häufiger Leadsänger der Combo, tat sich da am Mittwoch im Übrigen in Sachen Präsenz und Darstellungskunst besonders hervor.

Überraschungen im Minutentakt

Was kann man also über das kleine Rock-Orchester noch weiter sagen? Auf jeden Fall, dass man auch aktuell, auch nach Kenntnis all der bekannten Darbietungsarten und Qualitäten, immer wieder noch nette Überraschungen geboten bekommt. In der Kammgarn bekam man sie fast im Minutentakt.

Da wurde neben all den bekannten Stücken der Band auch etliches erstmals und aus den neuesten Produktionen gespielt. Da trat als Überraschungsgast „Herr Doktor“ auf, Gewinner eines Coppelius-Kreativ-Wettbewerbs. Der junge Künstler fügte sich nahtlos in das Programm und den Stil der Formation ein. Respekt! Und weiter: Ein mehrminütiges Drum-Solo des erwähnten Schlagzeugers sorgte für wahre Beifallsstürme, die mitunter bewusst „gestelzten“ Ansagen im Romantik-Stil für anhaltende Heiterkeit.

Publikumsnähe pur

Nicht zuletzt: Bei einem plötzlichen (inszenierten) Stromausfall auf der Bühne ging die Band mal eben mit kleinen Laternen mitten ins Dunkel zum begeisterten Publikum hinunter und sang dort (streckenweise zusammen mit diesem) locker zwei A-cappella-Stücke. Und das ebenso makellos und intensiv wie man es auch auf der bald wieder hell erleuchteten Bühne getan hätte.

Publikumsnähe pur, Können in jeglicher Lage, Spielfreude in jeder Hinsicht. Dafür gab es am Ende keine „Zugabe“-Forderungen, sondern stilechter (und natürlich erfolgreich) „Da capo“-Rufe. Chapeau ob dieser Leistungen, die so gar nichts mit „Schall und Rauch“ zu tun hatten, und Kompliment an die Herren Musikanten: Ihr habt es an diesem Abend zur guten Zufriedenheit aller Beteiligten gar wohl getan.

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