Kaiserslautern Berge, Meer und ein Hauch von Liebe und Freiheit: Handgemachte Songs von Johna in Otterberg
„Handgemachte Musik“ kündigt das Duo mit dem Projektname „Johna“ an, wenn die beiden Musiker Nadine Krämer und Kolja Pfeiffer mit Gitarre, Cajon, Keyboard und Gesang unterwegs sind, um internationale Bühnen des Kontinents zu bespielen. Am Samstag führte ihre Route von Köln nach Otterberg. Im Gepäck die neueste Scheibe „Mountains“.
Johna – das sind Zwei und deswegen ideal für das Bühnenformat im Business Center Otterberg (BCO). Und wie sich zeigte, nicht nur was das Platzangebot betrifft, vielmehr für den akustischen und inhaltlichen Dialog einer entsprechend intimen Konzertatmosphäre.
Die Gäste in Reichweite, entpuppte sich Singer und Songwriterin Nadine Krämer als sympathisch nahbare Erzählerin. Ebenso englisch singend wie deutsch moderierend. Was sich als hervorragend erwies. Denn in ihren „handgemachten“ Liedern von „ursprünglicher Kraft, Liebe und Freiheit“ schildert die Songwriterin Lyrics von Höhen und Tiefen, Frohsinn und Trauer. Mit feinsinniger Melancholie heißt es da beispielsweise im Lied „Mountains“ leicht gekürzt: „Ich war unterwegs in den Bergen, mittendrin im Nirgendwo. Ich ging meinen Weg durch Düsternis, doch alles ist vergessen seit jener Zeit der Wildnis.“
Mit dem Westwind zur Insel
Krämer sieht das Leben als Land mit dem Namen Fantasie, sie atmet das Sein auf Bergeshöhen. Doch sie bleibt nicht nur oben. Mit der Komposition „Little Boat“ vertraut sie sich dem Element Wasser an, setzt bei passendem Westwind, so singt sie, die Segel in Richtung unbekanntes Inselland: „Im Blau ich fühle, es heilt das Herz, mein Herz.“
Die Kölnerin mit beruflicher Erfahrung auf Kreuzfahrtschiffen verpackt derlei Seelenklänge in nichts anderes als in sinnliche Melodien. Ohne Kitsch. Ohne Schnulzencharakter. Ohne Schutz also. Die Zuhörer spüren den Zauber poetischer Zurückhaltung, lyrischer Feinsinnigkeit und menschlicher Zugänglichkeit. Es sei die Natur, so erzählt die Künstlerin, die Freiheit und Ursprünglichkeit, die sie inspiriere. Und so wechseln sich im Laufe des Konzertes die Musikstile und -klänge, gehen schon mal schlagkräftig in die Saiten der Gitarre, bieten gar dem hölzern hallenden Rhythmus Paroli, den Pianist Kolja Pfeiffer lustvoll seinem Cajon für einen erdig-verdichteten Sound entlockt.
Nur eine Stimme und ein Instrument
Ein Musikerpaar, das imstande ist, mit seinem Medium alles auszudrücken. Ähnlich, wie es im ausnahmsweise deutschen Song „Sommertag“ heißt: „Du fliegst davon mit dem Klang der Stille. Über den Horizont.“ Worte. Poesie. Klanggebilde. Eingängige Weisen, die im Gehörgang bleiben. Nicht zuletzt einer Stimme wegen, die ebenso forsch wie fragil, so brüchig wie stabil vom Dasein erzählt. Puristisch live. Nichts als diese Stimme und nur ein Instrument. Begeisterter Applaus von einem Publikum, das sich animieren ließ mitzusingen.
Nahrung für die Seele
Es gibt Musik, die ist wie „Soul Food“ für unsere Ohren. Genauso ist es bei den gefühlvollen Songs von Johna. Wie eine musikalische Umarmung sind sie emotional aber nicht kitschig, ausdrucksstark aber nicht aufdringlich – reduziert, ohne dass etwas fehlt. Johna – alias Singer und Songwriterin Nadine Krämer begeistert mit kreativer Sensibilität, die ihre musikalischen Einflüsse wie Sarah McLachlan, Heather Nova oder Jewel erkennen lässt, ohne zu kopieren.
Bei ihren Konzerten präsentiert Johna die Songs sowohl mit kompletter Band als auch in kleiner Besetzung als Duo oder Trio. Mit dabei ist immer ihr langjähriger musikalischer Partner Kolja Pfeiffer, am Piano und in kleiner Besetzung auch an Instrumenten wie der Cajon die passende musikalische Kulisse für die Musik kreiert, bei der nichts versteckt werden kann und auch gar nicht soll. Die Kölner Band tourte bereits durch Europa, die USA und Kanada und war Support für Bands und Künstler wie Luxuslärm, Lissie, K’s Choice, Jennifer Rush, Nick Howard, Sharon van Etten und Whitehorse.
In der Tradition der amerikanischen Singer/Songwriter präsentiert Johna jetzt auf ihrem Debütalbum „The Long Way Home“ ihre selbstgeschriebene, handgemachte Musik, der man eben genau das auch anhören soll – dass sie von Menschen gemacht wurde.
Gerade auch vermeintlich unvollkommene Parts, die in deutschen Pop-Produktionen gerne im Studio „ausgebügelt“ werden, machen für Nadine Krämer den Zauber des amerikanischen Singer/Songwriter Genres aus. Mit dem US-amerikanischen Produzent Peter Malick, der unter anderem mit Norah Jones zusammengearbeitet hat, wurde schließlich der richtige Partner gefunden und „The Long Way Home“ in Los Angeles aufgenommen. Neben Peter Malick an den Gitarren, sind mit Mario Calire, Jon Ossmann, Stephen Patt, Justine Bennett und Stevie Blacke Musiker an Bord, die ihr Talent und ihr Können bereits für und mit Norah Jones, Ryan Adams, Jacob Dylan, Cat Power oder Rihanna gezeigt haben.
Mut zu leisen Tönen
Der Mut und die Hingabe zu den leisen Tönen, in denen die Emotionen Raum bekommen, zeichnen die zwölf Songs des Albums „The Long Way Home“ aus. Die Kompositionen sind dabei eigenständig und dennoch unverkennbar durch die lyrische Linie in Johna’s Songwriting verbunden. Die poppigen Arrangements begeistern mit ihrer oft melancholischen Grundstimmung, die sich sowohl in den Texten auch als in dem gekonnten Spiel mit den stilistischen Facetten zeigt – zeitlos schöne Musik, die Tiefgang und Leichtigkeit vereint und dabei auf mitreißende Art ursprünglich und ehrlich ist!