Fussball
Benny Reich: Die Leiden des jungen Trainers
Mit diesem Widerspruch müssen derzeit alle Fußballer leben. Wann geht es weiter? Kann die Saison zu Ende gespielt werden? Und: Wird der Fußball nach der Krise ein anderer sein als zuvor? „In dieser Situation möchte ich nicht in der Haut der Entscheider stecken“, gesteht Früh. Vereine bangen um ihre Existenz, andere fürchten um die Früchte ihrer bisherigen Arbeit. „Wir können uns als Tabellen-Achter halbwegs gemütlich zurücklehnen, aber was ist mit den Mannschaften, die sich Hoffnungen auf den Aufstieg machen?“ Der Verwaltungsfachwirt bei der Stadtverwaltung Kaiserslautern kann nachempfinden, wie sich Trainer und Spieler dieser Vereine fühlen. Die Ohnmacht ist allgegenwärtig.
Noch besteht Hoffnung
Der Verband versucht alles, die Saison zu retten. Die Spielpläne für die restliche Saison liegen in der Schublade, auch wenn im Moment niemand weiß, wann tatsächlich wieder gespielt werden kann. Die Wechselfrist wurde aufgehoben und auf die Zeit nach der Saison verschoben. Planspiele im Ungefähren. An einen Abbruch der Saison mit unvorhersehbaren juristischen und finanziellen Folgen will im Moment niemand denken. Noch besteht Hoffnung. Der Sommer ist lang.
Neue Herausforderung
Die Situation macht es für Benny Früh nicht einfacher. Bereits im Herbst vergangenen Jahres hat er seinen Wechsel zur nächsten Saison angekündigt. Beim Bezirksligisten SG Knopp/Wiesbach sucht er eine neue Herausforderung. „Unser Glück ist, dass die Planungen fast abgeschlossen sind und der 20-Mann-Kader für die neue Runde bereits steht.“ Selbst Trainingspläne und Testspiele sind geplant, das jeweilige Datum dazu ist aber vorsichtshalber mit Bleistift geschrieben.
Wann er sein neues Engagement antreten wird, steht derzeit in den Sternen. Bis dahin gilt sein Vertrag in Reichenbach. „In den ersten ein, zwei Wochen dachten wir noch, es geht demnächst irgendwie weiter.“ Doch weit gefehlt.
Trainingspläne
Als das Ausmaß erkennbar wurde, verteilten Früh und sein Co-Trainer Thomas Löber Trainingspläne über eine WhatsApp-Gruppe. Zwei bis drei Läufe pro Woche, mindestens sechs Kilometer lang, war da zu lesen. Zusätzlich: Stabilisierungs- und Kräftigungsübungen. Auch der Charme eines persönlichen Gesprächs am Telefon wird in dieser Zeit wiederentdeckt.
Wie Früh geht es derzeit wohl allen Trainern im Amateurbereich: „Wir müssen uns darauf verlassen, dass die Spieler das auch eigenverantwortlich machen.“ Eine Bestätigung über eine Fitness- oder Lauf-App ist erwünscht, aber nicht verpflichtend. Es klingt fast flehentlich, wenn Benny Früh sagt: „Fußballer, die den Fußball lieben, halten sich automatisch fit.“ Doch er weiß auch: Je länger kein Mannschaftstraining stattfinden kann, desto schwieriger wird es, die Motivation hoch zu halten. Zudem wisse jeder Fußballer, dass die Arbeit mit dem Ball am Ende das entscheidende Mosaik darstellt.
Lehrgang mit Fragezeichen
Doch Früh ist gedanklich nicht nur mit seinem jetzigen und zukünftigen Verein beschäftigt, auch seine persönlichen Pläne könnten gehörig durcheinander gewirbelt werden. Der ehrgeizige Defensivspezialist ist für den A-Lizenz-Trainerlehrgang im Spätsommer in der Sportschule Hennef angemeldet. Niemand weiß zurzeit, ob dieser überhaupt stattfinden kann. Ausgang ungewiss. Wie so vieles in diesen Tagen.