Kaiserslautern Beim Gärtnern entspannen

Wir treffen uns in der Gartenschau. Sie gehört zu den Lieblingsplätzen der 60-Jährigen, die sich an der Blumenpracht erfreut oder den Blick vom Kaiserberg über die Stadt genießt. Sie ist im dörflichen Erfenbach aufgewachsen, erinnert sich gerne an die Heuernte, als sie hoch oben auf dem von Pferden gezogenen Wagen sitzen durfte. Die ländliche Idylle habe sie schon geprägt, erzählt Gabriele Wollenweber, die 1969 zur Städterin wurde, ohne umziehen zu müssen, wie sie schmunzelnd an die Eingemeindung Erfenbachs erinnert. Seit ihrem vierten Lebensjahr wohnt sie in Erfenbach, und auch die Liebe zur „Landarbeit“ hat sie nicht abgelegt. Ihren Gemüsegarten in Erfenbach zu hegen und zu pflegen, zählt sie zu ihren liebsten Hobbys. Hier könne sie entspannen. Sie hat bereits Salatpflänzchen gepflanzt, Radieschen und Möhren gesät. Lesen, Wandern und Reisen stehen ferner auf ihrer Hitliste der Freizeitbeschäftigungen. In gewissem Sinne vorbestimmt war auch ihr beruflicher Werdegang. Gabriele Wollenweber kam im früheren Schulhaus in Sambach zur Welt, ihr Großvater und ihr Vater waren Lehrer, und auch sie ergriff diesen Beruf. Nach Abitur am Burggymnasium studierte sie an der damals noch jungen Kaiserslauterer Universität Erziehungswissenschaften, Physik und Mathematik für das Lehramt an Gymnasien. Heute arbeitet sie als Studiendirektorin am Albert-Schweitzer-Gymnasium. Neben ihrem Beruf meisterte sie als Ehefrau und Mutter zweier Töchter den Haushalt, heute ist sie stolze Großmutter zweier Enkelsöhne. Zur Politik kam sie recht spät und über einen Umweg. Politisch interessiert war sie freilich schon in ihrer Jugend, wie sie hervorhebt. Und: Sie stammt aus einem Elternhaus, in dem das Engagement für die Gemeinde Ehrensache war. „Mein Vater, Walter Gehm, war der letzte Bürgermeister der damals selbstständigen Gemeinde Erfenbach“. Politisch aktiv wurde sie in den 1990er Jahren. Sie und ihr Ehemann schlossen sich der Bürgerinitiative an, die das IG Nord verhindern wollte. „Wir waren nicht gegen ein Industriegebiet“, stellt die Politikerin klar, „aber wir lehnten ab, dass dafür die grüne Wiese platt gemacht wird“. Schon damals habe sie sich dafür eingesetzt, Gewerbe und Industrie auf ehemals militärisch genutztem Gelände – etwa im Osten der Stadt – anzusiedeln. Damals hätten ihr Mann und sie erkannt, dass man im Stadtrat sitzen müsse, wenn man etwas bewegen wolle. „Und wir wollten etwas bewegen“. Vor 20 Jahren zog Gabriele Wollenweber erstmals in den Stadtrat ein. Als Mitglied der BLU, die sich später in FWG umbenannte. Für die Freien Wähler habe sie sich entschieden, „weil die unabhängig von Parteiideologien sind“. Die freie Entscheidung des Ratsmitglieds ist der Vorsitzenden der FWG-Stadtratsfraktion wichtig. Alle Themen würden zwar in der Gruppe erörtert und bearbeitet, aber: „Bei uns gibt es keinen Fraktionszwang“, betont sie. Auf die Frage, ob sie etwas bewegen konnte, antwortet die Lokalpolitikerin mit einem klaren Ja. Die Gartenschau nennt sie als ein Beispiel. Die FWG habe sich als erste Ratsfraktion für die Idee der Lebenshilfe begeistert, die Gartenschau als Integrationsbetrieb zu betreiben. Es sei überaus wichtig, behinderten Menschen Arbeit zu geben und das Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap zu fördern. Herausragendes Thema der jetzt ablaufenden Legislaturperiode war in den Augen der FWG-Spitzenkandidatin die Ansiedlung der ECE-Stadtgalerie. Die FWG habe klar Position zugunsten der Shopping-Mall bezogen, um die Innenstadt zu beleben und die Stadtmitte mit der unattraktiven Autoparkfläche und dem leerstehenden Karstadtgebäude neu zu gestalten. Wichtig war und ist ihr die Entwicklung Kaiserslauterns von einer industriell geprägten Stadt zu einem Standort mit modernen Unternehmen, Schulen, Hochschulen und Forschungsinstituten. Auch nach 20 Jahren bereite ihr die ehrenamtliche Arbeit in der Lokalpolitik noch viel Freude, sagt die FWG-Spitzenkandidatin. In der kommenden Legislaturperiode wolle sich die FWG für die Entwicklung des Pfaff-Geländes stark machen, wobei die „Frontfrau“ der Freien Wähler bedauert, dass das private Modell vom Landesrechnungshof gekippt wurde. „Das wirft uns zurück“, ist sich die Lokalpolitikerin sicher. Die Liste der politischen Ziele der FWG-Spitzenkandidatin ist recht lang. So gelte es, die Wohnqualität in der Innenstadt zu verbessern, die Stadtteile mit Hilfe von EU-Fördergeldern aufzuwerten, den Bahnhaltepunkt Hohenecken zu schaffen, mehr betreute Jugendtreffs zu installieren und die Bürger mehr an Entscheidungen zu beteiligen. Der öffentliche Personennahverkehr müsse ausgebaut, die Elektromobilität angestoßen werden. Bleibt noch die Frage, woher die 60-Jährige die Zeit für Beruf, Familie, Hobbys und Lokalpolitik nimmt. „Nun, der Tag hat 24 Stunden“, antwortet Gabriele Wollenweber lächelnd und ergänzt: „Ich muss keine Zeit vorm Fernsehapparat totschlagen, weil ich keinen habe“.

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