Kulturzentrum Kammgarn
Bei Tito & Tarantula kocht die Stimmung hoch
Der einzigartige Stil dieser Gruppe ist schwer zu fassen und gerade deshalb mit ein Grund für jenen Erfolg von Tito & Tarantula. Gut gemachter Rock ist es allemal, manchmal von einem Titel zum anderen in der Blues-, Südstaaten- und Latin-Variante tendierend, mal versetzt mit Elementen aus Country und Punk oder besonders intensiv getragen und forciert von psychedelischen Gitarren-Parts.
Mit Genre-Schubladen hat es Tito & Co. halt nicht so. Und das ist auch gut. Langweilig wird und wurde es an diesem Abend in der Kammgaren in keinem Takt. Songs wie „German Fräulein“ und „Bitch“ gerieten so jedes Mal zu kurzweiligen akustischen Entdeckungsreisen.
Voluminöser Sound
Begleitet wurde der Gitarrist und Sänger Tito Larriva bei diesem Konzert der aktuellen Europa-Tournee von Marcus Praed (Gitarre, Gesang), Lolita Carroll Larriva (Bass, Gesang) und Rafael Gayol (Schlagzeug). Es sind allesamt erfahrene Musiker, die sich in jeder stilistischen Gegend zurechtfinden und auch in komplizierteren Liedstrukturen sicher die Spur halten können. Im Hintergrund wirkten derweil – zwar eher unscheinbar, aber mit effizienter Energie – die Background-Sängerinnen Egaux Sells und Carrie Fussell, die zusätzlich noch mit Tambourin und Gitarre für einen besonders voluminösen Sound sorgten.
Der Meister selbst zeigte sich die ganze Zeit über höchst aufgeräumt und sichtlich zufrieden. „Schön, wieder in Deutschland zu sein“, meinte der aus Mexiko stammende Tito in einer seiner Ansagen. Damit meinte er wohl nicht nur seine Tour-Auftritte hier, sondern auch seine Zeit in Berlin, wo er einst mehrere Jahre lebte.
Der wichtigste Song
Und dann kam er, jener Titel, mit dem Tito Larriva und seine Band im Jahre 1996 zu weltweitem Ruhm gekommen war: „After Dark“ ist das Stück aus dem von keinem Geringeren als Quentin Tarantino inspirierten Horrorfilm „From Dusk Till Dawn“, zu dessen lasziven Klängen die Schauspielerin Salma Hayek in einer obskuren Bar mit einer weißen Schlange erotisch tanzt. Wer die Szene einmal gesehen hat, vergisst sie nie wieder. Und den dazugehörigen Titel offenbar nicht.
Kaum erklangen die ersten hypnotischen Klänge von „After Dark“, ging ein regelrechter Aufschrei durch die Menge, brandete lauter Applaus auf, dangen viele Konzertbesucher den Text des Liedes auswendig mit.
Die Fans stürmen die Bühne
Spätestens zu diesem Zeitpunkt ging die Stimmung vor Ort vollends durch die hohe Decke des Kasinos. Ein hier kaum je so erlebtes Zeichen dafür: Gegen Schluss des Konzerts kamen mehr als 20 Fans hoch auf die Bühne zur Band und erlebten von dort aus einen Teil des Events mit. Keine Frage, dass es danach noch einen ordentlichen Zugabenteil als saubere Abrundung des langen Abends gab.