Kaiserslautern
Behandlung von Herzrhythmusstörungen bei Kindern erfordert Feingefühl und Erfahrung
Herzrhythmusstörungen gehören laut dem Bundesverband Niedergelassener Kardiologen zu den häufigsten Herzerkrankungen. Im Westpfalz-Klinikum beschäftigt sich unter anderem Thomas Kriebel, der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, mit dem Themenfeld. Vor neun Jahren habe er damit begonnen, in Kaiserslautern die Kinderkardiologie auszubauen und als eines der wenigen pädiatrischen elektrophysiologischen Zentren in Deutschland aufzubauen. Dort werden bei Kindern, Jugendlichen und bei Erwachsenen mit einem angeborenen Herzfehler elektrophysiologische Untersuchungen auf höchstem Niveau durchgeführt und zum Beispiel Herzrhythmusstörungen, die für den Patienten lebensbedrohlich sein können, behandelt.
Patienten mit einem angeborenen Herzfehler jeden Alters werden im Klinikum ambulant und stationär betreut. Im Herzkatheterlabor werden manchmal sogar Neugeborene kurz nach der Geburt behandelt. Kriebel: „Allerdings werden elektrophysiologische Untersuchungen bei Patienten unter 15 Kilogramm nur durchgeführt, wenn es wirklich sein muss.“ Kriebel lobt die Zusammenarbeit mit der Erwachsenen-Kardiologie des Klinikums und deren Chefarzt, Professor Burghard Schumacher.
Auf welche Alarmzeichen Eltern achten müssen
Aber wie fallen Eltern Herzrhythmusstörungen bei ihrem Kind auf? „Ein zehnjähriges Kind kann sagen, dass sein Herz rennt oder ihm schwindelig ist“, gibt Kriebel als Beispiel. „Bei kleineren Kindern bemerkt ein Arzt die Herzrhythmusstörungen vielleicht beim Abhören.“ Hinweise könnten auch vermehrtes Schwitzen oder Blässe sein. „Bei Neugeborenen können die Herzrhythmusstörungen manchmal klinisch übersehen werden, so dass die Patienten erst in einem bereits kritischen Zustand in die Klinik kommen“, so Kriebel.
Mittlerweile hätten sowohl die Diagnostik wie auch die Therapien von Kindern und Jugendlichen mit einem angeboren Herzfehler oder einer Rhythmusstörung große Fortschritte gemacht. Noch vor einigen Jahren hätten viele Herzfehler ein Leben ohne Sport, Herumtoben und eine deutlich verkürzte Lebenserwartung bedeutet, sagt Kriebel: „Heute können viele Kinder dank der Behandlung ein weitgehend normales Leben führen.“ So können beispielsweise Löcher in der Herzscheidewand zum Teil mittels eines kathetergeführten Verschlusssystems behandelt werden oder mittels eines Ballons Engstellen geweitet werden. Große Operationen würden dadurch oft vermieden.
Behandlungsmethoden entwickeln sich stetig weiter
Was die Behandlung von Herzrhythmusstörungen bei Kindern angeht, kommen die jungen Patienten aus ganz Rheinland-Pfalz, teilweise auch darüber hinaus – denn im Bundesgebiet gibt es nur wenige Mediziner, die die pädiatrische Elektrophysiologie spezialisiert sind, erklärt der Chefarzt. Die Eingriffe, die laut Kriebel „viel, viel Feingefühl“ brauchen, finden im Herzkatheterlabor des Klinikums statt. Dabei wird ein Katheter durch die Leiste oder den Arm bis zum Herzen geschoben, um zum Beispiel Gewebe zu veröden, das für die Herzrhythmusstörung verantwortlich ist. Dabei kommt das sogenannte kardiale Mapping zum Einsatz, bei dem die Herzstruktur dreidimensional dargestellt und der Erregungsablauf im Herzen genau visualisiert werden kann.
Das Verfahren werde zwar auch standardmäßig bei Erwachsenen angewendet, erläutert Kriebel: „Aber gerade bei kleinen Kindern gibt es da viele Besonderheiten zu beachten. Das macht die Eingriffe sehr komplex.“ Beispielsweise können Herzen anatomisch verdreht sein, sodass man sich schnell überlegen müsse, wie die Sonde zum Behandlungsort komme. Dabei helfen eine gute Ausbildung und vor allem viel Erfahrung.
Intensive Trainingseinheit am Wochenende in Kaiserslautern
Da es in diesem Medizinfeld stetig neue Weiterentwicklungen gibt und sich die Therapien oft ändern, spiele das Thema Aus- und Weiterbildung eine herausragende Rolle. „Wir geben unser Wissen gerne weiter und bilden junge Fachärzte der Kinder- und Jugendmedizin zum Kinderkardiologen aus“, erklärt Kriebel. So wurde einer seiner Oberärzte, Thomas Mitschke, zunächst von ihm zum Kinderkardiologen und jetzt zum pädiatrischen Elektrophysiologen ausgebildet – was mehrere Jahre dauere.
Am Wochenende nun treffen sich Kinderkardiologen aus ganz Europa in Kaiserslautern. Kriebel und sein Team haben den achten „Teaching Course for Paediatric and Congenital Arrhythmia der Europäischen kinderkardiologischen Gesellschaft (AEPC)“ organisiert. Ziel der zweitägigen Fortbildung sei es, „den Teilnehmern wirklich etwas beizubringen und so die Behandlung unserer Patienten zu verbessern“, wie Kriebel sagt. Deswegen teilen sich die 130 Teilnehmer nach Hauptvorträgen in kleinere Gruppen auf, um in Workshops bestimmte Themenfelder intensiv zu bearbeiten. Neben internationalen Referenten aus ganz Europa sind aus Kaiserslautern Kriebel, Schumacher und Mitschke als Referenten gefragt, ihr Wissen an die Kollegen weiterzugeben.