Stadtgespräch Behörden sollten offensiver informieren und erklären, statt nur verkünden

tiefbau

Nicht geschimpft ist Lob genug. Heißt es. Und die Damen und Herren im Referat Tiefbau der Stadt (und die aller anderen Behörden und Unternehmen, die mit Straßenbau beschäftigt sind) können davon ein Lied singen. Was die sich im Internet so alles anhören (besser: anschauen) müssen, das ist in vielen Fällen unterirdisch. „Wir haben da ein dickes Fell“, haben zwei Ingenieure kürzlich erzählt. Das mag sein, aber online dauerhaft „unter Beschuss“ zu stehen – das zehrt an den Nerven. Niemand liest gern, dass er ein Dilettant sei oder in einem „unfähigen Haufen“ arbeite. Die Beispiele sind erfunden, treffen aber so in etwa den Ton der Kommentare, die beispielsweise bei Facebook in Beiträgen zu Bauarbeiten zu lesen sind.

Die pauschalen Angriffe und Herabwürdigungen sind dazu oft ungerechtfertigt und oft in der ersten Rage entstanden, weil man vielleicht später zu einem Termin gekommen ist oder einen Umweg fahren musste. Doch was ist die Alternative? Straßen und Brücken verfallen lassen? Will auch niemand.

Kritik in vernünftigem Tonfall äußern

Natürlich ist konstruktive Kritik erlaubt und sogar wichtig, aber in einem Tonfall, den man auch im persönlichen Gespräch wählen würde. Einer sachlich vorgebrachten Kritik, vielleicht sogar gleich mit einem Verbesserungsvorschlag, wird sich doch im Rathaus sicher niemand verschließen. Oder? Das setzt aber voraus, sich ernsthaft mit einer Sache zu beschäftigen und sich nicht nur von der Couch aus in „sozialen“ Medien geradezu auszukotzen. Wie so oft gilt: mit- statt übereinander reden! Auch wenn nicht geschimpft genug gelobt ist ... Ein Lob gibt’s an der Stelle für das Referat Tiefbau und seine Mitarbeiter, die uns am Beispiel der Baustelle Merkurstraße einen Einblick gegeben haben, was hinter einer öffentlichen Baumaßnahme steckt. Dazu haben sie auch einigen Aufwand auf sich genommen.

Das war nicht selbstverständlich. Das war vorbildlich – und hoffentlich ein nachahmenswertes Beispiel für andere Referate und Behörden. Denn die Zeiten, in denen Bürger mit reinen Verkündigungen zufrieden waren, die sind vorbei*. Im digitalen Zeitalter wollen die Menschen enger eingebunden werden, Entscheidungen verstehen oder sogar – wie eingangs erwähnt – eigene Ideen einbringen. Das bedeutet für die Verwaltung mehr Arbeit, aber Transparenz und Erklärungen schaffen Vertrauen. Und das ist, gerade in Zeiten von „Ich habe gehört“, „Ich habe im Internet gelesen“ und „Aber mein Nachbar hat gesagt“, so unglaublich wichtig.

Bitte nicht hinter der Pressestelle verstecken

Ein Anfang wäre es, sich als politisch Verantwortlicher in einer Spitzenposition, als Behördenleiter oder Geschäftsführer gegenüber Journalisten die Zeit zu nehmen, etwas zu erklären – und Anfragen nicht ausschließlich über die Pressestelle beantworten zu lassen. Wie so oft gilt: mit- statt übereinander reden ...

*Das gilt so übrigens auch für unsere Arbeit, auch bei uns gibt’s beim Erklären redaktioneller Entscheidungen noch Luft nach oben. Viele Leser wollen eben nicht nur lesen, sondern Themenvorschläge machen und mehr über unsere Arbeit wissen. Kleiner Tipp: Wenn Sie uns an redkai@rheinpfalz.de schreiben, werden E-Mails ohne Beleidigungen in der Regel lieber (und vielleicht schneller) bearbeitet, als böswillige Tiraden. Denn: Niemand liest gern, dass er ein Dilettant sei oder in einem „unfähigen Haufen“ arbeite ...

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