Kaiserslautern Begeisterung und Ernüchterung
Die Begeisterung ist dem Mann mit dem Naturburschen-Aussehen ins gebräunte Gesicht geschrieben: „Ja, von „86 bis Ende der 90er Jahre, das waren Traumzeiten für uns.“ Ralf Woll meint damit nicht nur, dass die Gärtnerei florierte, sondern er sich in seinem Beruf geradezu austoben konnte. Da ging was ab, da wurde gepflanzt und gehegt, da wurden neue Beete eingerichtet, Gärten konzipiert, schön gestaltet, sein Vater Oswald, zwei Gehilfen, drei Auszubildende und stets sechs bis acht Aushilfen und er natürlich, waren mächtig gefordert.
Doch die Zeiten änderten sich und die Konsumenten mit ihnen. Und deren Kaufverhalten im Besonderen. „Mit dem Angebot in den Baumärkten und den Supermärkten konnten wir einfach nicht mehr mithalten.“ Der Satz klingt fast ein wenig nach Ernüchterung und – Traurigkeit. Heute arbeitet Ralf Woll noch mit einem Gehilfen zusammen und wenn er in einigen Jahren aufhört, dann ist die Gärtnerei Woll in Kaiserslautern-Erlenbach, 1930 gegründet und mit dem Unternehmen Koch & Christmann das älteste dieser Branche in der Stadt, wohl Vergangenheit. Im Gründerjahr spezialisierten sich Ralfs Großvater Armin und dessen Frau Karoline auf diverse Gemüsesorten und wenige Blumen. Die Verpflegung der Menschen stand im Vordergrund. Eine Wiese mit Obstbäumen wurde dazu gekauft, ein Bauer erntete und gab einen Teil ab an die Wolls. Die errichteten am kleinen Wohnhaus ein Gewächshaus aus Holz und Beton, installierten Frühbeetkästen und begannen peu à peu ihr Sortiment zu erweitern. Allwöchentlich tuckerte Armin Woll außerdem mit einem motorgetriebenen Dreirad auf den Wochenmarkt in der Stadt und offerierte seine Waren. Das Geschäft ernährte die Familie. Nach dem Krieg waren zuerst wieder Gemüse und Obst gefragt. Doch bald änderten sich die Ansprüche, die Wolls reagierten. Als Armins Sohn Oswald mit seiner Frau Elsbeth ins Geschäft einstieg, ein Gärtnermeister aus Überzeugung, wurde die Lebensmittel-Ergänzung Nebensache. Der Familienbetrieb begann zu wachsen. Dank der Schaffenskraft und Umtriebigkeit seiner Macher. Elsbeth Woll, ausgebildet als Kontoristin bei Pfaff, erledigte nicht nur den kaufmännischen Part, sondern packte auch dort an, wo fleißige Hände gebraucht waren, ihr Mann sorgte dafür, dass das Woll`sche Angebot beim Kunden ankam. Sohn Ralf entdeckte die Liebe zum Gärtnerberuf erst auf den zweiten Blick. „Ich wollte irgendwas mit Motoren machen. Auto-Mechaniker zum Beispiel. Mein Onkel Armin (er war als „es Schäffche“ in Lauterer Schrauberkreisen bestens bekannt. d. Red.) hat mich damit angesteckt“, blickt er auf seine beruflichen Anfänge zurück. Allerdings verleidete ihm ein Praktikum den Zugang zum Kfz-Metier. Er muss grinsen, wenn er daran denkt und umschreibt seine Erfahrungen elegant: „In dem stark hierarchisch geführten Betrieb habe ich schnell die Lust verloren.“ Am 5. Juli 1976 begann er eine Ausbildung als Gärtner in einem großen Lauterer Gärtnerei-Unternehmen. Für ihn kein Neuland, denn in den Jahren zuvor musste er stets in den Ferien im elterlichen Geschäft mit anpacken. Und mit der Zeit kam die Freude am Gärtnerberuf. 1979 Gesellenprüfung, 1986 Meister. Ralf Woll sagt heute: „Ich war glücklich in meinem Beruf. Er erfüllte mich.“ Dieser Beruf veränderte sich jedoch rapide. „Ein vollautomatischer Betrieb, das wäre nichts für mich gewesen.“ Woll verhehlt aber auch nicht, dass ihn unternehmerische Fehlgriffe finanziell gebeutelt haben. Da redet er Klartext, ohne Wenn und Aber. Tatsache war jedoch: Die Zahl der Gärtnereien in der Stadt begannen ab der Jahrtausendwende zu schrumpfen: Anfang der 50er Jahre waren es noch 32, heuer sind es noch zwei alteingesessene. „Mir geht die Entwicklung nahe. Die Pflanzen sind zur Ramschware geworden“, beklagt der leidenschaftliche Gärtnermeister, dessen Frau Elke Simon als Floristin selbst einen bekannten Blumenladen in der Pariserstraße besitzt. Vor drei Jahren hat er seinen Laden in Erlenbach geschlossen. Die Eltern haben die negative Entwicklung nicht mehr erlebt; der Vater starb 2007, die Mutter ein Jahr später. Doch Ralf Woll ist keiner, der sich grämt. Anpacken heißt seine Devise, auch wenn er sich vor 20 Jahren nicht hätte vorstellen können, dass er mit 55 noch körperlich derart beansprucht wird. Samstags von 8.30 bis 13 Uhr verkauft er nach wie vor das, was er noch aus seiner bebauten Fläche herausholt, ansonsten ist er Dienstleister im klassischen Sinne. Gärtnerarbeiten vom Fachmann eben. Mit einem Gehilfen. Da muss der Chef eine vollwertige Arbeitskraft sein. Sein Bruder Frank („wir haben nach wie vor ein prima Verhältnis“) hat Forstwirtschaft studiert und arbeitet bei der Bezirksregierung in Neustadt. Also auch ein „Grüner“. Und wenn die Arbeit den Körper gerade an heißen Tagen zu arg strapaziert, dann taucht Ralf Woll nach Feierabend in die Fluten des Freibades Waschmühle, denkt an schöne Zeiten zurück, zum Beispiel an die Landesgartenschau in der Stadt, als dem begeisterten Gärtner das Herz aufging. Damals in einer anderen Zeit…