Kaiserslautern
Baustellen-Chaos in der Stadt
Das befürchtete Komplett-Chaos ist vorerst ausgeblieben. Am Freitagfrüh wälzte sich schweres Gerät nahe der Kammgarn-Mauer über den Streifen, auf dem normalerweise Autos zweispurig Richtung Innenstadt rollen. Oder sich zu Stoßzeiten dicht an dicht ebenfalls nur wälzen können. Noch neun Tage sind die vier Spuren der Lauterstraße auf zwei verengt. Zwischen Kammgarn und SVG-Tankstelle bleibt nur eine Spur pro Richtung.
Am Donnerstag war die Fahrbahn quasi halbiert worden. Trotzdem hat es zunächst kaum Stauungen gegeben. Auch am Freitagmorgen, als die Riesenfräse anrückte, um tonnenweise Belag aus der Straße zu klauben und auf pendelnde Lastwagen zu werfen, gab es direkt nebenan kaum Stillstand. Klar, das lief nicht wie gewohnt. Aber die Autos standen auch nicht bis zu den Stadteingängen.
„So schlimm wird das nicht“, prophezeit Kai Glass auch für die kommenden Tage keine Katastrophe. Richtig eng werde es nur, wenn etwas auf der Autobahn passiere. „Wir wissen ja: Wenn die Autobahn nach einem Unfall dicht ist, geht hier fast gar nichts mehr“, erinnert der Bauleiter des Projekts Lauterstraßen-Sanierung an echte Problemlagen.
Glass hat mit seinem Trupp der Baufirma Jung auch den Burggraben um Belag-Altlasten erleichtert, gestopft und neu aufgebaut. Die Baustelle hatte einige Verkehrsteilnehmer zu erheblichen Umwegen und zu einigem Unmut geführt. Und: Die Fertigstellung hatte sich verzögert. Warum? „An uns lag das nicht. Wir waren rechtzeitig fertig“, betont Glass. Nur die Ampelschleifen hätten noch geschnitten und vergossen werden müssen. „Aufgabe der Stadt“, weist Glass von sich, an der Verzögerung Anteil zu haben.
„Alle wollen gute Straßen, keiner mag Baustellen“
Stadtwerke und Stadtentwässerung, sogar die Stadtbildpflege führen Regie bei diversen Baumaßnahmen. Zudem ziehen einige Referate im Rathaus die Fäden, wie etwa das Tiefbau-Referat bei der Lauterstraße. Dass die Anzahl der Baustellen zum nicht mehr überblickenden Wust geworden ist, hängt zuvorderst an der notwendigen Ertüchtigung der Abwasser-Einrichtungen. Die Sanierung des Hauptkanals macht es erforderlich, dass vor allem in der Pariser Straße die Baken von einer Stelle zur anderen geschoben werden, mal hier, mal dort die Straße eng wird.
Was Pendler nicht eben entzückt: Am westlichen Tor zur Stadt bürgt die B270 seit Mai schon für wenig Freude bei allen, die auf diesem Weg – inklusive über die Autobahn-Abfahrt West – nach Lautern wollen. Seit Freitag warten auch vom Lautertal her kommend arge Behinderungen, weil auf einem nur 350 Meter langen Straßenstück gut 3500 Quadratmeter Fahrbahn erneuert werden. „Jeder will auf guten Straßen fahren, aber niemand eine Baustelle in Kauf nehmen“, sagt Bauleiter Glass, der sich im Alltag schon einiges hat anhören müssen.
Durchaus schon mal anraunzen lassen müssen sich auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, deren Telefonnummern seit einer Weile das Baustellen-Portal der Stadt verrät. Ja, der Service werde genutzt, sagt ein Tiefbau-Mitarbeiter, der tatsächlich bereitwillig erläutert, was da in seinem Hoheitsgebiet passiert.
Fraglos: Die Behinderungen nehmen ob ihrer Fülle überhand. Vom Betzenberg ist nur schwer wegzukommen, weil alles Richtung Waldschlösschen muss. Die Kant- ist eine Einbahnstraße und wird es noch lange bleiben. Bis Herbst 2023 sollen dort die Arbeiten an der Fernwärme-Erschließung noch dauern. Immerhin: Es wird gearbeitet.
Auch andere Baustellen sind keinesfalls verwaist in diesen Tagen. Nicht am Barbarossaring, wo an der Kreuzung Entersweilerstraße/Kniebrech die Fahrbahn saniert wird. Auch nicht zum Beispiel in der Beethovenstraße, wo an der Ecke Richard-Wagner-Straße am Donnerstag fünf Mann in der Baugrube wühlten. Laut Baustellenportal war der dort erfolgende Fernwärme-Anschluss eines Hauses übrigens am 15. Oktober schon fertig. Das Loch sagt etwas anderes.
Baken und Bauzäune rücken in Pariser Straße weiter
Auf die Frage, wo denn noch weitere erhebliche Bremsspuren im innerstädtischen Verkehrsfluss zu erwarten seien, hat die Stadtverwaltung drei neuralgische Stellen genannt, an denen das Tiefbau-Referat auf verkehrswichtigen Routen tätig sei: die Arbeiten am Barbarossaring sowie in Max- und Mannheimer Straße. In der City, aktuell in der Maxstraße, werden im Zuge der „Neue Stadtmitte“-Gestaltung Bushaltestellen erneuert. In der Mannheimer Straße wird die Abbiegespur zur Salingstraße aufgefrischt.
Was die strapazierten Nerven von Verkehrsteilnehmern betrifft, fallen mutmaßlich die Kanalarbeiten noch mehr ins Gewicht. Seit Wochen rücken Baken und mobile Bauzäune in der Pariser Straße hin und her. Zurzeit herrscht besonderes Warnblinklicht-Gedränge stadtauswärts in Höhe Kaufland.
Immerhin ist dort Land in Sicht: Nach Angaben der Stadtentwässerung soll bis 5. November Schluss sein. Dann wird sich das Baustellen-Aufkommen langsam lichten.