Kaiserslautern
Barrierefrei durch Kaiserslautern: KLNavi-Probelauf deckt Schwächen auf
Am Martinsplatz hat sich eine kleine Gruppe zum Probelauf eingefunden – ein Blinder mit Begleitung, Rollstuhlfahrer Christian Werner und Claudia Rosenkranz, Mutter einer Rollstuhlfahrerin. Steffen Griebe, kommunaler Beauftragter für Belange von Menschen mit Behinderungen, und Günther Klein, Projektleiter von KLNavi in der städtischen Stabsstelle Digitalisierung, führen aus, was es mit dem neuen Routenplaner auf sich hat. Planungstools wie Google Maps seien auf die Belange von Menschen ohne Einschränkungen ausgelegt, sagen die beiden Fachleute. Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator, mit Kinderwagen oder Gipsbein bekämen von einem traditionellen Navi keine Informationen darüber, wo Hindernisse zu umgehen sind oder wie viel Zeit sie für eine bestimmte Strecke einplanen müssen. „Barrierefreiheit steht nicht im Fokus“, bemängeln Griebe und Klein. Bei KLNavi soll das anders sein.
Auch Stationen für Bike- und Carsharing
Informationen darüber, welche Qualität der Bodenbelag hat, wo Rampen, Bauzäune, Laternenpfähle, beengte Durchgänge die Mobilität erleichtern oder behindern, erhalten die Macher von der Stadt oder von Street View Cyclo Media. „Es geht um Anstiege und Neigungen wie auch Höhe von Stufen“, sagt Klein. „Wir bekommen auch gerade die Daten vom Radwegenetz.“ Dagegen bleiben die persönlichen Daten – welche Routen man wann recherchiert und begangen hat – auf dem eigenen Gerät.
Auch Stationen für Bike- und Carsharing sowie Infos zum öffentlichen Nahverkehr sollen in das Routenplanungstool eingearbeitet werden. Ein Extra-Tool mit einem Lotsensystem für Sehbehinderte sei in der Planung, informiert Klein. „Blinde sollen sich damit navigieren lassen können – von Haustür zu Haustür.“
Grad der Einschränkung wählen und los geht’s
Beim Praxistest werden die Handys gezückt. Unter KLNavi erscheint im Browser der Stadtplan von Kaiserslautern. Startort und Ziel werden eingeben. Danach wird in den App-Einstellungen der Grad der Einschränkung gewählt. Zwischen Rollstuhl oder Rollator, leichter, mittlerer oder schwerer Gehbehinderung wie auch Kinderwagen können sich die Nutzer entscheiden. Welche Geschwindigkeit das System dabei veranschlagt, wird auch gleich angegeben. Wählt man Gehen vermeiden aus, kann man sich die Angebote von Bus und Bahn sowie von Rad- oder Autoverkehr anzeigen lassen.
Tippt man auf das Feld Fortbewegung, erfährt man die Dauer und die Entfernung der Route. So ergeben sich unterschiedliche Wegzeiten für verschiedene Einschränkungen. Was acht Minuten Gehzeit für eine leichte Gehbehinderung bedeutet, sind fünf Minuten Wegzeit für den Rollstuhlfahrer und zwölf Minuten für den Menschen mit Rollator. Unter Einstellungen kann man auch später noch sein Profil wechseln. Der blaue Punkt, bekannt von Google Maps, zeigt den aktuellen Standort an. So weit, so gut. Was für Normalsichtige funktioniert, geht nicht für den blinden Nutzer. Was die eigene Sprachsoftware betrifft, ist das Tool nicht barrierefrei – eine erste Erkenntnis. „Das ist ein großes Manko und sehr wertvoll für uns, genau dafür sind wir heute da“, betont Klein.
„Jetzt gehen wir mal los“, kündigt Griebe an. Vor dem ersten Schritt wird klar, dass beim Fahren mit dem Rollstuhl oder Rollator das Handy aus der Hand gelegt werden müsste. Damit hat der Praxistest schon die zweite Erkenntnis geliefert – man sollte sich die vorgeschlagene Route vorm Losgehen einprägen. Unterwegs kann man mit einem Blick auf KLNavi anhand des blauen Punktes kontrollieren, wo man sich auf der angezeigten Strecke befindet. „Wenn Ihnen unterwegs ein Hindernis auffällt, bitte ansprechen“, fordert Klein die Teilnehmer auf.
Das Kopfsteinpflaster am Sankt-Martins-Platz ist ein Problem
Schwierig für Werner als Rollstuhlfahrer ist das Kopfsteinpflaster am Sankt-Martins-Platz. „Es geht schon irgendwie, aber deshalb fahre ich ungern in die Altstadt“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Inklusionsbeirats. Der neuverlegte Bodenbelag Richtung neue Stadtmitte ist dagegen wunderbar glatt und für alle problemlos zu bewältigen.
Griebe gibt zu bedenken, dass praktisch jeder von einer Einschränkung betroffen werden könne – zumindest zeitweilig. Als individualisierbarer Routenplaner solle das Tool für einen Teil der Bevölkerung höhere Lebensqualität schaffen. „Damit wird die Stadtgesellschaft bereichert“, betont Griebe. „Wir wollen das Leben in der Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger lebenswert machen – mehr Teilhabe schaffen.“ Das Projekt sei als „Open Source Data“ angelegt, so dass jede Kommune die Daten von KLNavi für sich nutzen könne, erklärt Klein.
Fehler beim taktilen Leitsystem
Beim taktilen Leitsystem für Sehbehinderte – die Noppenbereiche im Bodenbelag zwischen Schillerplatz und Fruchthalle – gebe es Fehler, entdeckt der blinde Teilnehmer der Proberunde. Auch das nehmen Griebe und Klein in die Liste der Rückmeldungen auf. Wer nicht am Testlauf teilnehmen konnte, hat die Möglichkeit, Probleme in Sachen Barrierefreiheit direkt zu melden: per E-Mail an lotse@Kaiserslautern.de.