Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Barbarossahof hat jetzt vier Sterne

Freuen sich über den vierten Stern: von links Sandra, Alexander und Heidi Flockerzie.
Freuen sich über den vierten Stern: von links Sandra, Alexander und Heidi Flockerzie.

Seit 150 Jahren betreibt die Familie Flockerzie das Hotel-Restaurant auf der Eselsfürth mit 300 Betten. Immer wieder wurde um- und angebaut, die Gäste kommen aus der ganzen Welt. Obwohl der Markt hart umkämpft ist und Corona den Umsatz schrumpfen ließ, geht der Blick nach vorne. Es soll weiter investiert werden.

„Der vierte Stern für den Barbarossahof ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit“, sagt Juniorchef Alexander Flockerzie, der das Haus mit seiner Mutter Heidi führt. „Innerhalb von 20 Jahren haben wir 3,5 Millionen Euro investiert. Alle 132 Zimmer wurden zuletzt renoviert und mit Boxspringbetten ausgestattet, ein Aufzug wurde eingebaut, neu ist eine Hotelbar, die noch erweitert werden soll. Und dann bauen wir die Lobby um“, kündigt der 42-Jährige an. Weil zuletzt drei neue Hotels eröffnet wurden, seien Service und hohe Qualität das A und O, um sich abzusetzen.

70 Mitarbeiter und 15 Auszubildende

Der Barbarossahof beschäftige fast nur Fachpersonal, es gebe kaum Fluktuation. „Deshalb haben wir jetzt auch keine Probleme. Die meisten der 70 Mitarbeiter – darunter fünf Hausmeister – waren in Kurzarbeit und sind wieder da.“ Viel Wert gelegt werde auf die Ausbildung des Nachwuchses. Aktuell sind 15 Azubis im Haus. Wer gutes Personal halten wolle, müsse übertariflich bezahlen und keine Teildienste ansetzen. „Unsere Leute haben eine Fünf-Tage-Woche.“ Ein Wettbewerbsvorteil seien die durchweg klimatisierten Zimmer. Die schätzten nicht nur die amerikanischen Gäste.

Amerikaner kommen viele in den Barbarossahof, Regierungsangestellte, Firmenvertreter, die für das Militär arbeiten. „US-Familien wohnen oft wochenlang bei uns, bis sie eine passende Immobilie gefunden haben“, erklärt Heidi Flockerzie. Sie schätzten die großzügigen Familienzimmer und die 80 Quadratmeter großen Suiten. „Bei uns ist alles zweisprachig, von der Speisekarte bis zum TV-Programm.“

Überwiegend Geschäftsreisende und Amerikaner

Auf der Eselsfürth steigen überwiegend Geschäftsleute ab, die bei Firmen im PRE-Park zu Gast sind oder im Hertelsbrunnenring, berichtet Flockerzie. „Sie machen 90 Prozent unserer Kundschaft aus, wobei die touristischen Reisen zunehmen.“ Urlaubsgäste bleiben zwei bis drei Tage, da wäre aber viel mehr drin, wenn die Stadt mehr tun würde, glaubt Heidi Flockerzie, die 15 Jahre für die CDU im Stadtrat saß. „Wir haben keine Lobby.“ Zunehmend buchen sich E-Bike-Fahrer im Barbarossahof ein, Wanderer und Motorradfahrer. „Die Tourist-Information müsste dringend personell aufgestockt werden, die Ausschilderung der Wanderwege ist katastrophal“, klagt Alexander Flockerzie. Kaiserslautern habe mit dem Wald vor der Haustür ein Riesenpotenzial, um Urlauber bis zu sieben Tage zu beherbergen, zumal es in die Vorderpfalz oder ins Dahner Felsenland nicht weit ist.

Schnellladestation für Tesla-Fahrer

„Die Lage an der A63 und der A6 ist ein großer Pluspunkt“, sagt der Hotelier, viele Gäste übernachteten auf der Durchreise. Neuerdings sogar Tesla-Fahrer, wegen der Schnellladestationen vor der Tür. Flockerzie liebt die Perfektion und will vorne dabei sein. „Ich habe sieben Jahre lang um eine Glasfaserleitung gekämpft.“

In mehreren Restaurants können bis zu 300 Gäste bewirtet werden. Für Tagungen und Veranstaltungen stehen neun Räume zur Verfügung, alle mit Beamer und modernster Technik ausgestattet, gerade wurde ein 86-Zoll-Whiteboard angeschafft. Um zu erfahren, wie seine Gäste ticken, wertet Flockerzie jeden Morgen die Bewertungen im Internet aus. „Unser Ziel ist, über alle Portale hinweg auf über 90 Prozent Zufriedenheit zu kommen“, sagt der studierte Wirtschaftsinformatiker, dessen Ehefrau Sandra sich ums Personal kümmert, Schwester Angela kocht. „Bei Holiday Check sind wir unter den Top 50 von über 6000 Betrieben in Rheinland-Pfalz.“

Über 30.000 Übernachtungen im Jahr

Der Schlüssel des Erfolgs? „Wir haben immer nur investiert, wenn wir Geld hatten“, sagt Heidi Flockerzie. Außerdem ist sie überzeugt, dass so ein großes Haus, „in dem Tradition auf Moderne trifft“, nur in Familienhand geführt werden kann. „Die Nähe zu Mitarbeitern und Stammkunden ist wichtig.“ Jetzt muss nur noch das Geschäft wieder anziehen. In der Krise war der Umsatz um 50 Prozent eingebrochen. Bis sein Haus wieder auf Vor-Corona-Niveau mit 30.000 Übernachtungen im Jahr kommt und eine Auslastung von 75 Prozent, das werde dauern, so Alexander Flockerzie. Doch selbst für das Tagungsgeschäft, das noch arg schwächelt, ist er optimistisch. „Insbesondere Vertriebstagungen wird es wieder geben, die brauchen den direkten Kontakt.“

Neben dem Barbarossahof haben nur das Saks Hotel und das Hotel Zollamt die vier Sterne der Dehoga-Klassifizierung. Vier Sterne stehen für Hotels für hohe Ansprüche. Alf Schulz, Vizepräsident des Hotel-und Gaststättenverbands (Dehoga), sagte, die Sterneklassifizierung sei nach wie vor ein wichtiges und gutes Bewertungskriterium. Der Barbarossahof gehöre weltweit zu den zehn Prozent Hotels, die am meisten geschätzt werden. Kaiserslautern habe genügend Betten, deshalb müsse dringend eine Tourismusstrategie aufgesetzt werden, „damit unsere Häuser gefüllt werden“. Kaiserslautern könne „wahnsinnig viel bieten“. Oberbürgermeister Klaus Weichel verwies auf steigende Übernachtungszahlen. Die Länge der Aufenthalte nehme zu, auch durch den Wissenschaftstourismus. Im Jahr 2019 wurden in Kaiserslautern 291.451 Übernachtungen gebucht.

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