Ramstein
Band Impact reißt Publikum vor dem Congress Center mit
Kennen Sie diesen Moment auf einer Party? Man unterhält sich, flachst, diskutiert. Dann setzt das Keyboard von „Don’t Stop Believin’“ ein. Sofort sind die Gespräche vergessen. Spätestens, wenn „Just a small-town girl, living in a lonely world“ ertönt, liegen sich die Partygäste mitsummend in den Armen. Ähnlich war es auf dem Ramsteiner Festplatz.
Die Piano-Linien von Matthias Theis am Anfang klangen, als würde man ein Buch aufschlagen. Und dann sang Manuel Haselbach, der normalerweise die Gitarre traktiert, zu Fred Gleys emotional aufgeladenen Gitarrenspiel mit einer einfühlsamen Stimme, die durch Mark und Bein ging und den melodischen Zauber und die Poesie dieses Songs wunderbar heraushob. Dieser Song war einer der Glanzstücke des Abends.
Rauschhafte Momente
Auch der U2-Song „Where The Streets Have No Name“ war so ein Moment, der die Hörer besonders berührte. Rauschhafte, atmosphärisch dichte Klänge vereinten in ihrem effektvollen Zusammenspiel Fred Gley und Manuel Haselbeck (Gitarre), Matthias Theis (Keyboard), Eric Becker (Drums) sowie Dirk von Ehr (Bass), während der Ramsteiner Alex Graut mit weitausladender Emotion und ungekünstelter Intensität in der Stimme den Bono mimte. Besonders faszinierend war dabei das Zusammenspiel des Keyboards und der in geradezu obsessiven Akkordstrukturen röhrenden Gitarren. Dazu lieferten Beckers Drum-Batterie und von Ehrs exquisite Bassbegleitung ein kompaktes Rhythmus-Fundament. Nahezu authentischer U2-Sound war das. Gänsehaut!
Zwischen Feuer und Herz
Es war jedoch nicht so, dass Impact nur Balladen gespielt hätte. Die Balance zwischen Feuer und Herz war gut verteilt. Da berauschte sich Becker bei Totos „Hold the Line“ und „I Was Made For Loving You“ von Kiss an einem komplexen Rhythmusteppich, und von Ehr legte darauf einen energetisch pulsenden, extrem satten Bass. Die Gitarristen und Keyboarder verwandelten sich in Pulverfässer, an denen schon die Zündschnur loderte. Die explodierten dann in Titeln wie „You Shook Me All Night Long“ und „Hells Bells“ von AC/DC. Mit tiefen Glockenschlägen auf der „Höllenglocke“ läutete Keyboarder Theis den Song ein. Und nahezu authentisch nahm Fred Gley die Rolle des Höllenengels ein und mimte mit extrem hohem, zungenakrobatischem und kehlig heißerem Scatgesang den AC/DC-Sänger Brian Johnson, wozu die Gitarren mit Sägesound begleiteten. Spätestens an dieser Stelle war das Publikum nicht mehr zu halten, stand von den Sitzen auf und klatschte euphorisch den Rhythmus mit.
Die Stimmung stieg von Song zu Song. Auch Nummern von Bon Jovi, Robbie Williams, Die Ärzte, Status Quo, Rammstein, Linkin Park oder den Toten Hosen kamen beim Publikum bestens an, zumal es Sänger Alex Graut verstand, Stimmungen rüberzubringen. Begeisterter Beifall. Drei Zugaben.